Bitcoin, Ether, Solana Drei Gründe für den jüngsten Krypto-Crash

Der Ausverkauf der Kryptowährungen findet kein Ende. Der Bitcoin stürzt am Montag unter die Marke von 34.000 Dollar. Mehr als eine Billion Dollar Marktwert haben sich seit November in Luft aufgelöst. Experten sehen drei Gründe für den Crash.
Die insgesamt rund 17.000 verschiedenen Kryptowährungen haben seit ihrem Hoch im November mehr als eine Billion Dollar an Marktwert verloren

Die insgesamt rund 17.000 verschiedenen Kryptowährungen haben seit ihrem Hoch im November mehr als eine Billion Dollar an Marktwert verloren

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Die erneut starken Verluste an der US-Technologiebörse und die Ungewissheit über das Ausmaß und die Geschwindigkeit von Zinserhöhungen verunsichern Krypto-Investoren massiv. Nach dem Sturz unter 38.000 Dollar am vergangenen Freitag beschleunigte sich die Talfahrt am Wochenende, der Bitcoin rutschte unter die Marke von 35.000 Dollar und näherte sich am Montag der Marke von 33.000 Dollar. An der Kryptobörse Coinbase  brachen die Preise für andere Krypto-Währungen wie Solana, Cardano oder Binance Coin ebenfalls erneut deutlich ein. Seit seinem Höchststand im November hat der Bitcoin mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.

Bitcoin

War es das - vorerst zumindest?

Selbst erklärte Anhänger der Digitalwährungen kommen ins Grübeln bei dieser Frage. Der berühmte Krypto-Investor Mike Novogratz  (57) sinnierte auf Twitter, dass "dies ein Jahr sein wird, in dem die Leute erkennen, dass es ein schwieriger Job ist, ein Investor zu sein."

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Andere glauben, dass mit dem jüngsten, panikartigen Ausverkauf die Verkäufer bald in der Minderzahl sein und der Bitcoin vorerst seinen Boden erreicht haben könnte. Irgendwann seien die Verkäufer "erschöpft". Und "wenn dies der Fall ist, werden institutionelle Investoren wieder in nennenswertem Umfang einsteigen", zitiert der Finanznachrichtendienst Bloomberg  Matt Maley, Chef-Marktstratege bei Miller Tabak + Co. "Sie wissen, dass Kryptowährungen nicht verschwinden werden, also werden sie in absehbarer Zeit wieder in sie investieren müssen."

Allein der Absturz des Bitcoin hat seit dem November-Hoch mehr als 600 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. Der gesamte Kryptomarkt verlor mehr als 1 Billion Dollar auf zuletzt weniger als 1,8 Billionen Dollar . Drei, sich teils gegenseitig beeinflussende Faktoren sehen Experten für den jüngsten, sich beschleunigenden Kurssturz bei Kryptowährungen.

  • Sorgen um eine straffere US-Geldpolitik

  • den Ausverkauf von Technologiewerten seit Anfang des Jahres

  • zunehmende regulatorische Bedrohungen

"Kryptowährungen reagieren auf dieselbe Art von Dynamik, die weltweit auf Risiko-Assets lastet", sagt Stephane Ouellette, Geschäftsführer und Mitbegründer der institutionellen Krypto-Plattform FRNT Financial.

So wird die US-Notenbank Fed angesichts einer davon galoppierenden Inflation die Zinsen im laufenden Jahr wohl mindestens dreimal anheben. Manche Marktbeobachter erwarten vier oder mehr Zinsschritte und schließen auch einen großen Zinsschritt von 50 Basispunkten im März nicht aus. Zugleich reduziert die Fed ihre Anleihekäufe und führt so ihre aufgeblasene Bilanz stückweise zurück. Damit entzieht sie den Märkten Liquidität, was spekulative Geschäfte einschränkt.

Tech-Aktien und Kryptowährungen korrelieren

Antoni Trenchev, Mitbegründer und Gesellschafter von Nexo , einem Anbieter von Krypto-Sparkonten und Krypto-Krediten, verweist auf eine Korrelation zwischen Bitcoin und Technologiewerten. Der technologielastige Nasdaq 100 hat in den vergangenen 10 Jahren einen atemberaubenden Anstieg auf bis zu 16.700 Punkte erlebt und hat nun seit Jahresbeginn rund 2000 Punkte verloren. "Bitcoin wird von einer Welle der Risikoverluststimmung getroffen. Um weitere Hinweise zu erhalten, sollten wir die traditionellen Märkte im Auge behalten", sagt Trenchev laut Bloomberg.

Wie zuletzt der Internationale Währungsfonds IWF verweist auch Investor Novogratz auf einen offenbar engeren Zusammenhang zwischen den Preisen für Kryptowährungen und den Preisen von Technologie-Aktien. "Kryptowährungen werden es schwer haben, wieder anzuziehen, wenn nicht auch ein Boden bei den Tech-Aktien gefunden wird", gab er via Tweet zu bedenken . Dabei herrschte lange Zeit unter Krypto-Fans die Einschätzung vor, dass die Preise für Digitalwährungen sich vergleichsweise unabhängig von Aktien verhalten.

Als weiteren Belastungsfaktor für Bitcoin und Co sehen Experten den verstärkten Willen von Regierungen, die Digitalwährungen stärker zu regulieren. So haben Großbritannien, Spanien und Singapur angekündigt, die Regeln für Werbung für Kryptoanlagen zu verschärfen, um unerfahrene Anleger besser zu schützen. Zudem erwägt die russische Zentralbank ein vollständiges Verbot von Kryptowährungen auf russischem Territorium. Laut "Financial Times"  würden die vorgeschlagenen Vorschriften auch Investitionen in Kryptowährungen durch Banken blockieren und jeden Umtausch von Kryptowährungen in traditionelle Währungen in Russland, einem der weltweit größten Zentren für Krypto-Mining, verbieten.

Mit dem erneuten Kurssturz der Kryptowährungen gerieten zum Wochenausklang auch Krypto-Aktien erheblich unter Verkaufsdruck. Coinbase Global  verloren in der Spitze 16 Prozent und stürzten damit auf den niedrigsten Stand seit ihrem Börsendebüt im Frühjahr 2021, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die Papiere des Softwarespezialisten MicroStrategy  stürzten ebenfalls prozentual zweistellig ab.

MicroStrategy-Gründer hält an Bitcoin fest

MicroStrategy ist untrennbar mit dem Namen seines Mitgründers Michael Saylor (56) verbunden, der trotz jüngster Verluste immer noch auf einem Bitcoin-Vorrat im Wert von rund 5 Milliarden Dollar sitzt - und offenbar auch jetzt nicht daran denkt , sich davon zu trennen. 2020 hatte er begonnen, persönlich und mit Firmenkapital Bitcoin zu kaufen, als Schutz vor der Inflation. Später gab er Anleihen heraus aus und kaufte auf Pump.

Vielen Notenbanken sind unregulierte Kryptowährungen ein Dorn im Auge. Zum einen, weil sie sich ihrer Kontrolle entziehen und somit nicht selten für kriminelle Geschäfte und Geldwäsche genutzt werden. Zum anderen sind digitale Währungen extrem schwankungsanfällig. Auch vor diesem Hintergrund prüfen Zentralbanken rund um den Globus die Einführung eigener digitaler Zentralbankwährungen, sogenannter Central Bank Digital Currencies (CBDC). Sonderlich weit sind die Projekte eines digitalen Dollar, Euro oder eines digitalen chinesischen Yuan noch nicht gediehen. Letzteren will Peking bei den Olympischen Winterspielen als mögliches Zahlungsmittel unter Athleten und Gästen testen.

rei