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Google, Facebook, Twitter: Milliardenkampf um Werbegelder

Foto: Christoph Dernbach/ dpa

Börsenhype um Facebook Die 100-Milliarden-Dollar-Wette

Nach einem furiosen Kursanstieg in den vergangenen Wochen ist Facebook an der Börse wieder mehr als 100 Milliarden Dollar wert. Um das zu rechtfertigen, muss sich Gründer Mark Zuckerberg in nächster Zeit allerdings noch einiges einfallen lassen.

Hamburg - Geht es um die großen Trends in Medien und Internet, so ist offenbar nichts so aussagekräftig, wie plötzlich auftauchende Einzelmeinungen irgendwelcher x-beliebiger Teenager. 2009 beispielsweise diskutierte alle Welt über einen sogenannten Trendreport, den ein jugendlicher Praktikant von Morgan Stanley geschrieben hatte. Anfang dieses Jahres dann wurden in US-Blogs und -Medien eifrig die Ansichten einer 15jährigen herumgereicht, deren einzige Qualifikation es offensichtlich war, die Schwester des Bloggers zu sein, der ihre Aussagen publik machte.

Und vor wenigen Tagen war es wieder soweit: Die 13jährige New Yorkerin Ruby Karp postete im US-Blog Mashable.com einen Beitrag über ihre Sicht auf Facebook  (Kurswerte anzeigen) - und löste damit weltweit ein Medienecho aus. Der Tenor des Textes: Das weltgrößte Netzwerk sei mehr etwas für Omas ("My only friend is, like, my grandma"). Leute unter 20 dagegen hätten eher Nachteile, wenn sie Facebook nutzten.

Aufregung also erneut in Blog-Stuben und Redaktionen. Ist Facebook das nächste Yahoo , wurde da besorgt gerätselt. Und, so ganz ohne Teenager, hat Mark Zuckerbergs Wunderfirma da überhaupt noch eine Zukunft?

Die Fragen mögen überspitzt sein. Sie rücken das weltgrößte Netzwerk aber zur rechten Zeit in den Fokus. Denn mehr als ein Jahr nach dem verkorksten Börsengang mit darauffolgendem Kurssturz hat Facebook gerade mühsam das Vertrauen der Kapitalmärkte wiedergewonnen. Inzwischen hat die Aktie sogar ihren einstigen Ausgabepreis von 38 Dollar übersprungen. Der Börsenwert von Facebook ist damit ebenfalls wieder angekommen, wo er schon zum IPO taxiert worden war: bei mehr als 100 Milliarden Dollar.

Umsatz steigt um 50 Prozent

Hauptgrund für das Comeback waren offensichtlich die Geschäftsergebnisse des Unternehmens. Seit dem Börsengang 2012 hat Facebook Quartal für Quartal die Vorbehalte vieler Kritiker zerstreut. Vor allem das Geschäft mit der mobilen Werbung kam in Gang - ein Bereich, in dem viele noch vor Jahresfrist eine Schwäche Facebooks vermutet hatten.

In Zahlen liest sich das so: Allein im zweiten Quartal dieses Jahres stieg der Gesamtumsatz um mehr als 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar. Der weitaus größte Teil davon stammte aus der Werbung, wovon wiederum bereits 41 Prozent mobil eingespielt wurden. Zum Vergleich: Neun Monate zuvor hatte der Anteil von Smartphones und Tablets noch bei lediglich 14 Prozent gelegen.

Damit nicht genug: Auch beim Gewinn befindet sich Facebook auf gutem Wege. Im zweiten Quartal stand ein Plus von 331 Millionen Dollar unter dem Strich, nach einem Verlust von 157 Millionen Dollar noch ein Jahr zuvor.

"Facebook hat den Sturm offenbar überstanden, dem das Unternehmen seit dem IPO ausgesetzt war", fasst Analyst Brian Blau vom US-Beratungshaus Gartners zusammen. Quartal für Quartal seien die Umsatzziele erreicht und Fortschritte im mobilen Geschäft gemacht worden.

Schön und gut. Bei der Frage, ob der Börsenwert von 100 Milliarden Dollar gerechtfertigt ist, zählt allerdings mehr der Blick in die Zukunft. Geht die Milliardenwette der Anleger in den kommenden Jahren tatsächlich auf?

Vergleich mit Amazon und Google

Fest steht: Facebook konnte die Zahl seiner aktiven Nutzer zwar inzwischen auf weltweit mehr als 1,1 Milliarden erhöhen. Auch die mehr als 800 Millionen Leute davon, die das Netzwerk per Mobilgerät aufrufen, lassen aufhorchen. Gleichzeitig jedoch - und das erklärt zum Teil auch die Aufregung um Aussagen wie jene von Ruby Karp - steigt die Zahl der Accounts inzwischen mit deutlich nachlassendem Tempo.

Einerseits. Andererseits interessieren sich Experten gar nicht so sehr für die Frage, wie viele Nutzer Facebook künftig hinzugewinnen kann. Viel wichtiger erscheint ihnen, was Mark Zuckerberg und seinem Team einfällt, um mit der bereits bestehenden Facebook-Gemeinde mehr Geld zu verdienen. Daran vor allem, so der Tenor, muss sich auch der Börsenwert des Unternehmens messen lassen.

"Das Werbegeschäft läuft gut", sagt beispielsweise Michael Altendorf, Geschäftsführer der Mannheimer Firma Adtelligence, die eine Werbeplattform für Facebook-Kunden anbietet. "Die Akzeptanz ist hoch, und vor allem die mobile Werbung auf Facebook ist offenbar sehr effektiv." Altendorf ist sich jedoch sicher, dass das rasante Wachstum der Nutzerzahlen vorbei ist. "Jetzt geht es darum, die bestehende Community zu monetarisieren", sagt er zu manager magazin online.

Auch Amazon und Google haben sich gewandelt

Ähnlich sieht es Christian Schulze, Professor an der Frankfurt School of Finance & Marketing . "Sollte Facebook lediglich seinen bisherigen Weg fortsetzen, mit zwar nachlassendem, aber doch fortgesetztem Wachstum der Nutzerzahlen sowie entsprechenden Erlösen und Gewinnen, dann erscheint die aktuelle Bewertung mit 100 Milliarden Dollar vollkommen überzogen", sagt er. "Das Unternehmen muss es in den nächsten Jahren schaffen, weitere Produkte, Dienste oder Funktionalitäten zu entwickeln, um zusätzliche Umsätze zu generieren."

Als Vorbilder sieht Schulze die Internetkonkurrenten Amazon  und Google . Auch bei diesen Firmen hätten vor Jahren viele von einer Überbewertung an der Börse gesprochen - bis klar wurde, wie sehr sich die Online-Pioniere weiterentwickeln und verändern konnten. "Aus dem Buchhändler Amazon ist ein Allround-Retailer geworden", sagt Schulze. "Auch Google ist längst keine einfache Suchmaschine mehr."

Zwar sei fraglich, ob es Mark Zuckerberg als Vordenker mit Führungsfiguren wie dem gleichsam als Guru verehrten Amazon-Gründer Jeff Bezos oder den Google-Erfindern Larry Page und Sergey Brin aufnehmen könne.

Einen Vorteil jedoch hat das Netzwerk wohl in jedem Fall: Der Wechsel zu einer alternativen Plattform fällt Facebook-Mitgliedern wesentlich schwerer als beispielsweise Kunden von Amazon oder Nutzern von Google.

Die unbemerkte Adora Svitak

Während nämlich bei Ärger über Amazon und Google ein Klick zum nächsten Händler oder der nächsten Suchmaschine im Prinzip genüge, so Schulze, könne man dem Netzwerk nur den Rücken kehren, wenn gleichzeitig sämtliche "Freunde" dort das gleiche täten.

Facebook-Chef Zuckerberg weiß das alles natürlich genau. Er dürfte sich der Erwartungen bewusst sein, die die Börse mit der hohen Bewertung an sein Unternehmen richtet. Die ablehnende Haltung der Teenie-Generation gegenüber seiner Plattform dagegen kann er seinen Angaben zufolge nicht nachvollziehen. "Nach den Daten, die wir haben, ist das nicht wahr", sagte Zuckerberg bei der Vorlage der jüngsten Quartalsergebnisse zu Analysten. "Teenager nutzen Facebook weiterhin sehr intensiv."

Eine unbemerkte Gegenmeinung

Bestätigt wird diese Aussage kurioserweise ausgerechnet durch einen Beitrag, der ebenfalls kürzlich auf Mashable.com veröffentlicht wurde . Wenige Tage nach dem Eintrag von Ruby Karp verewigte sich dort eine gewisse Adora Svitak aus Redmond im US-Bundesstaat Washington. Eins nach dem anderen greift sie Karps Argumente gegen Facebook auf - um sie dann Punkt für Punkt zu widerlegen.

Das eigentlich Bemerkenswerte an Svitaks Artikel ist jedoch weniger, was drin steht, sondern vielmehr, dass er von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt blieb. Denn die Autorin ist ebenfalls erst 15 Jahre alt.

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