Börsengang in Hongkong Kuaishou-IPO - Investoren reißen sich um Aktien der Video-App

Erneut steht in Fernost ein beachtlicher Börsengang an: Mit Kuaishou kommt eine Video-App an den Aktienmarkt, die bereits mehr Nutzer hat als Twitter oder Snapchat. Investoren sind schon vor dem Debüt aus dem Häuschen.
Kuaishou-Werbung in Peking: Die Video-App geht in Hongkong an die Börse

Kuaishou-Werbung in Peking: Die Video-App geht in Hongkong an die Börse

Foto: WU HONG/EPA-EFE/Shutterstock

Die chinesische App Kuaishou hat mehr Nutzer als Twitter oder Snapchat - aber wer hätte in Deutschland oder anderswo in der westlichen Welt schon einmal von ihr gehört? Die Bekanntheit könnte allerdings künftig steigen, denn das Unternehmen geht am Freitag in Hongkong an die Börse.

Kuaishou ist eine Video-App, vergleichbar mit der zum chinesischen Bytedance-Konzern gehörenden App TikTok, die zugleich der größte Wettbewerber Kuaishous in der Volksrepublik ist. Nutzer präsentieren sich auf diesen Smartphone- und Computerprogrammen in kurzen Videos oder längeren Livestreams, sei es beim Spielen von Videogames, beim Tanzen, Kochen oder welcher Tätigkeit auch immer.

Das 2011 als reines Programm zur Verbreitung von Mini-Videos gestartete Kuaishou hat es mit dieser Idee in den vergangenen Jahren zu erheblicher Popularität gebracht: Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg den IPO-Unterlagen zufolge  auf 302 Millionen. Immerhin mehr als 85 Minuten verbringt ein solcher Nutzer im Schnitt Tag für Tag mit der App. Zum Vergleich: Snapchat etwa kam zuletzt weltweit auf etwa 250 Millionen tägliche Nutzer .

Monatlich sind bei Kuaishou sogar rund 776 Millionen Menschen aktiv (Twitter zählte zuletzt weltweit rund 330 Millionen monatlich aktive Nutzer ). TikTok von Bytedance allerdings hat mit zuletzt mehr als 800 Millionen monatlichen Nutzern offenbar noch leicht die Nase vorn .

Starkes Umsatzwachstum, aber rote Zahlen

Um den Traffic in Profite zu verwandeln, haben sich die Macher von Kuaishou verschiedene Wege ausgedacht. Ursprünglich waren der Hauptumsatzbringer des Unternehmens virtuelle Geschenke, die die Zuschauer den Protagonisten von Livestreams oder Videos zukommen lassen konnten. So spenden Nutzer als Zeichen ihrer Anerkennung bestimmte Sticker, die während eines Streams über den Bildschirm fliegen. Diese kosten Geld, wovon ein Teil dem Streamer zukommt, ein anderer aber auch beim Unternehmen landet.

Laut "Financial Times " machten diese virtuellen Geschenke ursprünglich mehr als 90 Prozent der Umsätze Kuaishous aus. Inzwischen sei der Anteil jedoch auf etwas mehr als 60 Prozent zurückgegangen - das Unternehmen hat andere Erlösquellen erschlossen. Stark gestiegen ist beispielsweise der Anteil der Werbeerlöse. Zudem profitiert Kuaishou vom E-Commerce, den seine Streamer über die Plattform betreiben - auch von diesen Umsätzen landet ein Teil in den Kassen des Unternehmens.

Insgesamt brachte es Kuaishou damit 2019 auf Umsätze von beachtlichen rund 39 Milliarden Renminbi (rund fünf Milliarden Euro), so die IPO-Papiere . In den ersten sechs Monaten 2020 betrug der Umsatz demnach bereits mehr als 25 Milliarden Renminbi.

Dass Kuaishou gegenwärtig noch vor allem auf Wachstum getrimmt ist, zeigt sich allerdings ebenfalls in den Geschäftszahlen: Allein in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres entstand ein Verlust von 68 Milliarden Renminbi (8,6 Milliarden Euro). Mindestens seit 2017 hat das Unternehmen den Unterlagen für den Börsengang zufolge noch kein einziges Jahr mit einem Gewinn abgeschlossen.

Investoren reißen sich um die Papiere

Hinzu kommen Probleme, mit denen das Start-up zu kämpfen hat. So könnten verschärfte Regeln für Streaming-Dienste in China Beobachtern zufolge zu einer Belastung werden. Nur Tage vor dem Börsengang trat zudem die chinesische Urheberrechts-Organisation CAVCA auf den Plan, die Kuaishou beschuldigt, zahlreiche Nutzer hätten Musik-Urheberrechte in ihren Videos verletzt.

Investoren an der Börse glauben offenbar dennoch an das Unternehmen, das den chinesischen Tech-Konzern Tencent (rund 22 Prozent der Anteile) sowie die Anteilseigner 5Y Capital (rund 17 Prozent), DCM (9 Prozent) sowie DST Global (6,4 Prozent) im Rücken hat. Namhafte US-Investoren wie die Fondsriesen Blackrock und Fidelity sind "Nikkei Asia" zufolge  unter den Anker-Finanziers bei dem IPO. Einem Bericht von Bloomberg  zufolge reißen sich Anleger schon vor dem offiziellen Debüt am kommenden Freitag auf dem Graumarkt um die Papiere. Sie zahlen demnach bis zum Doppelten des Ausgabepreises von 115 Hongkong-Dollar für die Kuaishou-Aktien.

Mit einem Volumen von etwa 5,4 Milliarden Dollar handelt es sich zwar nicht um einen Rekordbörsengang. Den wollte bekanntlich im vergangenen Jahr mit einem Emissionsvolumen von etwa 37 Milliarden Dollar die chinesische Alibaba-Tochter Ant Financial auf das Parkett von Hongkong und Shanghai legen - bevor die Behörden in der Volksrepublik den Plänen ein Ende setzten.

Kuaishou kommt auf ein Emissionsvolumen von rund 5,4 Milliarden Dollar, was einer Marktbewertung von rund 60 Milliarden Dollar entspricht. Laut Bloomberg  verspricht es einer der erfolgreichsten Börsengänge in Hongkong bisher überhaupt zu werden.

cr
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