Jack Dorsey Twitter-Chef warnt vor weltweiter Hyperinflation

Die Hyperinflation werde kommen - zuerst in den USA und dann weltweit, orakelt Twitter-Chef Jack Dorsey. Die Warnung des erklärten Bitcoin-Anhängers ist wohl nicht ganz uneigennützig.
Multimilliardär und Bitcoin-Anhänger: Jack Dorsey pflegt gern den Habitus eines Hippies

Multimilliardär und Bitcoin-Anhänger: Jack Dorsey pflegt gern den Habitus eines Hippies

Foto: GREG NASH / AFP

Probleme in den globalen Lieferketten und das Phänomen knapper Güter, die derzeit die Inflation treiben, könnten noch weit bis ins kommende Jahr andauern, räumte US-Notenbankchef Jerome Powell (68) am Freitagabend während einer Podiumsdiskussion ein. Ist die hohe Inflation also gekommen, um zu bleiben? Das glaubt der Fed-Chef nicht: Sollten sich die Engpässe auflösen, dürfte sich auch die Preissteigerung wieder dem Ziel von 2 Prozent nähern, wiederholte er. Angesichts einer Verbraucherpreisinflation, die derzeit mit über 5 Prozent nahe dem 30-Jahreshoch liegt, wollen viele Beobachter in den USA diesem Narrativ aber nicht mehr so recht glauben. Die Warnungen vor einer galoppierenden Inflation nehmen zu.

Noch halten sich die Inflationserwartungen diesseits und jenseits des Atlantiks bei zwei Prozent. Doch sollten sie sich einmal von dieser Marke lösen, könnte es für ein Gegensteuern womöglich zu spät sein, würden die viel zitierten "straffen Zügel" - also ein Ausstieg aus den Anleihekäufen und Zinserhöhungen – vielleicht nicht mehr ausreichen , um die Preisspirale wieder zurückzudrehen.

Die Sorge wächst, dass sich strukturell etwas verändert hat: Hatten Globalisierung und Digitalisierung die Löhne im Zaum und damit die Inflation in Grenzen gehalten, könnte sich das jetzt umdrehen, so die Erklärung. Die Globalisierung ist auf dem Rückzug, Zollschranken gehen hoch, Handelsbeschränkungen nehmen zu, zugleich rückt die nationale Versorgungssicherheit bei bestimmten Gütern in den Vordergrund - all das treibt die Kosten und damit die Preise, wie auch der Kampf gegen den Klimawandel eine grüne Inflation mit sich bringen dürfte.

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Manche Apologeten sehen gar eine "Hyperinflation" aufziehen - also eine Inflation mit monatlich zweistelligen Preissteigerungsraten. Twitter-Chef Jack Dorsey (44) orakelte jetzt: Die Hyperinflation werde kommen, erst in den USA und dann in der ganzen Welt und sie werde alles verändern. Das klingt kryptisch und angsteinflößend.

Nun muss man wissen: Dorsey ist nicht nur Chef von Twitter mit mindestens 200 Millionen täglichen Nutzern, sondern auch ein bekannter Verfechter von Kryptowährungen. So betreibt er mit Square einen Finanzdienstleister, der seinen Nutzern der Bezahl-App "Cash" den Kauf und die Aufbewahrung von Bitcoin ermöglicht. Dorseys Worten zufolge erwäge Square zudem in das Mining der Kryptowährung einzusteigen.

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Dass der Bitcoin jüngst wieder zum Höhenflug ansetzte und in der abgelaufenen Woche mit rund 66.000 Dollar den höchsten Stand bislang erklomm, hat nicht nur eine Ursache. Klar ist aber auch, dass die Angst vor einer schnellen Geldentwertung mit ursächlich ist für den Erfolg der Digitalwährung. Aus dieser Angst lässt sich Kapital schlagen.

"Die Angst vor Inflation, wenn nicht sogar Hyperinflation, hilft, den kometenhaften Aufstieg von Bitcoin zu erklären", schrieb "Bloomberg Businessweek"  im Frühjahr dieses Jahres. Dahinter stecke ein "Misstrauen gegenüber der Fed" und schüre die Opposition gegen die riesigen Pandemie-Hilfsprogramme der US-Regierung. Schon längst redeten nicht mehr nur Kellerblogger und Reddit-Aktivisten der Hyperinflation das Wort, sondern auch Hedgefonds-Manager und rechtskonservative Politiker in den USA, warnt der Autor.

Das "Gerede", dass den USA auf lange Sicht womöglich eine Hyperinflation wie in Simbabwe oder Venezuela drohe, sei "Quatsch", schlicht "Meme-Wirtschaft" . Wiederholte Aussagen von interessierter Seite aber beeinflussten die Wahrnehmung. Sie könnten die Märkte und Politik in eine problematische Richtung drängen. Je öfter Fed-Chef Jerome Powell versichere, die Inflation sei beherrschbar, desto mehr alarmiere er diejenigen, die glaubten, er liege gefährlich falsch, warnt der Autor. Wenn sich dieses "ansteckende Meme verbreitet" und die Inflationserwartungen zu steigen begännen, könnte Powell gezwungen sein, die Zinsen vorzeitig zu erhöhen und den "Inflationsballon auf Kosten von Wachstum und Beschäftigung zum Platzen zu bringen".

rei
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