Hometogo Ferienhaus-Suchmaschine springt in Börsenhülle

Der Ferienhaus-Marktplatz Hometogo heimst bei seinem Börsengang mittels einer Börsenhülle eine Milliardenbewertung ein. Investor und Lakestar-Chef Klaus Hommels hat damit sein Ziel erreicht.
Sehnsucht nach Meer: Die Suchmaschine Hometogo hat sich auf Ferienunterkünfte spezialisiert, steht damit in Konkurrenz zu Airbnb und geht jetzt via Spac an die Börse

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Jens Büttner/ dpa

Die Berliner Ferienwohnungs-Suchmaschine Hometogo wird bei ihrem Börsengang "durch die Hintertür" mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet. Das 2014 gegründete Start-up soll die leere Unternehmenshülle Lakestar Spac I mit Leben füllen, die der deutsch-schweizerische Investor Klaus Hommels (54) im Februar an die Frankfurter Börse gebracht hatte. Die Lakestar-Initiatoren einigten sich mit Hometogo-Mitgründer Patrick Andrä und dessen Investoren auf die Konditionen für die Verschmelzung auf das Spac ("Special Purpose Acquisition Company"), wie Lakestar Spac und Hometogo am Mittwochabend mitteilten.

Pläne für ein solches Vorhaben hatten die Unternehmen bereits Anfang Juni öffentlich gemacht. Hometogo soll nach einer Hauptversammlung von Lakestar Spac I, die formell darüber beschließen muss, von September an der Börse gelistet sein. Andrä soll das Unternehmen weiterhin leiten.

Hometogo-Gründer Patrick Andrä (l.) und Wolfgang Heigl

Hometogo-Gründer Patrick Andrä (l.) und Wolfgang Heigl

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Chris Marxen Headshots-Berlin / HomeToGo/Chris Marxen, Headshots-berlin.de

Auf der Plattform können Besitzer von Ferienwohnungen und -häusern ihre Objekte zur Vermietung anbieten. 2020 kam Hometogo der Trend zu Ferienwohnungen zugute, weil Urlauber Hotels in der Corona-Pandemie mieden. "Im vergangenen Jahr hatten wir ein höheres Buchungsvolumen als 2019", sagte Andrä zu Reuters. Im ersten Halbjahr des neuen Jahres ist das über Hometogo abgewickelte Buchungsvolumen um 27 Prozent auf 904 Millionen Euro gestiegen. Operativ schrieb das Start-up 2020 noch zwei Millionen Euro Verlust (Ebitda).

Hometogo schreibt noch Verluste

Die Investoren in Hometogo sollen nach der Verschmelzung 69 Prozent an der Firma halten, die Lakestar-Aktionäre, die beim Börsengang 275 Millionen Euro investiert hatten, 25 Prozent. Zusätzlich hat Lakestar bei weiteren Anlegern rund 75 Millionen Euro frisches Kapital eingeworben, Hommels hat nach eigenen Angaben allein gut 20 Millionen beigesteuert.

Die von Hommels aufgelegten Lakestar-Fonds hatten bereits 2018 in Hometogo investiert. "Wir kennen uns - das hat einige Vorteile", sagte der Investor. Er habe jahrelang prüfen können, wie das Führungsteam seine Ziele umsetze. In der Finanzierungsrunde 2018 war das Start-up, zu dessen Investoren Acton Capital, DN Capital, Insight Venture Partners und Global Founders Capital von Oliver Samwer gehören, mit 630 Millionen Dollar bewertet worden.

Lakestar Spac I war die erste leere Unternehmenshülle seit mehr als einem Jahrzehnt, die an die Frankfurter Börse ging - und die erste von drei Spacs dort, die ein Kaufobjekt gefunden hat. Anfang Juni hatte Lakestar schon eine Absichtserklärung mit Hometogo geschlossen. Ein zweites Spac-Übernahmevehikel, 468 Spac, will für rund eine Milliarde Euro den Kinder-Hörspielanbieter Boxine schlucken.

Lakestar-Spac-Aktien - die Luft war schnell raus

Lakestar-Chef Hommels hatte im Februar über eine Direktplatzierung bei institutionellen Investoren für 27,5 Millionen Lakestar-Spac-Aktien 275 Millionen Euro eingeheimst. Kurz danach wurde das Papier an der Frankfurter Börse gelistet. Dort ging es an den ersten Handelstagen bis auf 12,32 Euro nach oben, doch danach war die Luft schnell wieder raus und das Papier pendelte um den Ausgabepreis von 10 Euro.

Bei sogenannten Spacs handelt es sich um Finanzvehikel, bei denen meist bekannte Investoren Geld über einen Börsengang sammeln, um später ein Unternehmen zu übernehmen. Dabei haben die Unternehmen zum Zeitpunkt kein konkretes Ziel im Auge, sondern locken nur mit dem Versprechen, ein gutes zu finden. Spac-Investoren stellen dem Management des Vehikels also eine Art Blankoscheck aus.

rei/Reuters, dpa-afx
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