Daniel Pfändler

Drohender Handelskrieg Handelsstreit lähmt die Börse - beendet Trump den Bullenmarkt?

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Von Daniel Pfändler
Trump droht mit Strafzöllen: Der US-Präsident sollte nicht vergessen, dass China und Japan die größten Gläubiger der hoch verschuldeten Vereinigten Staaten sind

Trump droht mit Strafzöllen: Der US-Präsident sollte nicht vergessen, dass China und Japan die größten Gläubiger der hoch verschuldeten Vereinigten Staaten sind

Foto: Andy Wong/ AP

Mit den Ankündigungen von Präsident Trump, dass er Zölle auf Importe von Aluminium und Stahl erheben wird, ist das Risiko eines Handelskrieges deutlich angestiegen. Es ist derzeit nicht abschätzbar, ob und wie weit sich eine Welle des Protektionismus aufschaukeln wird, bevor die Akteure zu einem von Vernunft geleiteten kooperativen Verhalten zurückkehren.

Daniel Pfändler

Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makro-ökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead.

Ein Handelskrieg würde zu tieferem realem Wachstum, einer höheren Inflationsrate und markant niedrigeren Unternehmensgewinnen führen. Damit würde sich das wichtigste Argument der Aktienbullen - deutlich steigende Unternehmensgewinne auf Grund einer dynamischen globalen Konjunktur - ins Gegenteil verkehren.

Wegen dieser gravierenden Konsequenzen sollte das Risiko nicht vernachlässigt werden. Dies bedeutet in der Tendenz ein geringeres Aktienengagement sowie eine Bevorzugung von kleinen, auf heimische Märkte fokussierte Unternehmen.

Die US Volkswirtschaft importiert mehr Güter und Dienstleistungen als sie exportiert. Präsident Trump betrachtet dieses Leistungsbilanzdefizit in Höhe von zuletzt 450 Milliarden Dollar als einen Export von Arbeitsplätzen zu Gunsten von Ländern wie Deutschland oder China.

Eine Verringerung der Importe in die USA sollen gemäß der Vorstellung von Trump zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen zurück in die USA führen. Jüngst hat der US-Präsident daher angekündigt, dass er Importzölle auf Aluminium und Stahl erheben wird. Auch wird berichtet, dass die Regierung über ein ganzes Paket an Zöllen für chinesische Produkte nachdenkt.

Wie weit die USA bereit zu protektionistischen Maßnahmen sind, ist gegenwärtig nicht wirklich abschätzbar. So hat Trump in der Vergangenheit mehrmals die Strategie angewandt, offensichtlich irrationale Dinge anzukündigen, nur um sich bzw. die USA in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen. Diese Vorgehensweise funktioniert, weil man ihm abnimmt, dass er unvernünftige Schritte, die auch den USA selbst schaden würden, umsetzen würde.

Trumps Drohungen stärken seine Verhandlungsposition

Auch jetzt könnte es wieder in ähnlichen Bahnen ablaufen. So hat Trump bereits angekündigt, dass z.B. Kanada und Mexiko die angekündigten Zölle abwenden können, wenn sie im Rahmen der Neuverhandlung der NAFTA-Verträge auf Positionen der USA eingehen.

Trotzdem ist der Schwenk der US-Politik weg von einem kooperativen Verhalten in internationalen Handelsfragen unübersehbar. Hinzu kommt, dass die Handelspartner auf protektionistische Schritte der USA mit Gegenmaßnahmen reagieren werden. Damit ist das Risiko eines Handelskrieges, der sich langsam zuspitzt, angestiegen.

Auf Grund seiner gravierender Konsequenzen sollte ein solches Szenario nicht vernachlässigt werden. So hatte die zunehmende Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte den Effekt, dass einerseits das Wachstum der globalen Wirtschaft unterstützt und andererseits die Inflation gedrückt wurde.

Handelskrieg: Weniger Angebot, höhere Inflation

Ein Handelskrieg hätte genau die gegenteiligen Effekte. Er stellt einen negativen Angebotsschock dar und reduziert das reale Wachstum aber führt zu höherer Inflation. Darüber hinaus bedeutet es einen massiven Eingriff in die globalen Lieferketten der Unternehmen, die neu organisiert werden müssten. Selbst für den Nettoimporteuer USA würden die negativen Konsequenzen deutlich überwiegen. Während z.B. die amerikanischen Stahl- und Aluminiumproduzenten ihre Produktion ausweiten dürften, würde die erheblich bedeutendere Stahl- und Aluminium verarbeitende Industrie durch höhere Preise belastet. Dazu kommen Vergeltungsmaßnahmen der betroffenen Exportländer, die ebenfalls der Wirtschaft schaden würden.

Für die Aktienmärkte würde dies ein äußerst schwieriges Umfeld darstellen. So führt das niedrigere Wachstum zu tieferen Umsatzerlösen. Gleichzeitig dürften die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck geraten. So würden die Kosten für die Vorgüter ansteigen und die Lieferketten wären weniger effizient. Damit sollten die Unternehmensgewinne spürbar sinken.

Gewinne der Unternehmen würden sinken - Anleger sollten vorsichtig sein

Hinzu kommt, dass höhere Zinsen und die generell ausgeprägtere Unsicherheit über die zukünftigen politischen wie wirtschaftlichen Entwicklungen auf die Aktienmarktbewertungen drücken dürften. Niedrigere Gewinne kombiniert mit einer tieferen Bewertung bedeuten erheblich tiefere Aktienpreise.

Auf Grund der ohnehin zunehmenden Volatilität bietet es sich aktuell an, das Aktienexposure etwas zu reduzieren. Auf regionaler Basis erscheinen China und die von der chinesischen Wirtschaft stark abhängigen asiatischen Exportländer am meisten gefährdet.

Blick auf kleinere Unternehmen mit Fokus auf heimische Wirtschaft

Weil in Europa und den USA das fundamentale Umfeld für die heimischen Wirtschaften gegenwärtig günstig ist und im Durchschnitt kleinere Unternehmen weniger exportorientiert sind und stärker an der heimischen Wirtschaft hängen als große Unternehmen, bietet es sich hier an, den Fokus vermehrt auf Small & Mid Caps zu legen. Außerdem dürften Unternehmen, die im Dienstleistungsbereich tätig sind, weniger von einem Handelskrieg gefährdet sein als Güter produzierende Unternehmen.

Für die USA besteht ein weiteres Problem darin, dass sie neben ihrem hohen Leistungsbilanzdefizit auch ein hohes Budgetdefizit aufweisen. Trotz des jahrelangen Aufschwungs betrug das Budgetdefizit im letzten Jahr 3,4 Prozent vom BIP. Durch die beschlossenen Steuersenkungen und Mehrausgaben dürfte dies nochmals deutlich zunehmen.

USA sind auf Kapitalimporte angewiesen - zum Beispiel aus China und Japan

Gleichzeitig weisen die US Haushalte eine niedrige Sparquote auf. Die USA sind daher auf Kapitalimporte angewiesen, die die Gegenposition zum Leistungsbilanzdefizit darstellen. Diese Kapitalimporte haben auch ihren Weg zur Finanzierung der Staatsschulden gefunden.

So hat zum Beispiel China per Ende Dezember 2017 1185 Milliarden Dollar in Form von amerikanischen Staatsanleihen gehalten. Japan ist mit mehr als 1000 Milliarden Dollar der zweitgrößte ausländische Gläubiger.

Ein Handelskrieg, der die ausländischen Exporteure trifft, gefährdet damit nicht nur das ausländische und amerikanische Wachstum, sondern insbesondere auch den US-Dollar und die Finanzierung des US Budgetdefizites.

Im Falle eines Handelskrieges dürften daher der US-Dollar nachgeben und die US Treasury Renditen noch deutlicher ansteigen. Weil der Ausblick für die US Anleihemärkte wegen der Leitzinserhöhungen durch die Fed ohnehin bearish ist, sollte hier das Exposure möglichst gering gehalten werden. Europäische Anleihen dürften spürbar besser abschneiden.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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