IPOs in turbulenten Börsenzeiten Dieser Mann ging am Zenit der Dot-Com-Blase an die Börse - und jetzt erneut

Gespräch mit Unternehmer Joachim Semrau über seine Erfahrungen und Pläne an der Börse: Nach dem Verkauf seiner Reisebürokette Flugbörse in den 1990ern brachte er 2000 die Travel24.com AG aufs Parkett - pünktlich zum Dot-Com-Crash. Mit seinem Ferienhausvermittler Homes & Holiday plant Semrau jetzt wieder ein IPO.
Joachim Semrau will mit Homes & Holiday an die Börse

Joachim Semrau will mit Homes & Holiday an die Börse

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manager-magazin.de: Herr Semrau, als sie das letzte Mal eine Firma an die Börse gebracht haben, nämlich am 15. März 2000 die Travel24.com AG, platzte gerade die Dot-Com-Blase und es gab den heftigsten Börsencrash seit Jahren. Mit ihrer Homes & Holiday AG planen sie nun wieder den Gang aufs Parkett, und auch gegenwärtig sind die Aktienkurse auf hohes Niveau gestiegen und es gibt erste Turbulenzen. Keine Angst vor einem erneuten Absturz?

Semrau: Überhaupt nicht. Das Umfeld ist ja weiterhin gut. Die Fundamentaldaten stimmen und die Wirtschaft wächst. Die meisten Experten glauben nicht an einen echten Börsencrash, sondern bestenfalls an eine vorübergehende Korrektur, und die ist nach den guten Jahren ja auch überfällig. Ohnehin leben wir heute in anderen Zeiten. Damals wollte der Markt vor allem Ideen und Konzepte, das ist heute undenkbar.

mm.de: Stimmt, während der Dot-Com-Euphorie zählte vor allem die Story eines Unternehmens, die möglichst hohe Wachstumsraten möglich erscheinen lassen und die Fantasie der Anleger anregen musste. So konnte es beinahe jede Firma an die Börse schaffen.

Semrau: Heute dagegen ist ein klarer Proof-Of-Concept Voraussetzung, damit Investoren Vertrauen fassen. Mit Homes & Holiday beispielsweise sind wir seit mehr als zehn Jahren erfolgreich am Markt. Alles in allem glaube ich daher nicht, dass wir mit unserem Börsengang Probleme haben werden.

mm.de: Ein wenig Wachstumsfantasie erfreut die Anleger allerdings auch heute noch. Ihr Unternehmen agiert in erster Linie als Ferienimmobilien-Makler auf Mallorca, ein erwiesenermaßen einträgliches, aber letztlich doch begrenztes Geschäftsfeld. Wie soll die weitere Expansion aussehen?

Joachim Semrau
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Joachim Semrau blickt bereits auf ein bewegtes Unternehmerleben zurück: Er gründete die Reisebürokette Flugbörse, die er Mitte der 1990er Jahre nach rasantem Wachstum verkaufte. Dann startete Semrau den Reisevermittler Travel Line AG und brachte ihn später als Travel24.com AG an die Börse. Der Börsengang erfolgte am 15. März 2000 - das war exakt als die Dot-Com-Blase platzte und die Kurse in den Keller rauschten. Auch Travel24.com, wo Semrau inzwischen längst ausgeschieden ist, setzte am Aktienmarkt zum Sturzflug an.
Jetzt plant der Unternehmer den Börsengang seiner neuen Firmengruppe: Die Homes & Holiday AG ist nach eigenen Angaben der einzige deutsche Franchise-Makler, der sich auf Ferienimmobilien spezialisiert hat. Den Umsatz steigerte das 2005 ins Leben gerufene Unternehmen, das vor allem in Spanien und Deutschland agiert, zuletzt um 25 Prozent auf 120 Millionen Euro.

Semrau: Sie haben Recht, Herzstück unserer Gruppe ist Porta Mallorquina, ein Maklerhaus, das inzwischen zu den Top-3 der Insel zählt. Darüber hinaus haben wir aber unser Geschäft in den vergangenen Jahren bereits nach Ibiza, auf das spanische Festland, auf die Kanaren und zuletzt auch nach Deutschland erweitert. Außerdem haben wir zur Vermittlung von Kaufobjekten die Ferienvermietung sowie auf Wunsch auch die Organisation des gesamten Property Managements hinzugenommen. Insgesamt gibt es uns inzwischen an 19 Standorten - und nur neun davon befinden sich auf Mallorca.

mm.de: Und wo wollen Sie mit Homes & Holiday noch hin?

Semrau: Wir wollen weiterwachsen. Wir haben von Beginn an stark auf die Digitalisierung unseres Geschäftsmodells geachtet. Die Online-Plattform ermöglicht nun Skaleneffekte und damit hohe Effizienz. Zudem erleichtert sie das Wachstum, das wir mit Hilfe der Mittel aus dem IPO vorantreiben wollen. Geplant ist die Verbesserung unserer Präsenz in Gebieten wie Mallorca, wo wir schon vertreten sind. Vor allem aber wollen wir neue Regionen erschließen.

mm.de: Zum Beispiel?

Semrau: Wir haben uns den Eintritt ins Geschäft an Nord- und Ostsee als Ziel gesetzt, sowie später auch in den Feriengebieten in Süddeutschland. Um dabei schneller voranzukommen wollen wir nicht nur organisch, also durch die Eröffnung eigener Niederlassungen, wachsen. Vielmehr werden wir auch bestehende Makler- und Ferneivermietungsgesellschaften übernehmen. Dafür benötigen wir das Kapital aus dem Börsengang.

"Was, wenn in Spanien die nächste Immobilienkrise ausbricht?"

mm.de: An welches Volumen denken Sie da, ist das bereits entschieden?

Semrau: Es ist noch zu früh, darüber zu reden.

mm.de: Aber die Größenordnung können Sie sicher nennen. Es geht doch sicher um einen zweistelligen Millionenbetrag, richtig?

Semrau: Das auf jeden Fall!


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mm.de: Neben den eingangs angesprochenen Risiken der Börse besteht natürlich aus Anlegersicht bei Ihrem IPO auch die Gefahr, dass ihre Geschäftspläne scheitern, was verschiedene Gründe haben kann. Was zum Beispiel, wenn in Spanien die nächste Immobilienkrise ausbricht?

Semrau: Zunächst mal ist die Krise in Spanien gerade vorüber, und der Markt dort befindet sich an einem ziemlich günstigen Punkt zum Einstieg. Davon abgesehen ist das Gute an unserem Geschäft, dass es so breit gefächert und von vielen Faktoren abhängig ist. Eine Krise gibt es meist nur an einer Stelle, aber selten an mehreren gleichzeitig. Fallen beispielsweise die Käufer aus Skandinavien aus, weil es dort wirtschaftlich schlecht läuft, macht das möglicherweise eine erhöhte Nachfrage aus Großbritannien oder Osteuropa wett.

mm.de: Sind Sie mit ihren Plänen bereits an Investoren herangetreten? Wie ist die Reaktion?

Semrau: Wir sind noch nicht offiziell gestartet, wir wollen zunächst den Abschluss für das hervorragende Jahr 2017 erstellen, dann geht es los. . Ich bekomme allerdings viele Nachfragen von privaten Investoren, die gerne einsteigen würden. Wir werden uns jedoch zunächst auf institutionelle Investoren fokussieren.

mm.de: Weshalb?

Semrau: Institutionelle blicken professioneller auf die Dinge und werden nicht so schnell nervös, wenn mal etwas nicht läuft. In all den Jahren, die ich inzwischen im Geschäft bin, habe ich festgestellt, dass das große Vorteile hat. Selbstverständlich wird es unsere Aktie aber auch im Streubesitz für Kleinanleger geben.

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