Fintech aus Bayern stürmt nach oben Künftiges Dax-Mitglied - was macht eigentlich Wirecard?

Firmensitz in Aschheim bei München: Das Fintech-Unternehmen Wirecard wird vermutlich bald im Dax gelistet.

Firmensitz in Aschheim bei München: Das Fintech-Unternehmen Wirecard wird vermutlich bald im Dax gelistet.

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Kommt Wirecard in den Dax ? Am kommenden Mittwoch trifft sich der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, spät um 22 Uhr soll dann die Entscheidung bekannt gegeben werden. Hinter den Kulissen dürfte die Sache allerdings bereits ausgemacht sein. Der August ist vorbei und damit liegen alle Daten vor, die für die Frage einer Dax-Änderung relevant sind. Den Regeln der Deutschen Börse zufolge gibt es auch keinen Ermessenspielraum - vieles spricht dafür, dass das Fintech-Unternehmen aus dem bayerischen Aschheim, das weltweit 4500 Mitarbeiter beschäftigt und eigenen Angaben zufolge über 34.000 Kunden aus verschiedenen Branchen verfügt, mit Wirkung ab 24. September in Deutschlands erste Börsenliga aufgenommen wird.

Doch was genau macht Wirecard eigentlich?

Deutsche Bank , Commerzbank , dazu die Allianz  und die Münchener Rück  sowie die Deutsche Börse  - bislang befinden sich im Deutschen Leitindex, der die 30 größten hiesigen Konzerne gemessen an der Marktkapitalisierung und dem Handelsumschlag am Aktienmarkt enthält, ausschließlich Finanzunternehmen, die traditionellen, vergleichsweise leicht nachvollziehbaren Geschäften nachgehen.

Mit Wirecard ist das anders. Wer sich auf der Website des Unternehmens ein Bild machen will, wird schnell Schwierigkeiten bekommen. Da ist die Rede von einer Multi-Channel Payment Gateway, von integrierten Risiko- und Fraud-Management-Systemen, von Issuing-Lösungen, von einer POS-Terminal-Infrastruktur und vielem mehr, das dem durchschnittlichen Betrachter zunächst wenig sagen dürfte.

Willkommen in der Welt der Fintechs. Allgemein verständlich lassen sich die Geschäfte von Wirecard vielleicht am besten so beschreiben: Das Unternehmen ist ein Finanzdienstleister, dessen Geschäftsmodell vollständig auf die moderne, stark technisierte und vernetzte Welt ausgerichtet ist. Wirecard fungiert unter anderem als Intermediär zwischen Kreditkartenfirmen und anderen Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen. Zudem bietet Wirecard seine Dienste als Zahlungsabwickler für den Online-Handel an.

Das Wachstum des bislang im TecDax  notierten Unternehmens basiert damit auf der Teilhabe an verschiedenen Zukunftstrends. Und obwohl Wirecard vor allem im Geschäft mit Firmenkunden agiert, kommen viele Menschen regelmäßig mit den Produkten und Dienstleistungen des Hauses in Berührung, und das, ohne es in der Regel zu bemerken. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn jemand als Kunde an der Supermarktkasse mit EC- oder Kreditkarte bezahlt, wenn per App ein Taxi bestellt wird, oder wenn im Onlineshop ein Buch oder ein paar Schuhe bestellt werden. In vielen dieser Fälle laufen die erforderlichen Zahlungsströme durch die Systeme von Wirecard, bevor sie beim eigentlichen Empfänger ankommen.

Wirecard-Aktie stieg binnen zehn Jahren um fast 3000 Prozent

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So wickelt Wirecard für Tausende Kunden rund um den Globus inzwischen alle möglichen Arten des bargeldlosen Bezahlens ab - sei es online, sei es mobil oder sei es stationär. Die Dienste von Wirecard umfassen dabei nicht nur verschiedene Zahlungsmethoden wie den Einsatz von Kreditkarten, von Lastschriften oder das mobile Bezahlen sowie das dazugehörige Risikomanagement. Vielmehr gibt Wirecard für seine Kunden auch verschiedene eigene Zahlungskarten aus.

Ein modernes, hochtechnologisches Unternehmen also - doch die Vergangenheit von Wirecard spielt in einer eher althergebrachten Umgebung: Wirecard zählte in den Anfangsjahren vor allem Firmen aus der Porno- und Gambling-Branche zu seinen Kunden und musste daher lange Zeit gegen ein erhebliches Schmuddel-Image ankämpfen. Erst später kamen seriösere Branchen wie Airlines oder Retailer hinzu - und das Wachstum nahm Fahrt auf.

Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg das Papier von Wirecard um beinahe 3000 Prozent. Allein im laufenden Jahr hat das Unternehmen seinen Aktienkurs bereits mehr als verdoppelt. Die Verantwortlichen sagen auch für die Zukunft rasantes Wachstum voraus. Anleger sollten jedoch Obacht geben: Nach den Kursanstiegen der vergangenen Monate ist das Unternehmen an der Börse bereits vergleichsweise hoch bewertet.

Immerhin, bislang stimmte die Wachstumsstory: Wirecard gelang allein im zweiten Quartal 2018 ein Umsatzzuwachs um 40 Prozent auf 477 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr des Jahres steht damit ein Umsatzplus von 46 Prozent auf 897 Millionen Euro zu Buche. Der operative Gewinn (Ebitda) kletterte von Januar bis Juni um 39 Prozent auf 245,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal betrug das Gewinnplus ebenfalls rund 40 Prozent.

Ähnliche Wachstumszahlen stehen in der Bilanz für das Jahr 2017, als der Umsatz um 45 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro stieg und der Nettogewinn um 47 Prozent auf 260 Millionen Euro. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor hatte Wirecard mit einem Umsatz von 134 Millionen Euro noch einen Nettogewinn von etwa 30 Millionen Euro verbucht.

Schier unaufhaltsam scheint der Anstieg der Wirecard-Aktie vor dem Hintergrund zu verlaufen. Verschiedene "Short-Attacken", die in der Vergangenheit gegen das Papier gefahren wurden, konnten dem Kurs nicht nachhaltig schaden.

Ein viel beachteter, kritischer Bericht über Merkwürdigkeiten in der Wirecard-Bilanz, den manager-magazin.de Anfang 2017 veröffentlicht hatte, sorgte zwar vorübergehend für Kursverluste von mehr als 5 Prozent. Dauerhaft haben sich die dadurch vermittelten Zweifel in den Köpfen der Anleger aber offenbar auch nicht festgesetzt - obwohl das Unternehmen seinerzeit nicht alle von manager-magazin.de aufgeworfenen Fragen befriedigend beantworten konnte, hat die Aktie inzwischen wieder deutlich zugelegt.

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