Starautor Lewis Warum Hochfrequenzhandel auch für Privatanleger gefährlich ist

Michael Lewis hat mit seinem Buch "Flash Boys" über den Hochfrequenzhandel vehemente Diskussionen unter Investoren und Untersuchungen der US-Behörden ausgelöst. Fünf Fragen an den Mann, der das Phänomen aufdeckte - und eine überraschende Erkenntnis für Privatanleger.
Von Arne Gottschalck
Börse in Angst: Hochfrequenzhandel als "quantitatives Investieren auf Testosteron" - machtvolle Computer können jederzeit Kursrutsche auslösen

Börse in Angst: Hochfrequenzhandel als "quantitatives Investieren auf Testosteron" - machtvolle Computer können jederzeit Kursrutsche auslösen

Foto: AP

Hochgeschwindigkeitshandel (HFT) ist nichts anderes als quantitatives Investieren auf Testosteron - die Händler nutzen hochgerüstete Computer, um kleinste Bewertungsunterschiede der Börsen auszunutzen und durch ultraschnelle Transaktionen zu Geld zu machen. Dabei zählt der Bruchteil eines Cent. Denn werden die Transaktionen oft genug ausgeführt, ist das ein Milliardenspiel. Ein Milliardenspiel, bei dem herkömmliche Investoren das Nachsehen haben. Michael Lewis hat ein Buch darüber geschrieben, das weltweit Aufsehen erregte. Die englische Seite "This is money"  hat ihm Fragen dazu gestellt - und dem Autor eine überraschende Erkenntnis entlockt.

Lesen Sie hier die von manager magazin online überarbeitete und gekürzte Version auf Deutsch.

Frage: Naiv gefragt - warum ist HFT eigentlich so schlimm?

Lewis: Nun, wenn Sie einkalkulieren, wie viel es Sie kostet, ist das trivial. Es ist auch trivial für die großen Geldverwalter. Aber es summiert sich zu Summen, die nicht mehr trivial sind. Es ist wie eine lästige Steuer, die völlig unnötig ist und symptomatisch für ein größeres Problem in der Finanzkultur. Und HFT versucht sich als Mittelsmann dazwischenzuschieben, auch wenn sie nicht dahin gehören. Mit anderen Worten - das Geld, dass Sie dadurch tatsächlich verlieren, sollte Sie etwas stören, aber nicht viel. Das wahre Problem ist das System, das errichtet wurde, um den Hochfrequenzhändlern eine Heimstätte zu bieten - es ist komplizierter als es sein muss und es ist weniger stabil, und deswegen gibt es so etwas wie "flash crashs", blitzartige Kursabstürze scheinbar ohne Ursache.

mm: Werden die Untersuchungen der Behörden irgendwohin führen?

Frage: Ja. Ich denke die Frage ist, wer zuerst wohin gelangt. Es gibt drei getrennte Untersuchungen, von denen ich weiß. Das ist die des US-Justizministeriums, dann eine des FBI und eine der New Yorker Staatsanwaltschaft - und alle haben Untersuchungen angekündigt mit unterschiedlichen Blickwinkeln. (…) Allerdings gebe ich zu, dass ich manchmal nur raten kann. Ich hatte ein paar kurze Gespräche mit den Menschen, die die Untersuchungen durchführen. Aber was genau sie machen, weiß ich wirklich nicht. Aber wenn ich raten sollte, würde ich denken, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft ein paar schlechte Schauspieler identifiziert und dem nachgeht. Und ich glaube, dass sie ein paar Skalps erbeuten wird.

Frage: Aber löst das das Problem mit dem HFT?

Lewis: Nein. Die Gefahr ist die, dass die Menschen denken, ach, es waren ja nur ein paar Gauner, dass das System wieder repariert ist. Das ist das ewige Problem mit dieser Art Lynchparties. Dabei ist das Problem systemisch. Das Problem sind die Anreize im System. Das muss sich ändern - und es kann sich tatsächlich ändern mit den Skalps, wenn dann die Systemänderungen erfolgen. Ich sage da einige spektakuläre Anhörungen im US-Senat voraus. Ich weiß, dass es eine Reihe sehr einflussreicher Senatoren gibt, die sehr interessiert an dieser Angelegenheit sind und inzwischen sehr gut informiert sind.

Frage: Wie kann sich der Ottonomalanleger dagegen schützen?

Lewis: Sie sind praktisch hilflos. Es sei denn, sie sind extrem aktiv. Das kann dann klappen, wenn sie eine absurde Menge ihrer Zeit investieren und zum Beispiel fragen, wie welche Aktie geordert wird. Sie fragen also ihren Broker bei der Abgabe der Order: "Ich will wissen, wo das hingeht."

mm: Kann man dennoch privat anlegen? Sie selbst schreiben, Sie investieren in Exchange Traded Funds (ETF).

Lewis: Ja. Ich denke, es ist ein Hütchenspiel zu versuchen, individuelle Aktien auszuwählen. Ich finde, dass ich meine Zeit besser anders zubringe. Allerdings gibt es eine Ausnahme, weil wir in finanziell volatilen Zeiten leben. Wenn Sie so wollen, haben wir unser Haus auf Sand gebaut und es wird wieder Zuckungen im Finanzsystem geben. Warren Buffett hat diese unglaubliche Fähigkeit, fantastisch rücksichtslose Deals mit Menschen in unruhigen Zeiten zu schließen. Deswegen habe ich Teile meines Geldes in Berkshire Hathaway, die Anlagegesellschaft von Buffett, gesteckt. Ich betrachte es als Absicherung. Wenn alles schlecht läuft, habe ich den bösesten Burschen am Start, um für mein Kapital zu verhandeln.

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