Hedgefonds Renaissance stockt bei Tesla auf Ist dieser Mann Elon Musks neuer Lieblings-Investor?

Großaktionär von Tesla: Hedgefonds-Milliardär James Simons, Gründer von Renaissance Technologies.

Großaktionär von Tesla: Hedgefonds-Milliardär James Simons, Gründer von Renaissance Technologies.

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Hedgefonds-Gurus machen Kasse: Diese Investoren verdienten 2019 mehr als eine Milliarde Dollar

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Die Verantwortlichen bei Renaissance Technologies in New York dürften einmal mehr sehr zufrieden sein mit den Algorithmen, die die Investments des Unternehmens steuern: Die Hedgefonds-Firma erwarb laut "Financial Times " Ende vergangenen Jahres 3,3 Millionen Aktien des Elektroautobauers Tesla  - unmittelbar bevor der Kurs der Papiere einen enormen Schub bekam.

Laut "FT" geht der Aktienkauf aus Papieren hervor, die Renaissance regelmäßig bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen muss. Demnach habe Renaissance seinen Anteil an Tesla im letzten Quartal 2019 auf mehr als 2 Prozent erhöht. Ende des Jahres habe der Hedgefonds, dessen Gesamtvolumen auf 60 bis 70 Milliarden Dollar geschätzt wird, über beinahe vier Millionen Tesla-Aktien verfügt, womit er sich unter den größten Anteilseignern des Autoherstellers befinde. Umgekehrt stellt Tesla laut "FT" die zweitgrößte Beteiligung von Renaissance nach dem US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb dar.

Das Timing des Tesla-Investments von Renaissance Technologies hätte aus heutiger Sicht besser kaum sein können. Schon im Sommer durchschritt der Tesla-Aktienkurs ein Tief und setzte zu einem Anstieg an. Ab Dezember 2019 ging es mit dem Kurs dann steil aufwärts. Hatte die Aktie zu Beginn dieses Jahres noch bei 430 Dollar notiert, so erreichte sie Anfang Februar vorübergehend ein Rekordhoch bei mehr als 900 Dollar.

Gegenwärtig kostet eine Tesla-Aktie rund 850 Dollar - auch am Dienstag legte die Tesla-Aktie kräftig zu. Das Unternehmen wird damit an der Börse mit rund 145 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro) bewertet, was angesichts nach wie vor ausbleibender Jahresgewinne manchem Beobachter recht ambitioniert erscheint. Zum Vergleich: Volkswagen  und BMW , die beide Jahr für Jahr Milliardengewinne erzielen, haben zurzeit einen Marktwert von zusammen rund 127 Milliarden Euro.

Für die Investmentfirma Renaissance Technologies spielen Überlegungen rund um die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens oder dessen Aussichten allerdings soweit bekannt keine Rolle. Die Anfang der 1980er Jahre gegründete Hedgefonds-Firma gehört zu den Vorreitern der sogenannten Quant-Investments. Das heißt, Renaissance investiert ausschließlich gemäß Entscheidungen, die Computer aufgrund komplexer Algorithmen ausgespuckt haben, und zwar soweit bekannt, ohne die Geschäftsmodelle der Aktiengesellschaften oder deren Ergebnisse überhaupt zu kennen.

Was und wie genau dabei gerechnet wird, weiß außerhalb des Hauses niemand. Renaissance hütet dieses Wissen streng als Betriebsgeheimnis. Ein Ansatz, den das von dem Mathematiker und heutigen Multimilliardär James Simons gegründete Investmenthaus verfolgt, ist einem Bericht von Bloomberg  zufolge jedoch die sogenannte "statistical arbitrage". Dieser Anlagestrategie liege die Annahme zugrunde, dass die Kurse bestimmter Aktien (beispielsweise einer Branche) auf lange Sicht stark miteinander korrelieren und daher nach zwischenzeitlichen Ausreißern immer wieder in einen Gleichschritt zurückkehren werden. In einem Portfolio, das insgesamt gut abgesichert ist, und bei großen Anlagesummen lassen sich mit dieser Investmentidee nennenswerte, vergleichsweise risikofreie Erträge erzielen, so Bloomberg.

Renaissance: Ein Geldgeber, der keine lästigen Fragen stellt

Das gelingt Renaissance offenbar besser als den meisten Wettbewerbern. Unternehmensgründer Simons, der auch im vergangenen Jahr wieder zu den Großverdienern an der Wall Street gehörte, umweht in Finanzkreisen bereits ein legendärer Ruf. Der Autor eines neuen Buches über Simons bezeichnet ihn als den "Mann, der die Märkte geknackt hat". Den Grund rechnet Bloomberg vor: Renaissance habe vor Abzug von Gebühren seit 1988 jährliche Renditen von beinahe 70 Prozent erzielt, ohne auch nur ein einziges Jahr im Minus zu landen. Selbst nach Abzug der großzügigen Kosten von jährlich 5 Prozent plus einer Erfolgsgebühr von bis zu 44 Prozent gab es nur ein einziges Jahr mit roten Zahlen, so Bloomberg.

Gerade für Tesla-Chef Elon Musk ist Renaissance also wohl so etwas wie der ideale Investor: Ein Geldgeber, der keine Fragen nach Autoverkäufen, Schuldenbergen oder ausbleibenden Gewinnen stellt. Musk hatte sich in der Vergangenheit häufig mit seinen Kritikern am Finanzmerkt herumgeschlagen, von denen es zahlreiche gibt. Seit Langem schon gehört Tesla zu den am stärksten geshorteten Aktien an der US-Börse. Dabei wetten Spekulanten auf einen Rückgang des Aktienkurses. Im Falle Teslas hat das die Kritiker, die mit ihren Wetten falsch lagen, zuletzt allerdings einiges an Geld gekostet.

So kann Musk seinen Triumph gegenüber den Shortsellern feiern und sich anderen Themen zuwenden. Zum Beispiel dem Streit um Baumrodungen auf dem Gelände der geplanten neuen Tesla-Fabrik in Brandenburg. Oder - für Musk vielleicht noch wichtiger - Äußerungen von Microsoft-Gründer Bill Gates. Der sagte bei einem Youtube-Auftritt laut Bloomberg  zuletzt zwar, Tesla sei eine wichtige Firma für den Kampf gegen den Klimawandel. Zugleich ließ Gates aber wissen, dass er sich persönlich anstelle eines Fahrzeugs aus kalifornischer Herstellung lieber einen Porsche Taycan, das neue Elektromodell aus Zuffenhausen also, gekauft habe.

Das konnte Musk offenbar nicht unkommentiert lassen. Per Twitter tat der Tesla-Chef umgehend kund, dass seine Unterhaltungen mit Gates "nicht sehr beeindruckend" gewesen seien.