Rettungsversuch gescheitert Kryptobörse FTX ist pleite - CEO tritt zurück

Die in erhebliche Turbulenzen geratene Kryptobörse FTX beantragt Gläubigerschutz. Ihr schillernder Gründer und CEO, Sam Bankman-Fried, tritt von seinem Posten zurück. Ein Nachfolger steht bereits fest - sein Spitzname: "Pit Bull".
Nichts geht mehr: Bereits am Donnerstag warnte FTX, dass die Börse keine Abhebungen bearbeiten können und riet zugleich von Einzahlungen "dringend" ab

Nichts geht mehr: Bereits am Donnerstag warnte FTX, dass die Börse keine Abhebungen bearbeiten können und riet zugleich von Einzahlungen "dringend" ab

Foto: IMAGO/Andre M. Chang / IMAGO/ZUMA Wire

Die Kryptobörse FTX und der mit ihm verbundene Krypto-Handelsfonds Alameda Research haben nach gescheiterten Rettungsversuchen in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 in Delaware beantragt. Firmengründer Sam Bankman-Fried (30) sei von seinem Posten als Vorstandschef zurückgetreten, erklärte das Unternehmen. Der Restrukturierungs-Veteran John J Ray III (63) wurde zum CEO der Gruppe ernannt. Bankman-Fried werde aber bei einem geordneten Übergang helfen.

Die Pleite markiert den endgültigen Absturz des goldenen Kryptojungen , der bis vor wenigen Tagen noch einer der gefeierten Stars der weltweiten Kryptoszene war. Die Schieflage der großen Handelsplattform für Digitalwährungen wie Bitcoin hält den Kryptomarkt seit Tagen in Atem. Viele Kunden fürchten um ihr Geld. Die Kryptoplattform war am Sonntag in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem Zweifel an den Kapitalreserven zu einer Kundenflucht und Mittelabzügen im Milliardenvolumen geführt hatten.

Bankman-Fried, nur SBF genannt, soll mit Konkurrenten und anderen Investoren über eine Finanzspritze von insgesamt bis zu 9,4 Milliarden Dollar verhandelt haben, um sein Unternehmen zu retten – vergeblich. Branchenprimus Binance wollte FTX daraufhin übernehmen, machte im letzten Moment aber einen Rückzieher. Nun hat die Unternehmensgruppe Insolvenz angemeldet. Nach den Regeln des Chapter 11 könnte die Firma restrukturiert werden.

Jetzt übernimmt der "Pit Bull"

SBF übergibt seinen CEO-Posten mit sofortiger Wertung an Ray. Der Anwalt aus Chicago – Spitzname "Pit Bull" – ist ein Veteran und Profi für die spektakulärsten Pleiten der amerikanischen Wirtschaft: Vor vielen Jahren kümmerte er sich um Enron. Der erklärte: Der Antrag auf Gläubigerschutz sei "angemessen, um der FTX Group die Möglichkeit zu geben, ihre Situation zu bewerten und einen Prozess zu entwickeln, um die Rückflüsse für die Beteiligten zu maximieren". Etliche der prominenten Investoren hinter FTX, darunter der renommierte Wagniskapitalgeber Sequoia Capital oder der weltgrößte Techinvestor Softbank, hatten ihre Anteile in den vergangenen Tagen bereits komplett abgeschrieben und mit null Dollar bewertet.

Bereits am Donnerstag hatte die zuständige Wertpapieraufsicht der Bahamas bekannt gegeben (Ortszeit), Vermögenswerte von FTX Digital Markets eingefroren zu haben. FTX Digital Markets ist ein auf den Bahamas ansässiges Unternehmen aus dem Imperium von Krypto-Milliardär Sam Bankman-Fried . Der Wertpapieraufsicht zufolge steht die Firma unter anderem unter Verdacht, Kundengelder veruntreut zu haben.

Mit den massiven Liquiditätsproblemen von FTX ist der gesamte Kryptowährungsmarkt in erhebliche Turbulenzen geraten. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise Bitcoin und die Nummer zwei Ethereum verloren seit Wochenbeginn jeweils rund 20 Prozent an Wert. Bitcoin fiel dabei zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief von 15.566 Dollar. Allein am Freitag verlor der Bitcoin 5,3 Prozent.

Der FTX-Token, eine Art digitaler Anteilsschein, büßte am Freitag 34 Prozent an, auf Wochensicht liegt das Minus bei 89 Prozent. "Das Vertrauen war vom ersten Tag dieser Affäre weg", sagte Kami Zeng, Chef-Analyst des auf Kryptowährungen spezialisierten Vermögensverwalters Fore Elite. "Es ist nicht abzusehen, dass es zurückkommt."

Behörden ermitteln, Geschäftspartner zittern um Millionen

Schon vor dem Insolvenzantrag wurden in den USA Forderungen nach einer strengeren Regulierung des Sektors lauter. "Börsen sollten keine derartigen Risiken bergen", kritisierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Aber da draußen ist der Wilde Westen, und Imperien sind dort auf Sand gebaut." Die zyprische Börsenaufsicht hatte den europäischen Ableger von FTX aufgeordert, den Betrieb einzustellen. "Von den USA über Japan bis zu den Bahamas haben Regulierer bereits eingegriffen", sagte Experte Zeng. "Da kommt noch mehr."

Die Kryptobank BlockFi, die im Sommer von FTX übernommen werden sollte, stoppte vorerst sämtliche Abhebungen von Kundengeldern. Beim Brokerhaus Genesis stehen nach eigenen Angaben 175 Millionen Dollar im Feuer, die in Handelsgeschäften an der FTX stecken. In Japan schrieb der Technologie-Investor Softbank seine Beteiligung an der Kryptobörse komplett ab. Einem Insider zufolge lag der Betrag bei weniger als 100 Millionen Dollar.

rei/Reuters
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