Preissteigerungs- und Zinsangst So gelingt der Inflationsschutz fürs Vermögen

Steigende Inflationsraten in den USA haben am Aktienmarkt Turbulenzen ausgelöst. So stellt sich erneut die Frage: Wie können Anleger ihr Vermögen vor Geldentwertung schützen?
Was tun bei steigenden Preisen? Auch Geldanleger stehen mitunter vor diesem Problem.

Was tun bei steigenden Preisen? Auch Geldanleger stehen mitunter vor diesem Problem.

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Unruhige Zeiten an den Aktienmärkten, seit Tagen geht es mit den wichtigen Indizes weltweit heftig auf und ab. Als Hauptgrund dafür gilt die Sorge der Investoren vor steigenden Zinsen, die wiederum auf der Beobachtung basiert, dass die gut laufende Konjunktur insbesondere in den USA inzwischen auch die Inflation in Bewegung bringt.

Lange gelang es der US-Wirtschaft robust zu wachsen, ohne dass gleichzeitig signifikante Preissteigerungen zu beobachten gewesen wären - doch das scheint sich nun zu ändern. Erst am Donnerstag dieser Woche machte die Meldung die Runde, der Preisauftrieb auf US-Herstellerebene habe sich zu Beginn des Jahres überraschend verstärkt. So erhöhten sich die Erzeugerpreise im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,7 Prozent, so das US-Arbeitsministerium. Analysten hatten nur mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet.

Eine gute Nachricht - und eine schlechte

Solche Meldungen häufen sich in letzter Zeit. Kommt also tatsächlich die Inflation zurück? Und wie sollten Geldanleger, die sich Sorgen um ihr Erspartes machen, darauf reagieren?

Zunächst die gute Nachricht: Auch wenn die Turbulenzen an den Börsen etwas anderes vermuten lassen können; von einer nennenswerten Geldentwertung sind sowohl die USA als auch die Euro-Zone derzeit noch weit entfernt. In den Vereinigten Staaten erreichen die Inflationszahlen momentan maximal Werte mit einer 2 vor dem Komma, in der Euro-Zone liegen sie noch deutlich darunter. Das sind womöglich Preissteigerungen, über die sich Notenbanker den Kopf zerbrechen, und zwar insbesondere, wenn sie, wie zuletzt der Fall, die Finanzmärkte jahrelang mit extrem billigem Geld überflutet haben. Bei privaten Geldanlegern aber müssen angesichts solcher Inflationswerte noch längst keine Sorgenfalten auf der Stirn entstehen.

Die schlechte Nachricht lautet allerdings: Sollte jemanden dennoch das Gefühl beschleichen, er müsse sein Vermögensdepot auf eine anziehende Inflation ausrichten, dann steht er insbesondere in der aktuellen Lage an den Finanz- und Kapitalanlagemärkten vor keiner leichten Aufgabe. Zwar nennen Investmentexperten auf Nachfrage gleich ein ganzes Bündel an Vermögensanlagen, die sich angeblich als Schutz gegen Geldentwertung eignen. Bei den meisten davon sind jedoch verschiedene Einschränkungen und andere Haken und Ösen zu beachten, wie die folgende Übersicht zeigt:

Gold, der sichere Hafen - oder doch nicht?

Gold

Gold  gilt als klassischer Inflationsschutz schlechthin - aber warum eigentlich? Sicher, wer Gold in Form von Münzen oder Barren im Safe liegen hat, kann zumindest auf dessen Substanzwert vertrauen. Die Gefahr, das Investment im Ernstfall komplett zu verlieren, besteht also wohl kaum. Der Preis von etwa 1330 Dollar je Unze erscheint zudem gegenwärtig nach längerer Talfahrt womöglich einladend zum Einstieg, wie beispielsweise Rainer Beckmann, Chef der Vermögensverwaltung ficon Börsebius in Düsseldorf, meint.

Einen echten Ernstfall allerdings, eine Hyperinflation also beispielsweise, gibt es in der Realität nicht allzu häufig. Und in Zeiten von mäßigeren Inflationsraten hat sich die schützende Wirkung des Edelmetalls bisher nicht unbedingt bestätigt.

"Das viel zitierte Gold ist statistisch gesehen kein besonders guter Schutz vor Inflation", bestätigt Frank Wieser, Chef der Vermögensverwaltung PMP in Düsseldorf. "Gold schützt bei echten Krisen, eine ansteigende Inflation wird von der Börse zwar kritisch gesehen, ist aber kein beängstigendes Krisenszenario."

Uwe Eilers, Geschäftsführer bei FV Frankfurter Vermögen, äußert sich ebenfalls skeptisch. "Bei Inflationsraten im einstelligen Bereich ist es eher so, dass Gold unattraktiver wird, da Edelmetalle weder Dividenden noch Zinsen abwerfen", sagt er. "Diese Differenz muss in dem Fall erst einmal ausgeglichen werden, was nicht unbedingt gewährleistet ist."

Aktien und Immobilien - Sachwerte mit großem Rückschlagrisiko

Aktien

Auch Anteilsscheine an Unternehmen gelten als Sachwerte und bieten daher zumindest theoretisch einen gewissen Schutz gegen Geldentwertung. So haben Aktiengesellschaften beispielsweise die Möglichkeit, Preissteigerungen mit höheren Inflationsraten zu rechtfertigen und auf diese Weise im Idealfall ihre Margen zu steigern - zur Freude der Aktionäre.

Andererseits: Sollte die Geldentwertung allzu rasant voranschreiten, leiden darunter auch die Firmen. "Eine zu stark ansteigende Inflation kann die Produktionskosten schneller steigen lassen als die Verkaufspreise", erläutert Titus C. Schlösser, Chef von Portfolio Concept Vermögensmanagement. "Das belastet die Marge und lässt Aktienpreise fallen."

Auch Stephan Witt von der Finum Private Finance AG sagt: "Ist die Inflation zu stark, werden die Anleger an der Börse vorsichtiger und wollen nicht mehr in Aktien investieren." Hinzu kommt: Die Aktienmärkte sind in den vergangenen Jahren ohnehin bereits stark gestiegen. Das Rückschlagpotenzial erscheint daher vergleichsweise groß - insbesondere, wenn Unsicherheitsfaktoren wie eine stark steigende Inflation ins Spiel kommen sollten.

Immobilien

Ähnlich ist es mit Immobilien, die ebenfalls als Substanzwerte und damit grundsätzlich als werterhaltend gelten. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hat allerdings nicht nur die Aktienkurse weltweit in die Höhe getrieben, sondern auch die Immobilienpreise, wie beispielsweise Thomas Wüst von der valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart erläutert. "Sollten die Notenbanken im Falle eines künftigen Anstiegs der Inflationsraten nun wieder den Fuß vom Gaspedal nehmen und eine restriktivere Geldpolitik umsetzen", sagt er, "dann kann der Liquiditätseffekt auch an den Anlagemärkten negative Spuren hinterlassen."

Sprich: Auch bei den Immobilienpreisen besteht wegen der starken Preisanstiege der vergangenen Jahre die grundlegende Gefahr von Rückschlägen, Inflation hin oder her. Nicht umsonst warnen manche Beobachter bereits vor einer möglichen Liquiditätsblase am Immobilienmarkt.

Anleihen - die richtigen Papiere bringen den besten Schutz

Anleihen

Grundsätzlich ist es eine denkbar schlechte Idee, bei absehbar steigenden Inflationsraten in festverzinsliche Papiere, also etwa Staatsanleihen, zu investieren. Denn die höheren Preissteigerungsraten lassen in der Regel auch steigende Zinsen erwarten, was wiederum bei bereits am Markt befindlichen Bonds meist zu Kursverlusten führt. Dennoch glauben nicht wenige Experten, dass sich der womöglich beste Inflationsschutz für Kapitalanleger ausgerechnet am Anleihemarkt findet.

Die Rede ist zum einen von Papieren mit variabler Verzinsung ("Floating Rate Notes") und zum anderen von inflationsgebundenen Anleihen ("Inflation Linked Notes"). Nur diese Wertpapiere bieten einen echten Schutz gegen Inflation, meint beispielsweise PMP-Chef Wieser.

Ähnlich sieht es Gerhard Rosenbauer, Geschäftsführer bei Avana Invest in München. "Bei europäischen inflationsgebundenen Anleihen wird sowohl auf den Kupon als auch auf den Rückzahlungswert ein Inflationsausgleich gezahlt", erläutert der Experte. Anleger sollten seinem Ratschlag zufolge allerdings unbedingt auf die Inflationsrate achten, die dem jeweiligen Papier zugrunde gelegt wurde.

Auch Rosenbauer nennt darüber hinaus Anleihen mit variabler Verzinsung als möglichen Inflationsschutz fürs Depot. "Diese Papiere sind mit einem variable verzinslichen Kupon ausgestattet", sagt er. "Der Kupon wird regelmäßig, monatlich oder vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich, an das aktuelle Zinsniveau angepasst."

Einen besonderen Tipp hat zudem Andreas Görler vom Vermögensverwalter Wellinvest Pruschke & Kalm parat. Es könne sich lohnen, den Blick in den US-Dollar-Raum zu werfen, meint er. "Wenn man davon ausgeht, dass dort die Zinsen etwas stärker steigen könnten und dadurch der US-Dollar steigt, sind variabel verzinste Dollar-Anleihen in doppelter Hinsicht interessant", so Görler. Der Anleger hätte dabei nach Ansicht des Experten eine doppelte Chance: Einerseits sei das Zinsniveau etwas höher, und andererseits könnte der Dollar könnte gegenüber dem Euro steigen.

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