Gold auf Zehn-Monats-Hoch Warum der Goldpreis weiter steigen kann

Goldbarren: Das Edelmetall wurde zuletzt immer teurer - geht es auch so weiter?

Goldbarren: Das Edelmetall wurde zuletzt immer teurer - geht es auch so weiter?

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Im Nachhinein ist jeder schlauer, das ist bekannt. Aber in diesem Fall gab es tatsächlich einen Hinweis, der früh andeutete, was inzwischen Realität geworden ist: der Anstieg des Goldpreises auf ein Zehn-Monats-Hoch.

Der Hinweis: Vor etwa vier Wochen zeigte der Goldpreis-Chart eine Besonderheit, auch manager-magazin.de berichtete damals über das sogenannte doppelte goldene Kreuz. Dabei handelt es sich um eine Konstellation, die von den Freunden der Chart-Analyse als wichtiges Kaufsignal bezeichnet wird, weil in der Vergangenheit häufig weitere Preis- oder Kursanstiege darauf folgten.

Als das "doppelte goldene Kreuz" vor vier Wochen im Gold-Chart erschien, stand der Goldpreis bei etwa 1280 Dollar je Unze. Inzwischen ist er weiter angestiegen, sodass in diesen Tagen bei mehr als 1346 Dollar je Unze besagtes Zehn-Monats-Hoch erreicht wurde. Allein in den vergangenen sieben Tagen stieg der Preis um mehr als 2 Prozent. Chart-Analysten dürften sich zufrieden zurücklehnen.

Angesichts des zuletzt rasanten Preisanstiegs erscheint zumindest eine Ruhepause nun zunächst erwartbar. Tatsächlich setzte der Goldpreis am gestrigen Mittwoch sowie am heutigen Donnerstag leicht zurück, was einem Kommentar der Commerzbank zufolge vor allem an einem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed lag. Demnach stehe die Fed nicht vor einem radikalen Kurswechsel, so die Commerzbank, die Möglichkeit von Zinssenkungen sei in der vergangenen Notenbank-Sitzung überhaupt nicht angesprochen worden.

Davon abgesehen gibt es allerdings einige Aspekte, die den Goldpreis auch in der nächsten Zeit unterstützen dürften. Die wichtigsten sind:

Fünf Argumente für Gold

  • Der Handelskrieg zwischen den USA und China sowie der Konflikt zwischen den USA und der Europäischen Union. Derartige geopolitische Spannungen tragen grundsätzlich zur Unsicherheit an den Finanzmärkten bei und wirken daher oft als Preistreiber für Anlagen, die als "sichere Häfen" betrachtet werden - wie zum Beispiel Gold.
  • Die weltweit schwächelnde Konjunktur, die ebenfalls zur Verunsicherung von Investoren beiträgt. Nicht zuletzt beeinflusst sie auch die Geldpolitik der Notenbanken. Diese neigen bei schwächeren Wirtschaftsdaten eher dazu, die Zinsen niedrig und die Geldschleusen offen zu halten, wodurch die relative Attraktivität der zinslosen Anlage Gold steigt. Zwar sorgte das jüngste Fed-Protokoll für leichten Druck auf den Goldpreis. Generell gilt jedoch auch der Kurs der Fed inzwischen als gemäßigter als noch vor einigen Monaten - auch dies hat dem Goldpreis nach oben verholfen.
    Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel, stellt etwa fest, dass sich die Investoren zusehends von der Erwartung verabschieden, die US-Notenbank könnte 2019 weitere Zinserhöhungen vornehmen. Damit sei der Anstieg der langfristigen Realzinsen zum Stillstand gekommen beziehungsweise habe sich deren Aufwärtstrends umgekehrt, so Polleit. Auch dies ein weiteres Argument für Gold.
  • Goldkäufe von Zentralbanken. Berichten des World Gold Council sowie des Internationalen Währungsfonds zufolge befinden sich verschiedene Notenbanken vor allem in Schwellenländern am Goldmarkt auf der Käuferseite. Ein Grund dafür dürfte der Versuch sein, die eigenen Reserven vom US-Dollar unabhängiger zu machen. Nachdem die chinesische Zentralbank im Januar weiter Gold gekauft hatte, so berichtet etwa die Commerzbank, haben im letzten Monat auch andere Zentralbanken ihre Goldreserven aufgestockt. So zum Beispiel die russische um gut sechs Tonnen sowie die kasachische Zentralbank um knapp drei Tonnen. Der Internationale Währungsfonds melde Goldkäufe von weiteren Zentralbanken im Dezember, so die Commerzbank.
  • Weitere Investoren dürften auf den Goldzug aufspringen. Hedgefonds und andere Spekulanten hatten sich vor allem 2018 extrem skeptisch gegenüber Gold positioniert. Wie Bloomberg berichtet , erreichte dadurch die Netto-Short-Position auf Gold-Futures und -Optionen im vergangenen Jahr einen Rekordwert. Von dieser negativen Positionierung sind diese Investoren bislang trotz des Preisanstiegs zum Großteil noch kaum abgerückt, wie die Zahlen vom US-Rohstoffhandel zeigen. Die Folge: Sollte Gold nicht maßgeblich nachgeben, werden diese Anleger früher oder später einlenken und auf die Käuferseite wechseln müssen - auch das könnte dem Preisanstieg neuen Schub geben.
  • Auch die Schwäche europäischer Banken kann Goldfans in die Karten spielen. Auf diesen Umstand macht ebenfalls Degussa-Volkswirt Polleit aufmerksam: Viele Euro-Banken litten nach wie vor unter geringer Profitabilität und faulen Krediten, schreibt er in einem Marktkommentar. In der Vergangenheit habe sich Gold als wirksame Versicherung gegen die wachsenden Probleme im Euro-Banken- und Finanzsektor erwiesen, so Polleit. Er empfehle daher Gold als Absicherung gegen das Risiko eines Wertverlustes des Euro.
    Wobei allerdings zu beachten ist: Fällt der Euro, so bedeutet dies zumeist einen Anstieg des Dollar. Und einer bekannten Faustregel zufolge, die sich in der Vergangenheit schon häufig bewahrheitet hat, übt ein starker Doller in der Regel Druck auf den Goldpreis aus. Denn Gold wird weltweit in Dollar gehandelt, es verteuert sich also für alle Käufer außerhalb des Dollar-Raumes, wenn der Greenback steigt.

Wohl gemerkt: Dies sind einige Argumente für einen stabilen bis weiter steigenden Goldpreis. Zweifellos gibt es weitere. Doch selbst wenn sich theoretisch unzählige Gründe finden ließen, aus denen sich das Edelmetall weiterhin verteuern sollte - in der Praxis kann der Goldpreis dennoch ohne weiteres eine andere Richtung einschlagen.