Kursexplosion trotz Börsenbaisse Das Comeback der Goldminen-Aktien

Arbeiter von Barrick Gold am Werk: Goldminen erleben an der Börse einen Höhenflug

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Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

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Der Aktienkurs der südafrikanischen Minengesellschaft Harmony Gold Mining ist an der New Yorker Börse seit November um mehr als 400 Prozent gestiegen. Und damit ist das Unternehmen kein Einzelfall, wie ein Blick auf die Drei-Monats-Performance weiterer Goldproduzenten zeigt: Sibanye Gold Limited plus 150 Prozent, Barrick Gold plus 80 Prozent, Anglogold sowie Gold Fields jeweils plus mehr als 70 Prozent.

Die Liste ließe sich beinahe beliebig fortsetzen. Zur Erinnerung: Der deutsche Aktienindex Dax  verlor in der gleichen Zeit mehr als 13 Prozent an Wert. Mit dem Dow Jones  in New York ging es um immerhin knapp 7 Prozent abwärts.

Wer sich an der Börse in den vergangenen Woche über fallende Kurse geärgert hat, hat offenbar lediglich auf die falschen Papiere gesetzt. Die Anteilsscheine der Goldproduzenten erlebten einen Höhenflug wie lange nicht. Seit der Goldpreis 2011 sein Rekordhoch bei mehr als 1900 Dollar je Unze überschritten hatte und auf Talfahrt gegangen war, rutschten auch die Kurse der Minenfirmen ab.

Anfang dieses Jahres setzte der Preis des Edelmetalls jedoch zum Comeback an, mit einem Plus von bis heute etwa 15 Prozent. Den Aktienkursen der Goldförderer brachte das den langersehnten Wiederaufstieg, und das mit Schwung.

Warum Goldaktien stärker steigen als der Goldpreis

Dabei können sich die Aktionäre noch über einen besonderen Bonus freuen: Weil ein Großteil des Preises, den die Minen für eine Unze Gold erhalten, auf die Förderkosten entfällt, schlägt eine Goldpreis-Steigerung umso stärker auf den Gewinn der Unternehmen durch - und damit auf den Aktienkurs.

"Die Aktienkurse der Goldminen orientieren sich an der Gewinnsituation der Unternehmen", erläutert Martin Siegel, Experte von der Stabilitas GmbH. Er rechnet vor: Bei einem Goldpreis von 1000 Dollar je Unze und einer angenommenen Gewinnspanne von 200 Dollar je Unze führe ein Goldpreisanstieg um 200 Dollar je Unze bei unveränderten Kosten zu einer Gewinnverdoppelung. "Je nach Größe, Bewertung und der Kostenentwicklung einer Gesellschaft liegt der Hebel der Goldminenaktien auf den Goldpreis in der Regel zwischen 2 und 3", so Siegel.

Damit ist klar: Sollte der Preis des Edelmetalls weiter steigen, könnten auch die Minenaktien ein gutes Investment sein. Und die Ausgangssituation der Gesellschaften erscheint gut, so Experte Siegel. Seinen Angaben zufolge werden die Minenaktien nach dem Ausverkauf der vergangenen Jahre günstig bewertet. Zudem habe sich die fundamentale Situation bei vielen Firmen durch den Verfall der Energiepreise "deutlich verbessert". "Sollte der Goldpreis die alten Höchststände aus dem Jahr 2011 erreichen, hätten die Goldminenaktien ein Kurspotential von weit über 200 Prozent", folgert Siegel.

So könnte es mit den Kursen der Goldaktien weitergehen

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Das wäre für Anleger erfreulich, aber kommt es tatsächlich dazu? Und bei welchen Aktien sollen Anleger gegebenenfalls zugreifen?

Experten sehen verschiedene Einflussfaktoren, von denen die weitere Entwicklung des Goldpreises und der Kurse von Minenaktien abhängen dürfte. Ausschlaggebend ist vor allem die allgemeine Lage an der Börse sowie an der Zinsfront. Zudem spielen weltpolitische Krisen eine Rolle - bis hin zum möglicherweise bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU).

Rolf Ehlhardt etwa, Portfoliomanager bei ICM in Mannheim, glaubt an einen weiteren Preisanstieg. Der Goldpreis habe die seit 2013 abwärts gerichtete Bodenbildung abgeschlossen und damit den seit 2011 bestehenden Abwärtstrend beendet, sagt er. "Damit wäre ein mehrere Jahre laufender Aufwärtstrend gestartet."

Ob es dazu kommt, könnte auch von der Politik der Zentralbanken abhängen, die wesentlichen Einfluss auf das weltweite Zinsniveau haben. Als Investment wirft Gold keine Zinsen ab - ein Anstieg des Zinsniveaus macht andere Anlagen attraktiver und schadet daher dem Goldpreis - so zumindest die Theorie. In der Praxis hat sich diese Logik in der Vergangenheit allerdings nur selten bewahrheitet, wie Experten beobachtet haben.

Wie der "Brexit" den Goldpreis treibt

Markus Steinbeis, Leiter Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen in München, gibt sich jedoch ebenfalls optimistisch. Die Zentralbanken werden ihre expansive Politik nicht aufgeben, sagt er. Selbst in den USA sei eine Zinswende noch nicht zu erwarten. "Eher rechnen wir dort mit einer deutlichen Konjunkturabkühlung, die auch die Stärke des US-Dollars Schritt für Schritt beenden sollte", so Steinbeis. Ein weiteres Risiko sieht der Investmentprofi zudem in einer möglichen Abkühlung der Weltkonjunktur. Auch das wäre positiv für Gold, so Steinbeis.

Selbst die künftige Entwicklung in Großbritannien sollte von Goldanlegern aufmerksam beobachtet werden. Über die Frage, ob die Briten in der EU bleiben oder nicht, will Premierminister David Cameron sein Volk im Juni abstimmen lassen. Doch schon jetzt bewegt das Thema die Finanzmärkte.

Deutlich ablesen lässt sich das am jüngsten Einbruch des britischen Pfundes, mit dem Investoren auf einen Auftritt des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson reagierten. Johnson hat sich in diesen Tagen für einen Austritt aus der EU ausgesprochen und damit gegen den Premierminister positioniert.

So finden Anleger die richtigen Goldaktien

In Reaktion darauf verkauften Finanzakteure nicht nur im großen Stil die britische Währung und schickten sie auf Talfahrt. Gleichzeitig griffen auf der Insel auch zahlreiche Anleger zum Gold als vermeintlich sicherem Hafen. "Wir beobachten starke Käufe in London", sagte Frank Holmes, Chef des Investmenthauses US Global Investors, in einem Interview. Ein möglicher "Brexit" sei eindeutig gut für den Goldpreis.

Bleibt die Frage, welche Aktien die richtigen sind, sollten Anleger tatsächlich auf weitere Kursgewinne bei Minengesellschaften setzen. Viele Experten raten zu bekannten Namen von größeren Unternehmen, weil diese gegenüber den zahlreichen kleinen Firmen am Markt das geringere Anlagerisiko mit sich bringen, wie es heißt.

Dabei ist allerdings zu beachten: Größe ist relativ. Selbst die kanadische Barrick Gold als größter Goldproduzent der Welt bringt es an der Börse lediglich auf eine Kapitalisierung von etwa 15 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro). Zum Vergleich: iPhone-Hersteller Apple als teuerster Konzern der Welt kommt zurzeit auf einen Marktwert von etwa 540 Milliarden Dollar.

Branchengrößen bevorzugt

"Als Vermögensverwalter nutze ich nur die großen und bekannten Werte, insbesondere aus Nordamerika und Australien", sagt etwa Jörg Jubelt von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. "Kleine und unbekannte Gesellschaften oder gar 'Penny Stocks' meide ich, da sie meist viel zu markteng und spekulativ sind."

Auch Rainer Beckmann, Geschäftsführer von ficon Börsebius Invest in Düsseldorf, setzt bevorzugt auf nordamerikanische sowie australische Werte. Seine Favoriten: Goldcorp. , Newmont Mining  und Barrick Gold .

Vor dem Investment sollten Anleger allerdings einiges beachten. Wie ist zum Beispiel die politische Entwicklung im Land der Produktion? Wie steht es um Wechselkursschwankungen?

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"Gold wird nun mal nicht nur in krisenfreien Zonen gefördert", sagt Andreas Görler von Wellinvest- Pruschke & Kalm in Berlin. "Zudem wird der Goldpreis in US-Dollar ausgewiesen. Es spielt daher eine Rolle, unter welchen Bedingungen das Edelmetall gefördert wird und welche Förderkosten letztlich entstehen."

Alternative mit weniger Risiko: Goldfonds

Als Beispiele nennt Görler Südafrika, Australien sowie Kanada, wo Minentitel seinen Angaben zufolge zuletzt davon profitieren konnten, dass die Währungen der Länder zum Teil heftig gegenüber dem US-Dollar nachgegeben haben. In Südafrika etwa führte der Absturz des dortigen Rand gegenüber dem Dollar zu einem Anstieg des Rand-Goldpreises um 25 Prozent. Der südafrikanischen Minengesellschaft Sibanye Gold beispielsweise kam das zugute, so Görler.

Diese Effekte können allerdings ebenso gut andersherum eintreten. "Das sind nur Investments für Anleger, die eine stark positive Meinung zum Gold haben", sagt deshalb der Geldprofi.

Auch Portfoliomanager Ehlhardt von ICM betont, dass die Minen der Gesellschaften, in die investiert wird, in "politisch sicheren" Ländern liegen sollten. Zur Streuung des Risikos empfiehlt er zudem das Investment in mehrere Papiere gleichzeitig.

Wer sich dazu entschließt, ist allerdings nur noch einen Schritt entfernt von einem Anlageweg, der möglicherweise für Privatleute ohnehin empfehlenswerter erscheint als der direkte Kauf einer Minenaktie: Der Erwerb eines Fonds, beispielsweise in Form eines gemanagten Goldaktienfonds oder eines - kostengünstigen - ETFs auf einen Goldaktienindex.

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Risiken der ETFs: Was Anleger wissen müssen

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Als Beispiele nennen die Fachleute etwa den Indexfonds RBS Arca Gold Bugs Index Fund, der den Amex Gold Bugs Index der New Yorker Börse nachzeichnet. Oder, mit eingebautem Hebel und damit auch größerer Schwankungsbreite: den Direxion Daily Gold Miners Bull 3X ETF.

Aktiv gemanagt wird beispielsweise das Portfolio des Tocqueville Gold Fonds der französischen Investmentgesellschaft Tocqueville Finance. Dort sitzt der amerikanische Fondsmanager John Hathaway am Ruder, und zwar schon seit mehr als 15 Jahren.

Hathaway selbst ist jenseits der 70. Er hat also beim Goldpreis und bei den Kursen der Minenaktien schon einige Aufs und Abs miterlebt.

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