Möglicher Börsengang Knorr-Bremse nähert sich Milliarden-IPO

Noch hat Eigentümer Heinz Hermann Thiele nicht über die Zukunft von Knorr-Bremse entschieden. Aber die Anzeichen verdichten sich, und es könnte der zweitgrößte Börsengang in diesem Jahr werden. Bei einem IPO könnte der Hersteller von Lkw- und Zugbremsen mit 12 Milliarden Euro bewertet werden, schätzen Experten.
Prüfstand für Zugbremsen bei Knorr-Bremse

Prüfstand für Zugbremsen bei Knorr-Bremse

Foto: Knorr-Bremse

Für den Börsengang von Knorr-Bremse laufen Insidern zufolge die konkreten Vorbereitungen an. Schon in den ersten zwei August-Wochen seien Analysten zu Treffen mit dem Management des Münchner Herstellers von Zug- und Lkw-Bremsen eingeladen worden, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit könnte der Börsengang im September oder Oktober über die Bühne gehen.

Die endgültige Entscheidung will Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele nach den bayerischen Schulferien treffen, die am 10. September enden. Rund vier Wochen später könnte die Knorr-Bremse-Aktie dann an der Frankfurter Börse notiert sein.

Knorr-Bremse steuert damit auf den zweitgrößten Börsengang in Deutschland in diesem Jahr zu, nach der 4,2 Milliarden Euro schweren Neuemission von Siemens Healthineers.

Knorr-Bremse könnte mit 12 Milliarden Euro bewertet werden

Analysten nutzen die vertraulichen Treffen mit dem Management, um aus den Informationen den Wert des Unternehmens zu errechnen. Die Banken nutzen ihre Berichte zur Vermarktung der Aktien an potenzielle Investoren. Insidern zufolge könnte Knorr-Bremse insgesamt beim Börsengang mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet werden. Rund ein Viertel der Aktien soll platziert werden.


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Heinz Hermann Thiele

Heinz Hermann Thiele

Foto: imago/ITAR-TASS

Allerdings werde noch an der Kapitalstruktur geschraubt. Für das vergangene Jahr hatten sich Thiele und seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff 850 Millionen Euro Dividende ausschütten lassen, davon 500 Millionen als Sonderausschüttung. An die Familie geht auch der komplette Erlös aus der Emission.

Thiele will mit dem Börsengang seine Nachfolge regeln. Gespräche des 77-Jährigen über einen Verkauf von Knorr-Bremse an Konkurrenten wie ZF Friedrichshafen, Continental und Bosch waren Insidern zufolge im Sande verlaufen. Auch eine Aufspaltung von Knorr-Bremse mit einem Verkauf des Zug-Geschäfts wurden verworfen.

Knorr-Bremse hatte bereits im vergangenen Jahr die Deutsche Bank, JP Morgan und Morgan Stanley mandatiert, um den Börsengang zu organisieren. Für den Verkauf der Aktien wurden inzwischen auch Unicredit, Commerzbank, UBS und Berenberg an Bord geholt.

rei/reuters