Montag, 21. Oktober 2019

Liu He und Robert Lighthizer ringen um Handelsdeal Durchbruch im Zollstreit? Was von den Handelsgesprächen zu erwarten ist 

Zu einer Vereinbarung bereit: Chinas Vize-Premier Liu He, der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin (rechts) zu Beginn ihrer zweitägigen Gespräche in Washington

Die USA und China haben in ihrem Bemühen um ein umfassendes Handelsabkommen neue Gespräche begonnen. Die chinesische Delegation wurde bei den Verhandlungen am Donnerstag in Washington von Vizepremier Liu He angeführt, die US-Seite vom Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin.

Beide Seiten unterstrichen den Willen zu einer Einigung: China sei daran interessiert, mit den USA zu kooperieren und eine Einigung zu erzielen, ließ sich Liu He zu Beginn des Treffens von der Nachrichtenagentur Xinhua zitieren. Außerdem will sich US-Präsident Donald Trump am Freitag mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten Liu He im Weißen Haus treffen. Anleger werten dies als Hinweis darauf, dass Trump die Große Bühne am Freitag nutzen will, um gemeinsam mit Liu He Fortschritte in den Handelsgesprächen zu verkünden. An den Börsen reagierten die wichtigsten Indizes dann auch mit deutlichen Kursgewinnen auf den zur Schau getragenen Optimismus der Verhandler.

Der von Trump vor mehr als einem Jahr angezettelte Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften war zuletzt eskaliert und lastet auf der globalen Konjunktur. Wenige Tage vor dem Treffen hatte Trump sich vorsichtig optimistisch gezeigt, sagte am Mittwoch aber erneut, China habe mehr Interesse an einem Abkommen als die USA. Zuletzt hatte es verstärkt Spekulationen gegeben, wonach sich die beiden Länder als Übergangsschritt auf einen partiellen Deal verständigen könnten.

Kurz vor den neuen Gesprächen hatte die US-Regierung unter anderem Visa-Restriktionen gegen Vertreter der chinesischen Regierung und der Kommunistischen Partei verhängt, was Verärgerung in Peking auslöste. Begründet worden waren diese Maßnahmen damit, dass China die muslimische Minderheit der Uiguren unterdrücke.

Bei Scheitern drohen Strafzölle auf praktisch alle chinesischen Importe

Sollte in den Gesprächen nun kein Durchbruch erzielt werden, sollen schon am Dienstag bestehende Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von rund 250 Milliarden US-Dollar von 25 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden. Weitere Strafzölle sollen im Dezember dazukommen. Die US-Regierung wird damit Strafzölle auf fast alle Importe aus China - Waren im Wert von rund 500 Milliarden US-Dollar - verhängt haben.

Auslöser für den Handelskonflikt war die Verärgerung Trumps darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Angesichts der weitreichenden US-Forderungen nach einer Beseitigung von Marktschranken bis hin zu strukturellen Veränderungen in China rechnen Experten nicht mit einer raschen Einigung. Doch zumindest eine Annäherung wird bei den zweitätigen Verhandlungen, die bis Freitag angesetzt sind, erwartet.

Trump braucht Erfolge - was Börsianer von den Verhandlungen erwarten

So sind die meisten Investoren verhalten optimistisch - zumal auch US-Präsident Donald Trump mitten im Wahlkampf keine Eskalation im Zollstreit gebrauchen kann. Trump hat ein hohes Interesse daran, zumindest mit einer partiellen Einigung seine Fähigkeit als "Dealmaker" herauszustellen.

Er rechne bei den hochrangigen Verhandlungen zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften mit einer Teil-Einigung oder einem Waffenstillstand, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Schließlich wolle die Regierung in Peking die geplante Verschärfung der US-Strafzölle auf chinesische Waren vermeiden. Denkbar seien daher Zugeständnisse, die bei früheren Gesprächen schon einmal verhandelt worden seien.

Auch ein Währungspakt ist möglich

Investoren setzten ihre Hoffnungen vor allem auf einen Medienbericht, dem zufolge die USA und China einen Währungspakt zur Verhinderung von Währungsmanipulationen schließen könnten. Denkbar sei eine Vereinbarung, wie sie im Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko festgelegt sei, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Es bleibt aber abzuwarten, ob ein partieller Deal für US-Präsident Donald Trump akzeptabel wäre", schrieben die Analysten der Bank Mitsubishi UFJ. Schließlich strebe dieser ein umfassendes Abkommen an.

Am Devisenmarkt setzten Anleger mehrheitlich auf eine Entschärfung des Zollstreits. Dies schickte den Dollar auf Talfahrt, da die Weltleitwährung vor allem in Krisenzeiten gefragt ist. Außerdem setze dem "Greenback" die Erwartung weiterer Zinssenkungen zu, sagten Börsianer. Der Euro stieg daraufhin um 0,6 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,1034 Dollar.

la/dpa/reuters

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