Montag, 15. Juli 2019

Hoffen auf EZB-Geldschwemme Dax-Investoren pokern hoch - Risiko steigt

Reiten auf der Geldschwemme: Anleger erwarten, dass EZB-Chef Draghi am Donnerstag den Start von QE bekannt gibt und den Markt mit Geld flutet. Doch die Erwartungen an Draghi sind inzwischen so hoch, dass Enttäuschungen drohen
Hiroshi Watanabe/Getty Images
Reiten auf der Geldschwemme: Anleger erwarten, dass EZB-Chef Draghi am Donnerstag den Start von QE bekannt gibt und den Markt mit Geld flutet. Doch die Erwartungen an Draghi sind inzwischen so hoch, dass Enttäuschungen drohen

2. Teil: "Dem Dax droht ein Absturz"

Die Fragen lassen erahnen, wie groß der Spielraum sein kann zwischen den Erwartungen des Marktes und dem, was am Donnerstag in der EZB-Zentrale in Frankfurt tatsächlich passieren wird.

Experten leiten daraus ziemliches Risiko für die Finanzmärkte ab. Immerhin ist nicht nur der Dax in den vergangenen Tagen in Erwartung des Draghi-Plans gestiegen. Auch der Euro Börsen-Chart zeigen gab - zusätzlich beschleunigt durch den Ausstieg der Schweizer Nationalbank aus der Franken-Euro-Bindung - weiter nach. Er fiel zuletzt mit 1,1567 Dollar auf den tiefsten Stand seit elf Jahren

"Die Markterwartungen sind gewaltig", sagt etwa Attilio Bertini, Researchchef bei Credito Valtellinese in Sondrio, Italien, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es dürfe keine Enttäuschung geben, und der nächste Schritt der EZB müsse durchdringend und nachhaltig sein.

"Sollten die Notenbanker die extrem hohen Erwartungen der Märkte nicht erfüllen, droht dem Dax ein empfindlicher Absturz", meint zudem Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Kritik aus Deutschland

Das Problem: Die Investoren an den Finanzmärkten sind längst nicht die einzigen, denen es Draghi recht machen soll. Der EZB-Chef steht auch von anderer Seite unter Druck. In der deutschen Bundesbank etwa sowie in der hiesigen Politik werden seine Pläne mitunter kritisch gesehen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe grundlegende Bedenken gegen den Kauf von Staatsanleihen, heißt Zeitungsberichten zufolge in Bundesbankkreisen. Es gebe Zweifel hinsichtlich Notwendigkeit, Effektivität und Risiko eines solchen Anleihekaufprogramms.

EZB-Chef Draghi auf der anderen Seite ist offenbar kompromissbereit. Es werde "immer wahrscheinlicher", dass es Zugeständnisse gebe, meldet beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Und der SPIEGEL berichtet, eine Kaufbeschränkung auf nationale Schuldtitel solle verhindern, dass etwa Deutschland die Haftungsrisiken für andere Länder übernimmt.

EZB gibt sich kompromissbereit

Den Berichten zufolge denkt die EZB darüber nach, dass die nationalen Notenbanken jeweils nur die Staatsanleihen ihres eigenen Landes kaufen - also etwa die Bundesbank nur Bundesanleihen, die italienische Notenbank nur italienische Staatsanleihen. Verluste, die möglicherweise irgendwann aus den Käufen von Anleihen entstehen, sollen so nicht wie bislang üblich auf die Notenbanken aller Länder verteilt werden. Vielmehr solle jede Notenbank für die Risiken ihres Landes allein haften - zumindest für die Hälfte.

Das würde bedeuten, dass die Bundesbank und damit die deutschen Steuerzahler für den möglichen Ausfall italienischer oder französischer Staatsanleihen nicht oder nur teilweise haften müssten.

Solche Gedankenspiele werden vermutlich in Berlin gerne gehört. Am Finanzmarkt dagegen dürften sie auf weniger Zustimmung stoßen, weil dadurch die Wirksamkeit des QE eingeschränkt werden könnte. Und in der Praxis wirkt die Einbeziehung der nationalen Notenbanken wie ein Feigenblatt, um den Vorwurf der Vergemeinschaftung von Schulden zu entkräften: Geht ein Euro-Land tatsächlich pleite und müssen die Schulden abgeschrieben werden, haften letztendlich alle Euro-Staaten mit ihrem Anteil an der EZB-Bilanz.

So oder so werden sich am Donnerstag alle Spekulationen zunächst einmal in Luft auflösen. Denn dann ist D-Day, der Tag, an dem Draghi liefern muss.

Aber ganz gleich, was der EZB-Chef verkünden wird, für die Börse wird das Zittern auch danach weitergehen. Denn die nächsten Ereignisse, die die Märkte bewegen können, warten bereits. Zum Beispiel am kommenden Sonntag, wenn in Griechenland ein neues Parlament gewählt wird.

Mit Material von dpa-afx

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