Donnerstag, 5. Dezember 2019

Devisenprognose Goldman Sachs sagt Euro-Dollar-Parität voraus - wieder mal

Dollar und Euro werden nach Voraussagen von Ökonomen noch in diesem Jahr gleich viel wert sein

Zuletzt war sogar US-Präsident Donald Trump die Sache nicht geheuer - er stoppte mit wenigen Worten die Dollar-Rally. Doch auf seinem Weg zur Parität mit dem Euro ist der Greenback nicht aufzuhalten, sagt Starökonom Jan Hatzius von Goldman Sachs. Der Mann irrte schon einmal.

Mit vollmundigen Versprechen gigantischer Konjunkturprogramme und erheblicher Steuererleichterungen hat Donald Trump die Devisenmärkte aufgewirbelt und dem Greenback zu einem Höhenflug verholfen. Mehr als 3 Prozent gewann die US-Währung seit dem Wahltag des 8. November hinzu. Doch zuletzt wurde selbst dem um protzige Sprüche nie verlegenen Trump der rasante Anstieg zu heiß.

In einem Gespräch mit dem "Wall Street Journal" hatte der US-Präsident die Stärke des Greenback kritisiert. "Sie bringt uns um", hatte er der Zeitung insbesondere mit Blick auf die schwache chinesische Währung gesagt - und damit flugs nicht nur die eigene Währung auf den tiefsten Stand seit Wochen gedrückt, sondern auch Befürchtungen eines Währungskrieges heraufbeschworen.

Offenbar wurde Trump zuletzt bewusst, dass sein Versprechen eines ökonomisch kraftstrotzenden Amerika bei zugleich steigenden Zinsen auch seinen Preis hat: Nämlich einen stark steigenden Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen auf internationalen Märkten empfindlich schwächt.

Von einer anhaltenden Dollarschwäche aber wollen Devisenexperten nichts wissen. Ganz im Gegenteil. Goldman Sachs zum Beispiel erwartet, dass der Dollar weiter aufwertet und bis zum Jahresende die Parität zum Euro erreicht haben wird. Die Stärke der US-Währung werde dabei vor allem auf der Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa sowie Japan beruhen, zeigt sich Chef-Ökonom Jan Hatzius von Goldman Sachs im Gespräch mit Bloomberg überzeugt.

Vor allem die Zinsdifferenz sei entscheidend

Jan Hatzius von Goldman Sachs
Mark McQueen
Jan Hatzius von Goldman Sachs

Während die US-Notenbank die Zinsen schneller anheben werde als dies der Markt erwartet, würden die europäische und die japanische Notenbank ihre Niedrigzinspolitik noch lange fortsetzen. Hatzius erwartet, dass die Fed in diesem Jahr den Leitzins in drei Schritten auf dann 1,5 Prozent anheben wird. Im Konsens erwartet der Markt lediglich 1,25 Prozent. Die US-Wirtschaft sei in sehr guter Verfassung und die zu erwartenden fiskalpolitischen Maßnahmen in den USA dürften bereits zum Ende dieses Jahres ihre Wirkung zeigen, glaubt der Experte.

Die Analysten von der Deutschen Bank - der viertgrößte Devisenhändler weltweit - waren Mitte November letzten Jahres sogar noch einen Schritt weitergegangen. Die Parität sei nur ein Zwischenstopp und der Euro Börsen-Chart zeigen werde zum Ende des Jahres 2017 sogar nur noch 95 Dollar-Cent wert sein.

Doch sollten Beobachter und erst recht Anleger solche Prognosen mit Vorsicht genießen. Auch Goldman Sachs ist fehlbar, lag Hatzius doch schon einmal daneben: Bereits 2015 hatte der Star-Ökonom eine Parität zwischen Dollar und Euro vorausgesagt. Bis zum Jahr 2017 könne der Euro "sogar unter das Niveau des Allzeittiefs von 82 Cent fallen", hatte er im Gespräch mit dem "Handelsblatt" prognostiziert.

Nichts von dieser Prognose trat ein.

Zum bislang letzten Mal war der Euro im Dezember 2002 genauso viel wert wie ein Dollar und markierte dann im Oktober 2002 mit rund 0,82 Dollar seinen Tiefststand.

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