Börse Dax trotzt schwachen Ifo-Daten

Der Dax hat die erste Enttäuschung über die schwachen Ifo-Daten gut verkraftet und schließt leicht im Plus. Aktien von Infineon waren gefragt, Delivery Hero und Hellofresh gaben hingegen ab. Turbulent ging es am Ölmarkt zu.
Aktienhändlerin in Frankfurt: Der Dax hat sich von seinem jüngsten Rückschlag erholt. Skeptiker befürchten eine Bullenfalle

Aktienhändlerin in Frankfurt: Der Dax hat sich von seinem jüngsten Rückschlag erholt. Skeptiker befürchten eine Bullenfalle

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Der Dax hat am Freitag moderat im Plus geschlossen. Dabei schwankte er weiterhin in einer engen Handelsspanne zwischen Gewinnen und Verlusten. Der Einbruch des Ifo-Geschäftsklimaindex wurde am Markt überraschend entspannt aufgenommen. Allerdings war das Handelsvolumen wie bereits am Vortag insgesamt recht dünn.

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Letztlich ging der deutsche Leitindex 0,22 Prozent höher auf 14.305 Punkte aus dem Tag. Der Wochenverlust beläuft sich damit auf 0,7 Prozent. Auch europaweit legten die meisten Börsen am Freitag leicht zu. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte hierzulande sank indes um 0,56 Prozent auf 31 171,51 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann rund 0,2 Prozent.

Dass sich der deutsche Leitindex von seinen Tagestiefstkursen erholt habe, ist laut Andreas Lipkow, Marktexperte bei Comdirect, kein Grund für besonderen Optimismus. "Es bleibt eine fragile Situation, die sich schnell ändern kann", warnte er und verwies auf das "extrem ausgedünnte Handelsvolumen". Da sich die Märkte nach dem jüngsten Kursrutsch technisch gesehen in einem Bärenmarkt befinden, warnen Beobachter vor einer "Bullenfalle": Ein erneuter scharfer Rücksetzer könnte die jüngste Erholung zunichte machen. 

Die Wall Street war am Donnerstag im späten Handel weiter auf Erholungskurs gegangen, setzte diesen am Freitag auch zunächst fort, rutschte dann aber ins Minus. Zum Handelsschluss in Europa notierte der Dow Jones  minimal im Minus bei 34.690 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500  gab 0,15 Prozent nach, während an der Technologiebörse der Nasdaq 100  0,88 Prozent verlor auf 14.633 Zähler.

Nasdaq

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Ölmarkt im Wechselbad der Gefühle

Eine Berg- und Talfahrt gab es bei den Ölpreisen. Die Nordseeöl Brent drehte ins Plus und stand 1,2 Prozent höher bei 120,51 Dollar je Barrel, nachdem die Huthi-Rebellen im Jemen einen umfangreichen Luftangriff auf Saudi-Arabien gestartet hatten. In der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer sind nach Angaben eines Militärsprechers Industrie-Anlagen des Öl-Konzerns Aramco getroffen worden. "Wir sehen Unruhen in Russland und der Ukraine und jetzt sehen wir sie erneut bei Saudi-Arabien, und wenn wir weiterhin Angriffe auf beide Gebiete sehen, möchte niemand im Moment auf sinkende Ölpreise setzen", sagte Rohstoffexperte Dennis Kissler vom Broker BOK Financial. "Die Vorräte sind knapp."

Brent

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Zuvor hatten sich die Preise um mehr als drei Prozent nach unten bewegt. Da sich die EU auf ihrem Gipfeltreffen nicht auf einen Einfuhrstopp für russisches Öl verständigt habe, habe das die Sorgen über eine weitere Angebotsverknappung vorübergehend gelindert, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Auch längerfristige Ausfälle kasachischer Öllieferungen wurden weniger wahrscheinlich. Nach Sturmschäden lief die Verladung im russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk teilweise wieder an.

Chipwerte gefragt

Am Aktienmarkt zählte der Chipsektor zu den Favoriten. Aktien von Infineon legten im Dax 2,4 Prozent zu, STMicroelectronics an der Mailänder Börse 0,7 Prozent. Die Analysten von Moody's schrieben in einem Kommentar, sie erwarteten vorerst keine zusätzlichen Produktionsunterbrechungen aufgrund rückläufiger Neon-Lieferungen aus der Ukraine. Neongas wird unter anderem für Laser benötigt, die bei der Herstellung von Chips zum Einsatz kommen.

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Im Dax sackten die einstigen Corona-Krisengewinner weiter ab. Delivery Hero fielen als Schlusslicht um 4,0 Prozent. Damit fehlt nicht mehr viel, bis sich die Papiere des Essenslieferanten wieder auf dem Niveau vom Frühjahr 2019 befinden. Die Papiere des Kochboxen-Anbieters Hellofresh gaben um 2,2 Prozent nach.

Delivery Hero und Hellofresh mit Kursverlusten

Die Aktien von Sartorius, die ebenfalls zu den einstigen Corona-Krisengewinnern zählten, legten indes um 1,1 Prozent zu. Analysten der Bank of America senkten zwar ihr Kursziel, die Talfahrt der Aktie in den vergangenen Monaten halten sie jedoch für überzogen. Sie bleiben vielmehr positiv gestimmt für das Papier des Labor- und Pharmazulieferers.

Im Nebenwerte-Index SDax drehten die Aktien von Vitesco nach anfänglichen Verlusten ins Plus und gewannen 0,6 Prozent. Der Autozulieferer plant für das neue Jahr wegen des Chipmangels und steigender Kosten vorsichtig, weshalb so mancher Analyst nun mit sinkenden Markterwartungen rechnet.

Um fast 12 Prozent nach oben ging es für die Aktien von Eckert & Ziegler, die damit Spitzenreiter im SDax waren. Das Strahlen- und Medizintechnikunternehmen will nach einem Umsatz- und Gewinnplus im vergangenen Jahr das Wachstumstempo beschleunigen und den Gewinn steigern. PVA Tepla sackten dagegen um 10 Prozent ab. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen, nachdem sich die Aktie des Technologieunternehmens in den vergangenen drei Wochen um mehr als 50 Prozent erholt hatte.

Der Euro kostete am frühen Abend 1,0988 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1002 (Donnerstag: 1,0978) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9089 (0,9109) Euro. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,38 Prozent am Vortag auf 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 139,20 Punkte. Der Bund-Future fiel am Abend deutlich um 0,49 Prozent auf 158,31 Zähler.

Bitcoin steigt über Marke von 44.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hatte in der Nacht zu Freitag zugelegt und konnte seine Gewinne am Freitag in etwa halten. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte der Bitcoin am Abend (MEZ) bei rund 44.300 Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit vier Wochen. Im November 2021 hatte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar erreicht und war bis Ende Januar dann auf 35.000 US-Dollar abgestürzt. Seitdem hat sich die Cyberwährung wieder deutlich erholt. Sie spielt auch als Fluchtwährung für russische Oligarchen eine Rolle . Auch Moskau könnte versuchen, die Sanktionen des Westens mithilfe von Kryptogeld zu umgehen.

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Mit Nachrichtenagenturen