Insolvente Kryptobörse Mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern bei FTX verschwunden

Die Kryptobörse FTX ist pleite und hat Gläubigerschutz beantragt. Kunden fehlen nun mindestens eine Milliarde Dollar. Die Spekulationen überschlagen sich.
Gehackt? Bereits am Donnerstag warnte FTX, dass die Börse keine Abhebungen bearbeiten können und riet zugleich von Einzahlungen "dringend" ab. Nun fehlen mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern.

Gehackt? Bereits am Donnerstag warnte FTX, dass die Börse keine Abhebungen bearbeiten können und riet zugleich von Einzahlungen "dringend" ab. Nun fehlen mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern.

Foto: IMAGO/Andre M. Chang / IMAGO/ZUMA Wire

Nach der Pleite für die Kryptobörse FTX sollen nun nach Angaben von zwei Insidern mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern verschwunden sein. Der Gründer der Börse, Sam Bankman-Fried, habe heimlich zehn Milliarden Dollar an Kundengeldern von FTX zu seinem eigenen Handelsunternehmen Alameda Research transferiert, sagten die zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen am Samstag gegenüber Reuters.

Ein Teil dieser Summe sei seither verschwunden. Es war bereits bekannt, dass FTX Kundengelder nach Alameda verschoben hat, jedoch wurde die Menge nie beziffert. Die Insider, die bis zum Konkurs der Kryptobörse leitendes Positionen bei FTX innehatten, schätzten, dass es sich bei dem fehlenden Betrag um ein bis zwei Milliarden Dollar handle. Das Finanzloch sei auf der Basis von Unterlagen aufgedeckt worden, die Bankman-Fried am vergangenen Sonntag mit leitenden Angestellten teilte.

Die FTX selbst spricht laut "Financial Times"  von "abnormalen Transaktionen", die das Unternehmen untersuche. Möglicherweise sei die Kryptobörse gehackt worden.

Das auf den Bahamas ansässige Unternehmen meldete am Freitag Konkurs an, nachdem es Anfang der Woche zu einem Ansturm von Kundenabhebungen gekommen war. Bankman-Fried trat vom Posten als Vorstandschef zurück. Der Restrukturierungs-Veteran John J Ray III (63) wurde zum CEO der Gruppe ernannt. Bankman-Fried werde aber bei einem geordneten Übergang helfen, hieß es am Freitag.

Die Pleite markiert den endgültigen Absturz des goldenen Kryptojungen , der bis vor wenigen Tagen noch einer der gefeierten Stars der weltweiten Kryptoszene war. Der 30-jährige Ex-Wall-Street-Händler Bankman-Fried hatte bis zuletzt händeringend nach frischem Kapital gesucht, um den erst vor dreieinhalb Jahren gegründeten Handelsplatz für Kryptowährungen zu retten.

Ein Rettungsversuch mit der konkurrierenden Börse Binance scheiterte. Mehrere Staaten hatten daraufhin Vermögenswerte von FTX eingefroren, um die Folgen eines Zusammenbruchs der Börse für die Branche zu begrenzen. Der Kryptowährungsmarkt geriet durch die Pleite der Kryptobörse in Turbulenzen.

Mit den massiven Liquiditätsproblemen von FTX ist der gesamte Kryptowährungsmarkt in erhebliche Turbulenzen geraten. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise Bitcoin und die Nummer zwei Ethereum verloren seit Wochenbeginn jeweils rund 20 Prozent an Wert. Bitcoin fiel dabei zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief von 15.566 Dollar. Allein am Freitag verlor der Bitcoin 5,3 Prozent. Am Samstagvormittag notierte die bekannteste Cyberwährung bei 16.702 US-Dollar.

rei/Reuters
Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.