Sonntag, 8. Dezember 2019

Aktien wohl zu 23 Euro je Stück Hapag Lloyd muss sich beim Börsengang bescheiden

Große Schiffe - "kleiner" Börsengang: Der Container-Riese Hapag-Lloyd will den geplanten Börsengang durchziehen, auch wenn die Reederei wohl unter dem Strich nur etwa halb so viel einspielen wird wie ursprünglich erhofft. "Das ist für alle eine Enttäuschung", sagt ein Banker.

Die weltweit viertgrößte Container-Reederei Hapag-Lloyd muss sich bei ihrem Börsengang Finanzkreisen zufolge mit dem Mindestpreis für ihre Aktien begnügen. Das Hamburger Unternehmen habe den Investoren am Montag mitgeteilt, dass die Aktien aller Voraussicht nach zu je 23 Euro zugeteilt würden, sagten zwei mit dem Börsengang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Papiere können noch bis Dienstag gezeichnet werden. Am unteren Ende der bis 29 Euro reichenden Spanne wäre Hapag-Lloyd an der Börse knapp 2,7 Milliarden Euro wert - vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen noch auf eine Bewertung von fünf Milliarden Euro gehofft. "Das ist für alle eine Enttäuschung", sagte ein Banker.

Hapag-Lloyd will den Börsengang dennoch durchziehen, ehe die Frachtraten angesichts der wachsenden Überkapazitäten weiter sinken. Das Unternehmen sieht die Börsennotiz an sich als großen Wert. Denn sie würde den Alteigentümern den späteren Ausstieg erleichtern. Schifffahrts-Experten erwarten schon in diesem Jahr eine Zunahme der Kapazität um 8,2 Prozent und im nächsten Jahr um weitere 5 Prozent. Das drückt auf die Preise.

Reederei will vom Erlös Schiffe kaufen

Auch die Hamburger Reederei will mit dem Emissionserlös auf das Karussell aufspringen und sechs neue Containerschiffe kaufen. Der Erlös für das Unternehmen selbst - 265 Millionen Euro - ist unabhängig vom Ausgabepreis: Je niedriger der Preis, desto mehr Papiere werden ausgegeben.

Aktien für jeweils 52 Millionen Euro nehmen allein Großaktionär Klaus-Michael Kühne und die chilenische CSAV ab. Der Reisekonzern Tui, der als einziger der Großaktionäre beim Börsengang verkauft, bietet Hapag-Lloyd-Aktien im Wert von knapp 100 Millionen Euro an, so dass das Emissionsvolumen bei 360 Millionen Euro liegt.

Tui drohen nun Abschreibungen von gut 150 Millionen Euro: Das Paket von 13,9 Prozent steht bisher mit gut 33 Euro je Aktie in den Büchern.

Tui drohen Abschreibungen von bis zu 150 Millionen Euro

Mitten in die Zeichnungsfrist war am Freitag die Nachricht von einer Gewinnwarnung der weltgrößten Reederei A.P. Moeller-Maersk geplatzt. Die Dänen erwarten für 2015 nur noch 3,4 Milliarden Dollar Gewinn, 600 Millionen weniger als bisher geplant. Das ließ die Maersk-Aktie um 7 Prozent abstürzen.

Die Frachtschifffahrt leidet unter den eingetrübten Konjunkturaussichten in China und den wachsenden Überkapazitäten in der Branche. Die Frachtraten von Asien nach Europa fallen seit Wochen kontinuierlich. Vergangene Woche erreichten sie mit 231 Dollar je 20-Fuß-Container den tiefsten Stand seit Mitte Juni - ein Niveau, bei dem die meisten Reedereien Verluste schreiben.

"Das war nicht hilfreich", räumte ein Investmentbanker am Montag ein, der die Emission mit organisiert. Hapag-Lloyd versuchte die potenziellen Anleger zu beruhigen. Die operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) werde in diesem Jahr wie geplant "im hohen einstelligen Bereich" liegen. Hapag-Lloyd profitiert dabei allerdings noch vom ersten Halbjahr, in dem die Marge bei 10,6 Prozent gelegen hatte. Im Juli und August waren es aber nur noch 8,5 Prozent, im September sei es ähnlich weitergegangen, erklärte Hapag-Lloyd. Noch baut das Unternehmen auch auf die Synergien aus der Integration der chilenischen CSAV, dank derer man sich von der Konkurrenz abheben kann.

Organisiert wird der Börsengang federführend von Goldman Sachs, Berenberg und der Deutschen Bank. Hapag-Lloyd-Aktien sollen am Freitag erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden.

rei/reuters

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