Wichtiger Konjunkturindikator Kupferpreis fällt erstmals seit 2020 unter 7000 US-Dollar

Die Entwicklung des Kupferpreises gilt unter Ökonomen als Frühindikator für das künftige Wirtschaftswachstum. Nun steuert das Industriemetall auf seinen größten Wochenverlust seit mehr als zwei Jahren zu. Die Angst vor einer Rezession wächst.
Kupferproduktion in Mexiko: Das Metall wird in vielen Industrien eingesetzt und gilt daher als verlässlicher Konjunkturindikator

Kupferproduktion in Mexiko: Das Metall wird in vielen Industrien eingesetzt und gilt daher als verlässlicher Konjunkturindikator

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HECTOR GUERRERO / DPA

An den Rohstoffmärkten hat sich die Talfahrt der Preise für Industriemetalle nach schwachen Konjunkturdaten aus China fortgesetzt. Am Freitag fiel die Notierung für eine Tonne Kupfer an der Börse in London erstmals seit November 2020 unter die Marke von 7000 US-Dollar. Am Donnerstag wurde Kupfer noch zu einem Preis von über 7300 Dollar gehandelt. Mit einem Minus von 10,6 Prozent steuert das Metall auf seinen schlimmsten Wochenverlust seit mehr als zwei Jahren zu. Seit dem Hoch Anfang März ist der Preis um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Der Preis für Kupfer gilt unter Ökonomen als hochsensibles Barometer für die Verfassung der Weltwirtschaft, oftmals wird in diesem Zusammenhang auch von "Dr. Copper" gesprochen.

Der starke Preisrückgang kurz vor dem Wochenende wird mit schwachen Konjunkturdaten aus China erklärt. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat die Konjunktur deutlich an Fahrt verloren. Wegen strenger Corona-Maßnahmen ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur noch um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Es ist das schwächste Quartalswachstum seit Beginn der Corona-Pandemie. Zu Beginn des Jahres war Chinas Wirtschaft noch um 4,8 Prozent gewachsen.

Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben inzwischen ihr Kursziel von zuletzt 8650 US-Dollar je Tonne deutlich reduziert. Sie gehen nun davon aus, dass die Notierung in den kommenden drei Monaten bis auf 6700 Dollar je Tonne fallen könnte. Sie erklärten dies auch mit dem starken Dollar, der das Metall in Ländern außerhalb des Dollarraums verteuert und die Nachfrage bremst.

Auch Eisenerz unter Druck

Neben dem Kupferpreis standen auch die Notierungen von anderen Industriemetallen stark unter Druck. So sank der Preis für Eisenerz um fast 3 Prozent auf 102,55 US-Dollar je Tonne. Am Donnerstag war Eisenerz sogar zeitweise unter 100 US-Dollar gehandelt worden, nachdem sich Anleger zunehmend Sorge wegen einer Schieflage auf dem chinesischen Immobiliensektor machten. In den vergangenen Jahren hatte China wegen des Baubooms große Mengen an Stahl benötigt, was den Preis für Eisenerz nach oben trieb.

Generell stehen die Preise für Industriemetalle seit Wochen unter Druck. Als Ursache gelten wachsende Sorgen über ein Abflauen der Weltwirtschaft wegen der Folgen des Kriegs in der Ukraine, der harten Vorgehensweise Chinas bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie und schnell steigenden Zinsen in vielen Volkswirtschaften. Auf einen monatelangen Anstieg der Metallpreise folgte seit dem Frühjahr eine Korrektur, die sich zuletzt fortsetzte.

mg/dpa-afx
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