Dienstag, 18. Juni 2019

Hoffen auf EZB-Geldschwemme Dax-Investoren pokern hoch - Risiko steigt

Reiten auf der Geldschwemme: Anleger erwarten, dass EZB-Chef Draghi am Donnerstag den Start von QE bekannt gibt und den Markt mit Geld flutet. Doch die Erwartungen an Draghi sind inzwischen so hoch, dass Enttäuschungen drohen
Hiroshi Watanabe/Getty Images
Reiten auf der Geldschwemme: Anleger erwarten, dass EZB-Chef Draghi am Donnerstag den Start von QE bekannt gibt und den Markt mit Geld flutet. Doch die Erwartungen an Draghi sind inzwischen so hoch, dass Enttäuschungen drohen

Der Dax erreicht täglich neue Rekordhochs. Anleger wetten darauf, dass die EZB den Markt mit Geld flutet. Die hohen Erwartungen an Mario Draghi könnten am Donnerstag enttäuscht werden.

Frankfurt am Main - Erinnern Sie sich noch? Es ist noch keine zwei Monate her, das erklomm der deutsche Aktienindex Dax Anfang Dezember 2014 die Marke von 10.087 Punkten und damit seinerzeit einen neuen Rekordstand. Zehn Tage später stand er 750 Punkte niedriger, bei 9330 Punkten.

Kurz darauf ein ähnliches Spiel: Der Index stieg bis Ende Dezember auf mehr als 9900 Punkte, um dann Anfang Januar wieder unter die 9500 Punkte zu rutschen.

Die Zahlen zeigen, wie groß die Nervosität an der Börse derzeit ist. Und wie flüchtig mitunter einmal erreichte Kurshochs. Inzwischen hat der Dax Börsen-Chart zeigen erneut Rekordniveaus erreicht - am Dienstag notierte er zeitweise bei 10.300 Punkten und hat in den vergangenen vier Handelstagen damit mehr als 5 Prozent zugelegt.

Doch das Risiko, dass es auch von diesem Niveau rasch wieder abwärts gehen kann, sollte nicht unterschätzt werden.

Der Grund: Der gegenwärtige Höhenflug hat ein gewaltiges Manko. Er beruht praktisch einzig und allein auf der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ein gigantisches Anleihekaufprogramm verkünden wird. Damit will die Zentralbank einerseits die drohende Deflation bekämpfen und andererseits der nach wie vor schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone auf die Beine helfen.

500, 550, 700 Milliarden Euro: Wer bietet mehr?

Sollte jedoch das, was EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag bekannt geben wird, auch nur in Nuancen von dem Abweichen, was der Markt erwartet, dann dürfte das der Börse augenblicklich einen Dämpfer versetzen.

Und die Erwartungen des Marktes sind hoch: 93 Prozent der Fachleute, die an einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg teilgenommen haben, erwarten, dass Draghi zum größten Schlag seiner bisherigen Amtszeit gegen Deflation und schwächelnde Konjunktur ausholen wird, und zwar mit eben jenem Anleihekaufprogramm, dem sogenannten Quantitative Easing (QE).

Über dessen Volumen wird bereits seit Wochen lebhaft spekuliert. Bislang kursierte eine Zahl von 500 Milliarden Euro, für die die EZB künftig Staatsanleihen auf die eigene Bilanz nehmen werde. Laut Bloomberg erwarten die Ökonomen inzwischen mit 550 Milliarden Euro sogar noch mehr. Dem "Handelsblatt" zufolge ist sogar eine Geldschwemme von bis zu 700 Milliarden Euro möglich, die noch dazu bereits in den kommenden 14 Tagen, also recht zügig starten könne, so das Blatt.

Aber gehen Draghis Pläne tatsächlich so weit? Und wird er sie am Donnerstag auch bereits in allen Details publik machen und erläutern? Wird die EZB überhaupt einen fixen Gesamtrahmen für ihre Wertpapierkäufe festlegen? Oder wird sich die Zentralbank vielleicht eher monatliche Maximalvolumina auferlegen, um flexibler zu bleiben?

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