Mittwoch, 16. Oktober 2019

Neuer Star im Dax So verzückt ein Ökostrom-Anbieter namens RWE die Börse

Offshore-Windräder in der Nordsee: Der Versorger RWE schwenkt um von schmutziger zu sauberer Energieerzeugung.
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Offshore-Windräder in der Nordsee: Der Versorger RWE schwenkt um von schmutziger zu sauberer Energieerzeugung.

Jahrzehntelang stand RWE für traditionelle, schmutzige Energieerzeugung. Doch damit soll Schluss sein: Der Konzern avanciert dank eines Deals zum Windkraft-Riesen - und zum Investoren-Liebling.

Greta Thunberg avanciert zum Weltstar, ihre "Fridays for Future" werden zum weltweiten Massenevent und die Bundesregierung verhandelt gleich eine ganze Nacht durch, um sich zu einer gemeinsamen Strategie durchzuringen - es sieht ganz so aus, als bewege sich etwas im Kampf gegen den globalen Klimawandel. Da kann ein Konzern, der jahrzehntelang sinnbildlich für die alte, dreckige Art der Energieerzeugung stand, kaum nachstehen: RWE Börsen-Chart zeigen wird zum Ökostrom-Anbieter.

Eine wichtige Nachricht dazu gab es in dieser Woche, als die Wettbewerbshüter der EU den schon im vergangenen Jahr angekündigten, spektakulären Stromdeal der deutschen Platzhirsche RWE und Eon unter Auflagen erlaubten. Die Transaktion führe nicht zu weniger Auswahl und höheren Preisen, so das Urteil der Brüsseler Behörde, die RWE damit einen wichtigen Schritt in seine neu gestaltete Zukunft ermöglichte.

RWE übernimmt Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy und Eon

RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen werden damit den deutschen Strommarkt praktisch umkrempeln. Die beiden Essener Konzerne werden die junge RWE-Ökostromtochter Innogy Börsen-Chart zeigen zerschlagen und ihre Geschäftsfelder komplett neu aufteilen. Eon soll die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy erhalten, RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon. Dadurch wird RWE zum Produzenten und Großhändler von Strom, während sich Eon - künftig ohne eigene Kraftwerke - auf den Transport und Verkauf von Strom, Gas und Energiedienstleistungen an Haushalte und Unternehmen konzentrieren will.

Die Nachricht ließ RWE-CEO Rolf Martin Schmitz regelrecht frohlocken. "Brüssel hat heute den Weg freigemacht für die 'neue RWE'", sagte Schmitz. "Das macht uns zu einem global führenden Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Mit jährlichen Investitionen von 1,5 Milliarden Euro netto wollen wir diese Position festigen und weiter ausbauen."


Große Übersicht: Was die Dax-Konzerne fürs Klima tun wollen


"Chance, zu einem der Top-3-Windenergie-Anbieter aufzusteigen"

Eine Einschätzung, die auch von Außenstehenden geteilt wird. Thomas Deser ist Fondsmanager bei Union Investment und ausgewiesener Fachmann für den Versorgersektor. Er ist sich sicher: Mit dem Eon-Innogy-Deal hat RWE seine Zukunftsfähigkeit wiederhergestellt. Das Unternehmen werde zu einem der Top-3-Windenergie-Anbieter in Europa aufsteigen und verfolge damit die richtige Strategie. "Strom aus Windkraft ist langfristig auch ohne staatliche Subventionen wettbewerbsfähig", so Deser.

Investoren sind offenbar ähnlicher Ansicht. Seit Monaten treiben sie den Kurs der RWE-Aktie in die Höhe. Beinahe 50 Prozent beträgt das Plus bereits im laufenden Jahr. Der ehemalige Kohleverstromer ist damit drauf und dran, Adidas Börsen-Chart zeigen als bislang besten Dax-Wert 2019 zu überholen.

De facto wird RWE an der Börse schon jetzt als Erneuerbare-Energien-Konzern gehandelt - auch wenn dieser Wandel noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Entsprechend legten die Aktien auch an diesem Freitag, der weltweit im Zeichen des Klimaschutzes steht, weiter zu.Mit einem Plus von mehr als 2 Prozent auf gut 28 Euro notierten die RWE-Papiere am Friday sogar an der Spitze des Dax Börsen-Chart zeigen - Investoren setzen auf neue Aufträge im Rahmen des Klimapakets der Bundesregierung.

Geht es nach den Analysten in Banken und Finanzhäusern, so ist damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Mehrzahl von ihnen empfiehlt die Aktie zum Kauf, mit Kurszielen von 30 Euro und mehr. Zu den Optimisten zählt beispielsweise Analyst Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Er sieht den jüngsten Kohlekompromiss auf Bundesebene sowie die Fortschritte im Deal mit Eon als wichtige Stützen im Prozess einer Neubewertung des RWE-Konzerns.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Dabei nimmt Gandolfis Zuversicht offenbar täglich zu. Noch vor Wochenfrist veröffentlichte der US-Banker ein Kursziel von 27 Euro für den deutschen Energiekonzern. Ende dieser Woche erhielt RWE jedoch den Zuschlag bei einer Auktion von Offshore-Windkraftprojekten in Großbritannien - für Gandolfi ein guter Grund zur Aufwertung. Sein neues Kursziel lautet seit Freitag 35 Euro. Bleibt abzuwarten, für wie lange.

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