Poker um Hella beendet Autozulieferer Faurecia übernimmt Lichtspezialisten Hella

Der deutsche Autozulieferer Hella wird für bis zu 6,8 Milliarden Euro nach Frankreich verkauft. Die Eigentümerfamilie Hueck hat dem Zulieferer Faurecia den Zuschlag gegeben. Dieser bietet den übrigen Aktionären 60 Euro pro Aktie sowie eine Dividende.
Hella: Der Scheinwerferspezialist wird von Faurecia übernommen

Hella: Der Scheinwerferspezialist wird von Faurecia übernommen

Foto: David Inderlied / dpa

Der Scheinwerfer-Spezialist Hella wird an den französischen Konzern Faurecia verkauft. Die Mitglieder der verzweigten Gründerfamilie Hueck/Röpke gaben am Samstag dem Autozulieferer aus Nanterre für vier Milliarden Euro den Zuschlag für ihr Paket von 60 Prozent der Hella-Aktien. Die übrigen Aktionäre bekommen ein Übernahmeangebot über 60 Euro je Aktie. Dazu kommt - noch vor dem Verkauf - eine Dividende in Höhe von 96 Cent. Insgesamt wird das Familienunternehmen mit 6,8 Milliarden Euro bewertet.

Faurecia erklärte, man wolle mit der Übernahme von Hella "die Nummer 7 unter den globalen Automobilzulieferern mit einem hochmodernen Technologieportfolio schaffen, das alle Megatrends der Branche abdeckt". Zuletzt hatten Insidern zufolge auch die Autozulieferer Plastic Omnium aus Frankreich und Mahle aus Stuttgart um Hella gebuhlt. Die Übernahmeangebote der Wettbewerber sollen in einer ähnlichen Größenordnung von 60 Euro je Aktie gelegen haben.

Die Mitglieder der Familienstämme Hueck und Röpke hatten ihre Beteiligung im Frühjahr zum Verkauf gestellt und die Investmentbank Rothschild beauftragt, einen Käufer zu finden. manager magazin hatte im April exklusiv von den Verkaufsplänen berichtet . Dabei läuft der Poolvertrag, in dem sie ihre Aktien nach dem Börsengang von Hella 2014 gebündelt hatten, noch drei Jahre. Der Vertreter der Familie im Gesellschafterausschuss, Jürgen Behrend, ist 72 Jahre alt. Die Konzernführung hatte er bereits 2017 abgegeben. Ein Nachfolger, der die Interessen der Familie künftig bündeln könnte, war nicht in Sicht.

Familie Hueck bekommt 3,4 Milliarden Euro in bar

Hella bestätigte die Verkaufspläne erst am Donnerstag, nachdem die verbindlichen Gebote eingegangen waren. In einer Vereinbarung mit Faurecia hat sich das Unternehmen nach eigenen Angaben weitreichende, langfristige Zusicherungen geben lassen. Dabei geht es nach Hella-Angaben unter anderem um "die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie den Fortbestand des Standorts Lippstadt als wesentliches Zentrum mit operativen Führungen, bestimmten Zentralfunktionen und Forschungs- und Entwicklungseinheiten".

Die Familie bekommt 3,4 Milliarden Euro in bar und weitere knapp 600 Millionen Euro in Form von Faurecia-Aktien, die dabei mit dem Dreimonats-Durchschnittskurs von 42,06 Euro bewertet werden. Am Freitag schlossen die Papiere in Paris mit 38,43 Euro. Die Finanzierung der Übernahme sei gesichert, hieß es in der Mitteilung. Die Hella-Offerte liegt 33 Prozent über dem Kurs von Ende April, als manager magazin über die Verkaufspläne zuerst berichtet hatte. Am Freitag lagen Hella-Aktien im Nebenwerteindex MDax mit 63,18 Euro aber deutlich über dem Übernahmeangebot.

Anleger hatten höheres Angebot erwartet

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuletzt berichtet, der Scheinwerfer-Spezialist aus dem nordrhein-westfälischen Lippstadt könnte mit bis zu acht Milliarden Euro bewertet werden. Daraufhin war die Aktie bis auf ein Rekordhoch von 68,72 Euro gestiegen. Da der tatsächliche von Faurecia gebotene Kaufpreis aber mit 60 Euro je Aktie deutlich darunter liegt, dürfte die Aktie von Hella zunächst unter Druck geraten.

Hella beschäftigt rund 39.000 Mitarbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende Mai) hatte das Unternehmen den Umsatz um 13 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert und zählt damit zu den zehn größten deutschen Autozulieferern. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) erholte sich auf 510 (2019/20: 227) Millionen Euro.

la / Reuters