Baumarktkonzern Hornbach senkt Prognose und schockt Anleger

Der Baumarktkonzern Hornbach blickt wegen steigender Preise und Probleme in den Lieferketten pessimistischer auf die Gewinnentwicklung in diesem Jahr. Die verwöhnten Anleger sind schwer überrascht.
Inflation, Lieferketten und Produktpreise: Viele Faktoren belasten den Baumarktkonzern

Inflation, Lieferketten und Produktpreise: Viele Faktoren belasten den Baumarktkonzern

Foto: Sven Hoppe/dpa

Schwerer Rückschlag für die erfolgsverwöhnten Anleger von Hornbach: Weil der Baumarktkonzern wegen steigender Preise und anhaltender Probleme bei den Lieferketten pessimistischer auf die Gewinnentwicklung im laufenden Geschäftsjahr blickt, brachen die Aktien der Baumarkt-Holding am Dienstag um 18 Prozent ein. Im Tagestief bedeuteten 91,50 Euro das niedrigste Niveau seit September. Hornbach-Aktien waren mit weitem Abstand Schlusslicht im SDax. Der Nebenwerteindex fiel zuletzt um mehr als ein Prozent.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde in diesem Geschäftsjahr (bis Ende Februar 2023) um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz im Vergleich zum Vorjahreswert von 362,6 Millionen Euro sinken, teilte der Konzern mit. Zuvor war das Management nur von einem leichten Minus ausgegangen. Im ersten Geschäftsquartal fiel das bereinigte operative Ergebnis nach vorläufigen Zahlen um etwas mehr als 12 Prozent auf gut 148 Millionen Euro.

Das erste Geschäftsquartal, das im Mai zu Ende ging, war zwar laut Hornbach von einer stabilen Nachfrage nach Bau- und Heimwerker-Produkten geprägt. Allerdings hätten sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten und die Herausforderungen mit Blick auf Inflation, Lieferketten und Produktpreise im zweiten Geschäftsquartal verfestigt. Dies erschwere die Prognose für den Rest des Jahres weiter.

Hornbach hatte in den vergangenen beiden Jahren in der Corona-Krise als Profiteur der Lockdowns gegolten, da viele Menschen ihre Häuser, Wohnungen oder Gärten neu entdeckten. Zwar mussten Baumärkte in der Pandemie zeitweise schließen, Hornbach konnte dies aber etwa mit einem starken Online-Handel und Angeboten wie Click & Collect ausgleichen.

Analyst Thomas Maul von der DZ Bank kommentierte: "Da das gesamtwirtschaftliche Umfeld von hohen Unsicherheiten geprägt und das Baumarktgeschäft mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert ist, sind negative Prognoseanpassungen in einem gewissen Umfang zu erwarten." Dass Hornbach jedoch nur kurz nach Veröffentlichung der ursprünglichen Prognose am 17. Mai die Ergebniserwartungen nach unten korrigiere, könnte die Marktteilnehmer aber verunsichern.

Experte Thilo Kleibauer vom Analysehaus Warburg Research bezeichnete die gesenkte Gewinnprognose als vernünftig. Er verwies auf den deutlichen Gegenwind durch das aktuelle gesamtwirtschaftliche Umfeld. Aus fundamentaler Sicht blieben die Aktien attraktiv, wenn man die langfristige, auf stetiges Wachstum ausgerichtete Unternehmensstrategie berücksichtige. Untermauert werde diese durch eine starke Position im Online-Handel und eine hohe Kundenzufriedenheit.

Aktien haben seit Höchststand gut ein Drittel eingebüßt

Trotz des aktuellen Rückschlages kann sich die langfristige Kursentwicklung sehen lassen. Nach dem bedächtigen Start in die 2000er-Jahre erreichten die Aktien der Hornbach Holding im Juni 2007 ein Hoch bei 52 Euro, bevor sie die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu spüren bekamen und im März 2009 wieder unter 20 Euro rutschten.

Doch der Schock wurde rückblickend betrachtet schnell überwunden und danach konnten weder die Eurokrise noch die Pandemie den Lauf der Papiere deutlich bremsen. So kostete eine Aktie der Hornbach Holding 2015 erstmals mehr als 80 Euro und 2020 zum ersten Mal mehr als 100 Euro. Das Rekordhoch wurde im Februar 2022 bei rund 140 Euro erreicht.

Seit dem Höchststand aber haben die Aktien mittlerweile rund ein Drittel eingebüßt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29 Prozent zu Buche, während der SDax 24 Prozent verloren hat. Mit dem Kursrutsch am Dienstag steuern die Hornbach-Aktien auf den vierten Verlusttag in Folge zu.

rei,sio/dpa
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