Chartexperte Carsten Mumm analysiert Zinsen rauf, Gold runter - wohin führt der Trump-Effekt?

Von Carsten Mumm

Staatsanleihen - Inflationserwartung lässt Zinsen steigen

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Carsten Mumm
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Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die deutsche Wirtschaft lagen im Dezember überraschend bei unveränderten 13,8 Punkten. Damit haben sich die Aussichten für das BIP-Wachstum auf hohem Niveau stabilisiert. Zahlreiche Analysten hatten im Vorfeld allerdings mit einem Zuwachs auf 14,0 Zähler gerechnet.

Der Indikator für die aktuelle Lage stieg um 4,7 Punkte auf 63,5 Zähler. Der Wert der Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone erhöhte sich überraschend deutlich um 2,3 Punkte auf 18,1 Zähler. Daraus könnte in den kommenden Monaten sogar eine Diskussion über eine Anhebung der EZB-Leitzinsen resultieren.

Der Euro Bund-Future, der die Kursentwicklung lang laufender Bundesanleihen widerspiegelt, bleibt seinem September-Abwärtsmodus derweil treu. Ein Bruch der 160 Punktemarke konnte zwar abgewehrt werden, aber die übergeordnete Dynamik ist mehr denn je passé. Am langen Ende steigen die Zinsen also schon - vor allem wegen der Erwartung anziehender Inflationsraten.

Gold und Co. - Edelmetalle in der Zinsfalle

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Die US-Notenbank Federal Reserve hat angedeutet, dass auch 2017 weitere Zinserhöhungen möglich sind. Der Goldpreis reagiert schon seit Längerem auf die US-amerikanischen und europäischen Zinsphantasien. Vor allem das avisierte Konjunkturförderprogramm des designierten US-Präsidenten Donald Trump ließ das wichtigste Edelmetall auf das Niveau aus dem Februar dieses Jahres absacken.

Während Industriemetalle seit dem 9. September 2016 haussieren, verabschieden sich immer mehr Anleger von Gold und Silber. Aufgrund der unkalkulierbaren Geldpolitik der globalen Notenbanken ist aber eine Gegenbewegung des Goldpreises nach oben durchaus jederzeit wieder möglich. Zudem steigen die Inflationserwartungen sowohl in Europa als auch in Übersee.

Charttechnisch gilt der primäre Fokus beim Gold nach oben der 200-Tage-Durchschnittslinie. Diese verläuft aktuell bei 1276 US-Dollar. Nach unten liefert die Marke um 1130 US-Dollar eine Unterstützung.

Französische Aktien - Aufbruchsstimmung vor Präsidentenwahl

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François Fillon könnte 2017 neuer französischer Präsident werden. Er will nach eigenen Aussagen die "Autorität des Staates" wiederherstellen. Die Distanz zum noch amtierenden Staatsoberhaupt François Hollande ist dabei spürbar.

Arbeitsmarkreformen, Steuersenkungen für Unternehmen sowie die Anhebung des Rentenalters sind nur einige Eckpunkte seines konservativen Wahlprogramms. Im Vorfeld hatte niemand mit François Fillon gerechnet. Die nächste Überraschung nach "Brexit", Trump und "Referenzi"?

Aus technischer Sicht befindet sich der französische Leitindex CAC 40 in einer offensichtlichen Aufbruchsstimmung. Nach einem elfeinhalb- monatigen Seitwärtsmarkt konnten im Dezember bereits mehrere Jahreshochs erklommen werden. Die Trendfolger signalisieren eine Nachhaltigkeit des nun seit 9. November 2016 etablierten Aufwärtsmodus. Wichtige Widerstände liegen bei 4985 Punkten. Eine Unterstützung bietet die 200-Tage-Linie bei rund 4430 Punkten.

Erdgas - US-Lagerbestände sinken

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US-Erdgas der Sorte Henry Hub notiert zum Wochenschluss weiterhin in der Nähe seines Anfang Dezember erreichten Zweijahreshochs. Jüngst war publiziert worden, dass die US-Erdgaslagerbestände in der Woche bis zum 2. Dezember 2016 deutlich abgebaut wurden - und zwar um 42 Milliarden Kubikfuß. In der Vorwoche war ein Rückgang um 50 Milliarden Kubikfuß gemeldet worden.

Beides keine außergewöhnlichen Werte. Zu dieser Jahreszeit absolut üblich. Es ist damit zu rechnen, dass die erwarteten deutlich kühleren Temperaturen zu einem weiteren Abbau führen werden. In den USA wird wieder ein sehr kalter Winter erwartet.

Charttechnisch wurde der Boden bei rund 2,5 US-Dollar gefunden. Die aktuelle V-Bildung spiegelt den oben beschriebenen Lagerabbau wider. Der Widerstand bei 3,5 US-Dollar dürfte kurzfristig durchstoßen werden.

Forza Italia - wohin geht die Reise?

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Nach der US-Wahl stand auch in der Eurozone wieder ein einschneidendes Ereignis an. Das Ergebnis des Italienreferendums ("No") sorgt für weitere Unsicherheit im gebeutelten Europa. Die Rückkehr der Eurokrise wird befürchtet. Zudem steht der italienische Bankensektor wieder im negativen Rampenlicht. Es besteht nun die Sorge, dass die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt der nächste Austrittskandidat der Eurozone sein könnte. Die frischen Erinnerungen an den "Brexit" leben wieder auf.

Charttechnisch honoriert der italienische Leitindex MIB diese allerdings mit auffälliger Robustheit. Die Bodenbildung bei 15.922 bis 15.907 Punkten hat sich bewährt. Die markttechnischen Indikatoren zeigen sich durchaus positiv. Zum Beispiel wurde die 200-Tage-Linie jüngst wieder deutlich zurückerobert.