Insolvente Kryptobörse FTX-Gründer Bankman-Fried dementiert "heimliche Transaktion" und angebliche Flucht

Die Kryptobörse FTX ist pleite und kämpft mit mysteriösen Geldabflüssen. Es fehlen wohl Kundengelder in Milliardenhöhe. FTX-Gründer Sam Bankman-Fried dementiert eine "heimliche Transaktion" und Gerüchte, er sei nach Argentinien geflüchtet.
Mit dem Rücken zur Wand: Samuel Bankman-Fried, Gründer und zurückgetretener CEO der mittlerweile insolventen Kryptobörse FTX

Mit dem Rücken zur Wand: Samuel Bankman-Fried, Gründer und zurückgetretener CEO der mittlerweile insolventen Kryptobörse FTX

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Saul Loeb / AFP

Die insolvente Kryptobörse FTX befürchtet erhebliche Schäden durch nicht genehmigte Transaktionen. Die Handelsplattform treibe die Sicherung aller digitalen Vermögenswerte voran, um nach der Beobachtung unautorisierter Transaktionen den Schaden zu begrenzen, teilte der US-Chefjurist von FTX, Ryne Miller, auf Twitter mit. Es habe Unregelmäßigkeiten bei Zahlungsvorgängen gegeben. Einem Medienbericht zufolge soll FTX von Hackern angegriffen worden sein. Von FTX war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

FTX hatte am Freitag in den USA Gläubigerschutz beantragt. Firmengründer Sam Bankman-Fried trat als Chef zurück. Der 30-Jährige erklärte aber, er wolle die Übergabe an den neuen Chef John J Ray III (63) . begleiten. FTX war in den vergangenen Tagen in Schieflage geraten, weil Kunden massenhaft Gelder abgezogen hatten. Die Notlage von FTX versetzte den Kryptowährungsmarkt in Turbulenzen. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise Bitcoin und die Nummer zwei Ethereum verloren in den vergangenen Tagen deutlich an Wert. In den USA wurden Forderungen nach einer strengeren Regulierung der Branche lauter.

Die auf Cyberwährungen spezialisierte Nachrichtenwebsite CoinDesk berichtete von einem Hackerangriff auf die Kryptobörse. "FTX ist gehackt worden", habe ein Administrator des Unternehmens in einem nicht öffentlichen Support-Kanal auf dem Nachrichtendienst Telegram geschrieben. FTX habe seine Kunden aufgerufen, FTX-Apps zu löschen und die FTX-Internetseite zu meiden. Reuters konnte den Wahrheitsgehalt dieser Angaben zunächst nicht überprüfen.

Nach Angaben von Insidern soll bei FTX mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern verschwunden sein. Bankman-Fried habe heimlich zehn Milliarden Dollar an Kundengeldern von FTX zu seinem eigenen Handelsunternehmen Alameda Research transferiert, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Teil dieser Summe sei verschwunden. Die Insider, die bis vor Kurzem leitende Positionen bei FTX innehatten, schätzten, dass sich der fehlende Betrag auf ein bis zwei Milliarden Dollar belaufe. Die Finanzlücke sei aus Unterlagen hervorgegangen, die Bankman-Fried am vergangenen Sonntag anderen FTX-Managern zur Verfügung gestellt habe.

Bankman-Fried dementiert "heimliche Transaktion" und angeblich Flucht

Bankman-Fried widersprach, es habe sich nicht um eine heimliche Transaktion gehandelt. Es habe jedoch Missverständnisse bei der Verbuchung gegeben, erklärte er in einer Textnachricht an Reuters. Er halte sich auf den Bahamas auf, teilte Bankman-Fried auf Anfrage mit und wies damit Spekulationen zurück, er sei nach Argentinien geflogen.

Am Freitag hatte Bankman-Fried auf Twitter erklärt, er sei überrascht von den Vorgängen bei der von ihm gegründeten Krypotobörse und müsse sich selbst erst einen Überblick über die Ereignisse verschaffen.

Die Pleite markiert den endgültigen Absturz des goldenen Kryptojungen , der bis vor wenigen Tagen noch einer der gefeierten Stars der weltweiten Kryptoszene war. Der ehemalige Wall-Street-Händler Bankman-Fried hatte bis zuletzt händeringend nach frischem Kapital gesucht, um den erst vor dreieinhalb Jahren gegründeten Handelsplatz für Kryptowährungen zu retten.

Ein Rettungsversuch mit der konkurrierenden Börse Binance scheiterte. Mehrere Staaten hatten daraufhin Vermögenswerte von FTX eingefroren, um die Folgen eines Zusammenbruchs der Börse für die Branche zu begrenzen. Der Kryptowährungsmarkt geriet durch die Pleite der Kryptobörse in Turbulenzen.

rei/Reuters
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