Dienstag, 10. Dezember 2019

Bondmarkt sendet Rezessionssignal Inverse Zinskurve - Trump erhöht Druck auf die Fed

Trump, Powell: Der Präsident bezeichnete den Fed-Chef kürzlich als "inkompetent". Trump wünscht sich kräftige Zinssenkungen als Hilfe im Wahlkampf

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession hat die Börsen fest im Griff. Genährt wurde diese am Mittwoch von einer Serie enttäuschender Konjunkturdaten und der Entwicklung am US-Anleihemarkt. Dort stieg die Rendite der zweijährigen Bonds erstmals seit 2007 und damit seit den Zeiten der Finanzkrise über diejenige der zehnjährigen. Erstere warfen 1,612 Prozent ab und Letztere 1,595 Prozent. Üblicherweise ist die Rendite einer länger laufenden Anleihe höher als bei einem kürzer laufenden Papier.

Diese sogenannte "Inverse Zinskurve" ist ein Rezessionssignal: Sie habe in sieben von neun Fällen einen Konjunkturabschwung korrekt vorhergesagt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Allerdings dauere es meist ein bis zwei Jahre, bevor die Wirtschaft in eine Rezession rutsche.

Zinssenkung der Fed: Trump erhöht Druck auf US-Notenbank

Die Rezessionssignale am US-Anleihenmarkt liefern aus Sicht des Handelsberaters von Präsident Donald Trump weitere Argumente für dessen Forderung nach niedrigeren Leitzinsen. Die Rendite der zweijährigen Anleihen war am Mittwoch erstmals seit 2007 über diejenige der zehnjährigen gestiegen. Dies sei ein weiterer Hinweis, "dass die Fed die Zinsen so schnell wie möglich um 50 Basispunkte senken muss," sagte Handelsberater Peter Navarro am Mittwoch zu Fox Business Network.

Die Fed hatte erst Ende Juli den Leitzins um einen Viertelpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Trump, der die Notenbank bereits seit Monaten wegen ihrer geldpolitischen Ausrichtung angreift, ging dieser Schritt aber nicht weit genug. Er bezeichnete die Notenbank unter ihrem Chef Jerome Powell zuletzt sogar als "inkompetent".

Händler an der Wall Street: Aktienkurse fallen, und die Renditen am Anleihemarkt deuten auf Rezession hin
Richard Drew/ AP
Händler an der Wall Street: Aktienkurse fallen, und die Renditen am Anleihemarkt deuten auf Rezession hin

Aktienmärkte geben deutlich nach

Unterdessen zogen sich Anleger aus den Aktienmärkten zurück. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils zwei Prozent, und auch der Dow Jones geriet unter Druck. "Der Zollstreit zwischen den USA und China hat bereits einen Einfluss auf die Konjunktur", sagte Christophe Barraud, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Market Securities. "Vor allem, wenn man sich vom weltweiten Handel abhängige Staaten wie Deutschland anschaut." Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um 0,1 Prozent.

Die chinesische Industrieproduktion wuchs so langsam wie seit 17 Jahren nicht. "Wenn Chinas Industrieproduktion schwächelt, ist das immer auch eine Aussage über den Zustand der Weltwirtschaft", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Ölpreise geben nach, Gold klettert weiter

Damit verpuffte die Freude über die Verschiebung zusätzlicher US-Strafzölle auf chinesische Waren vollends. Dabei habe es sich sowieso nicht um Zugeständnisse von US-Präsident Donald Trump gehandelt, sondern nur um Wahltaktik, sagte BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. "Man stelle sich vor, die Amerikaner müssten einen Präsidenten wiederwählen, der für eine deutliche Preissteigerung des geschenkten iPhones zum Weihnachtsfest 2019 verantwortlich war."

Der wachsende Konjunkturpessimismus spiegelte sich auch an den Rohstoffmärkten wider: Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,4 Prozent auf 59,82 Dollar je Barrel (159 Liter) und der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel um 1,3 Prozent auf 5753,50 Dollar je Tonne. Die "Antikrisen-Währung" Gold nahm dagegen wieder Kurs auf das Sechseinhalb-Jahres-Hoch vom Dienstag und verteuerte sich um 1,1 Prozent auf 1517,78 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Nachfrage nach den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Rekordtief von minus 0,654 Prozent. Damit schrumpfte ihr Renditeabstand zu den zweijährigen Papieren auf den niedrigsten Stand seit 2008.

la/reuters

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