Dienstag, 28. Januar 2020

Erste Emission seit 2010 Investoren reißen sich um Griechenland-Anleihe

Griechenland: Erster Schritt aus der engen Überwachung durch die Geldgeber

Zum ersten Mal seit 2010 hat sich Griechenland wieder problemlos Geld am Kapitalmarkt besorgt: Drei Milliarden Euro hat der Anleiheverkauf in die Kassen gespült - deutlich mehr als gedacht.

London - Griechenland hat vier Jahre nach der Beinahe-Pleite erstmals wieder eine Anleihe am Kapitalmarkt verkauft. Die mit einer Nominalverzinsung von 4,75 Prozent ausgestattete Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit spülte insgesamt drei Milliarden Euro in die Staatskasse, wie das Finanzministerium in Athen mitteilte. "Die Nachfrage nach den Bonds war sehr stark."

Etwa 90 Prozent seien an institutionelle Investoren im Ausland gegangen. Die Gebote der Anleger summierten sich nach Reuters-Informationen auf mehr als 20 Milliarden Euro.

Es war die erste Ausgabe einer länger laufenden Staatsanleihe, seitdem das Land 2010 mit milliardenschweren Krediten vor der Pleite bewahrt wurde. Der letzte Versuch verlief traumatisch: Athen wollte sich im April 2010 eine Milliarde Euro für 20 Jahre leihen. Es kamen aber nur Angebote für lediglich 390 Millionen Euro zusammen. Wenige Tage später richtete Athen einen Hilferuf an die Euro-Partner. Nun will das hochverschuldete Euroland angesichts der Beruhigung der Schuldenkrise testen, ob es sich wieder aus eigener Kraft finanzieren kann.

Die Emission der Anleihe wird von der Bank of America Merrill Lynch, der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, HSBC Börsen-Chart zeigen, JPMorgan Börsen-Chart zeigenund Morgan Stanley Börsen-Chart zeigenorganisiert.

Es sei "der große Schritt", der das Land aus der engen Überwachung der Geldgeber befreien werde, titelte die Boulevardzeitung "Ethnos". Das linke Blatt "Avgi", das dem oppositionellen Bündnis der radikalen Linken (Syriza) nahesteht prophezeite dagegen "neue harte Sparmaßnahmen" für die Griechen. "Spektakuläre Rückkehr an die Märkte", titelte die konservative Athener Zeitung "Kathimerini".

Am Freitag besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel die griechische Hauptstadt Athen. Heute morgen detonierte dort in unmittelbarer Nähe der Zentralbank eine Autobombe. Ermittler vermuten einen Zusammenhang zwischen der Anleihe, dem Besuch und dem Anschlag.

ts/rtr/dpa-afx

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung