Börse Bitcoin legt zu, Nasdaq erholt sich

Die Rekordumsätze von Apple spenden Tech-Investoren wieder Mut und läuten eine späte Kursrally an der Nasdaq ein. Auch Risiko-Investments wie die Kryptowährung Bitcoin legen wieder deutlich zu.
Kursrally an der Nasdaq: Der verstorbene Apple-Urvater Steve Jobs hätte seine Freude an den jüngsten Apple-Zahlen gehabt. Das Tech-Schwergewicht zog am Freitag den gesamten Markt nach oben

Kursrally an der Nasdaq: Der verstorbene Apple-Urvater Steve Jobs hätte seine Freude an den jüngsten Apple-Zahlen gehabt. Das Tech-Schwergewicht zog am Freitag den gesamten Markt nach oben

Foto: Mark Lennihan/ AP

Im US-Technologiesektor hat der Techriese Apple am Freitag mit seinen Quartalszahlen ein starkes Zeichen gesetzt. Im Tagesverlauf bauten die Papiere des iPhone-Herstellers ihre Gewinne bis auf sieben Prozent aus. Dabei paarte sich der gute Lauf der Aktien auch mit einer späten Gesamtmarkt-Rally: Sowohl der Dow als auch der Nasdaq 100 hatten sich in den beiden Schlussstunden noch kräftig ins Plus abgesetzt. In letzter Minute wurde die Bilanz einer turbulenten Woche für den Nasdaq-100-Index sogar noch knapp positiv.

Nach anfänglichen Verlusten schloss der Dow-Jones-Index am Freitag 1,7 Prozent höher auf 34.725 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 rückte 3,2 Prozent auf 14. 454 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 2,4 Prozent auf 4431 Punkte zu.

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Apple-Umsatz wuchs um 11 Prozent

Apple erzielte im Weihnachtsgeschäft trotz der globalen Chip-Knappheit erneut Rekordzahlen. Der Quartalsgewinn war mit 34,6 Milliarden Dollar gut ein Fünftel höher als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um rund elf Prozent auf fast 124 Milliarden Dollar, ebenfalls eine Bestmarke. Das iPhone war abermals der Wachstumstreiber. Wie Analyst Wamsi Mohan von der Bank of America kommentierte, lieferte der Konzern trotz des Gegenwinds, der gesamtwirtschaftlich und von Seiten der Lieferketten herrsche, starke Ergebnisse ab.

Ohne den Einfluss von Chip-Engpässen hätten die Kalifornier noch mehr verkaufen können. So schätzt Apple, dass der Umsatz dadurch um mehr als sechs Milliarden Dollar gedrückt wurde. Wenn allerdings, wie Experte Ingo Wermann von der DZ Bank schreibt, in der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen das Wort "Rekord" 41-mal vorkomme, dann zeige dies mehr als deutlich, dass der Konzern die Probleme sehr gut habe abfedern können.

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Mit einem Kurs von fast 183 Dollar hatte Apple  Anfang des Jahres als erster Konzern der Welt einen Börsenwert von drei Billionen Dollar erreicht. Durch den Ausverkauf im Technologiesektor ging es zuletzt abwärts bis knapp unter 155 Dollar.

Mit dem Sprung zurück über die 170-Dollar-Marke, den die Aktien am Freitag machten, haben sie sich nun aber wieder um zehn Prozent erholt. Sollte sich das Problem des Chipmangels lösen, dürften sich Umsatz und Gewinn noch einmal deutlich steigern lassen, hieß es am Markt.

Apple

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"Fels in der Brandung"

"Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, an dem der Aktienmarkt Apple wirklich brauchte, um die derzeit negative Stimmung aufzuhellen, dann diesen", schrieb Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets.

Der Gesamtmarkt dürfte seine Stabilisierung nach dem Ausverkauf zum Wochenstart und dem Fed-Schock vom Mittwoch nun erst einmal fortsetzen, sagte Oldenburger. Mit seinen riesigen Bargeldreserven, enormen Cashflows und dem Aktienrückkaufprogramm sei Apple ein Fels in der Brandung. Allerdings sei auch der iPhone-Hersteller nicht komplett gefeit vor exogenen Schocks, wie der Covid-Crash 2020 gezeigt habe.

Große Schwankungen dürften das Börsengeschehen laut dem Marktanalysten Edward Moya vom Broker Oanda noch einige Zeit prägen. Denn die Schnäppchenjäger hätten neben "buy the dip" - ein neues Motto, nämlich "sell the rally". Sie suchten also bei gefallenen Kursen immer wieder ihre Chance, aber eher nicht für längerfristige Anlagen. Die Schwankungen am Aktienmarkt bleiben hoch, nachdem die Fed ihre Pläne für Zinserhöhungen ab März vorgestellt hatte.

Bitcoin steigt wieder auf 38.000 US-Dollar

Kryptowährungen haben am Freitag im späten Handel im Sog der US-Börsen ebenfalls kräftig zugelegt. So notierte ein Bitcoin am Samstagmorgen wieder knapp oberhalb der Marke von 38.000 US-Dollar, das ist ein Plus von 7 Prozent. Seit seinem Rekordhoch bei 67.000 Dollar hatte Bitcoin damit zeitweise mehr als die Hälfte seiner Marktkapitalisierung eingebüßt, bevor am Dienstag eine erste Erholung einsetzte. Der Handel bleibt aber volatil.

Bitcoin

Bitcoin

Zuletzt ist Bitcoin im Gleichschritt mit den US-Techaktien abgestürzt - und am Freitag gemeinsam mit ihnen wieder gestiegen. Die Erzählung, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wie ein Inflationsschutz funktionierten, da die Anzahl von Bitcoin begrenzt sei, hat sich unterdessen als Irrtum erwiesen. Während Anleger Zuflucht in Gold suchen, hat sich der Verkaufsdruck auf Bitcoin und andere Cyberwährungen in den vergangenen Wochen stark erhöht.

Ölpreise nahe Siebenjahreshoch

Am Rohölmarkt erreichte die Nordsee-Sorte Brent Oil mit 90 Dollar das höchste Niveau seit sieben Jahren. Die US-Sorte WTI blieb je Barrel (159 Liter)ebenfalls auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten Siebeneinhalb-Jahres-Hoch. Grund hierfür seien die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Es besteht weiterhin die Sorge, dass es im Falle einer militärischen Eskalation zu einer Beeinträchtigung der russischen Öl- und Gaslieferungen kommen könnte." Vor diesem Hintergrund gewannen Aktien von Ölkonzernen wie Exxon und Chevron bis zu zwei Prozent.

Brent

Visa nach Gewinnsprung gefragt

Mit etwa sechs Prozent zum größten Dow-Gewinner wurden die Aktien von Visa. Der Kreditkartenkonzern erwirtschaftete im vierten Quartal einen Gewinn- und Umsatzsprung. Stützend wirkte aber auch die Aussage, dass die Ausgaben der Verbraucher wieder anziehen.

Dax

Dax

Netflix erholt sich von Absturz: Hedgefonds Pershing ist nun größter Einzelaktionär

Bei den Technologiewerten zählte Netflix mit einem Kursplus von zeitweise fast zehn Prozent zu den Favoriten. Das ist der größte Kurssprung seit einem Jahr. Am Handelsende reichte es noch zu einem Aufschlag von 7,5 Prozent. In einem Brief an Klienten teilte der Hedgefonds Pershing Square des Milliardärs William Ackman mit, er habe die jüngsten Kursverluste der Online-Videothek genutzt, um Anteile im Volumen von fast einer Milliarde Dollar zu kaufen. Pershing sei nun mit 20 Prozent größter Aktionär von Netflix. In den vergangenen Tagen waren die Papiere wegen eines düsteren Ausblicks zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen.

Mit Nachrichtenagenturen
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