Edelmetall im Aufwind Darum kann 2019 ein starkes Jahr für Goldfans werden

Die Wirtschaft schwächelt, die Börsen beben - und der Goldpreis bekommt nach langer Zeit wieder merklich Aufwind. Einiges spricht dafür, dass das auch im kommenden Jahr so bleibt.
Wieder begehrt: Angesichts der Unsicherheiten in Wirtschaft und Finanzwelt ist der Goldpreis in den vergangenen Monaten gestiegen - der Trend könnte auch 2019 halten.

Wieder begehrt: Angesichts der Unsicherheiten in Wirtschaft und Finanzwelt ist der Goldpreis in den vergangenen Monaten gestiegen - der Trend könnte auch 2019 halten.

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Der September 2018 wird den Freunden der Geldanlage in Gold womöglich noch lange in Erinnerung bleiben. Denn dieser Monat markiert eine Trendwende an den Finanzmärkten, die noch lange ins kommende Jahr hineinwirken könnte.

Bis zum September ging an den Finanzmärkten im Großen und Ganzen alles seinen bereits seit Jahren gewohnten Gang. Das heißt: Die Aktienkurse an den wichtigen Börsen weltweit gerieten zwar zunehmend in Schwankungen, insgesamt ging es mit ihnen aber weiterhin aufwärts. Der Goldpreis dagegen befand sich in den ersten Monaten dieses Jahres beinahe kontinuierlich unter Druck.

Doch dann folgte die Wende: Seit Anfang September kann am Aktienmarkt von Stabilität kaum noch die Rede sein. Es geht vielmehr abwärts, und zwar so heftig, dass für verschiedene Bereiche - darunter auch der deutsche Leitindex Dax - inzwischen der Bärenmarkt ausgerufen wurde.

Eine Wende gab es indes zur gleichen Zeit auch beim Goldpreis, und zwar in die entgegengesetzte Richtung: Um mehr als 5 Prozent hat das Edelmetall allein seit Anfang September zugelegt. Inzwischen notiert Gold bereits wieder bei beinahe 1280 Dollar je Unze. Der Dezember, so berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg , könnte den stärksten Anstieg beim Goldpreis seit fast zwei Jahren bringen. Zeitgleich stiegen auch die Kurse der weitaus meisten Goldminen-Aktien kräftig an, und zwar wie so oft noch deutlich stärker als der Goldpreis selbst.

Zum Vergleich: Mit dem Dax ging es im gleichen Zeitraum um mehr als 15 Prozent abwärts. Auch der breite US-Aktienindex S&P 500 verlor in den vergangenen vier Monaten etwa 15 Prozent an Wert.

Für Goldfans sind das selbstverständlich gute Nachrichten: Endlich wird ihre favorisierte Geldanlage ihrem Ruf als "sicherer Hafen" in unruhigen Zeiten wieder gerecht. Denn die Gründe, die zum Einbruch an den Aktienmärkten führten, sind es auch, die dem Goldpreis seinen plötzlichen Auftrieb verliehen:

  • Ein weltweit schwächelndes Wirtschaftswachstum, das bereits Sorgen vor einer möglicherweise aufziehenden Rezession aufkommen lässt;
  • Sinkende Unternehmensgewinne und reihenweise Konzernlenker, die vor trüberen Aussichten in die Zukunft warnen müssen;
  • Verschiedene Spannungsfelder, die zusätzlich Unsicherheit in die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten bringen, vom Handelskonflikt zwischen den USA und China über die chaotische Entwicklung beim Brexit bis hin zum heftig schwankenden Ölpreis sowie den Querelen zwischen der Europäischen Union und Italien um dessen künftigen Staatshaushalt.

Was jedoch für Geldanleger entscheidend ist: Auch der Blick in die Zukunft stimmt in Bezug auf den Goldpreis optimistisch. Denn, da sind sich die meisten Finanzexperten und Beobachter einig, am Szenario der Unruhe und Unsicherheit dürfte sich an den Finanzmärkten vorerst nicht viel ändern.

So sorgt die US-Notenbank für Aufwind beim Goldpreis

Im Gegenteil: Das Wachstum in den bedeutenden Industrieländern dürfte im Laufe des Jahres 2019 schwächer ausfallen, heißt es etwa in einer Prognose von JP Morgan Asset Management. Im kommenden Jahr dürften sich das globale Wachstums verlangsamen und die Unternehmensgewinne zurückgehen, schreibt auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock in einer Einschätzung zum Jahreswechsel. Der Konjunkturzyklus in den USA jedenfalls komme seinem Ende immer näher.

"In Anbetracht der mäßigen Prognosen sollten Anleger sich auf das Wesentliche konzentrieren", bringt es Peter Westaway, Chefökonom und leitender Anlagestratege bei der international agierenden Fondsgesellschaft Vanguard, auf den Punkt. "Mehr Geld zurücklegen, länger arbeiten, weniger ausgeben und ihre Anlagekosten niedrig halten."

Und womöglich Gold kaufen? Die US-Bank Goldman Sachs beispielsweise gibt einen sehr zuversichtlichen Ausblick für das Edelmetall und andere Rohstoffe ab . Viele Investoren glauben offenbar ebenfalls an einen anhaltenden Aufwärtstrend und stocken ihre Bestände bereits auf. Dafür sprechen nicht nur die steigenden Kurse von Goldminenaktien, sondern auch die anschwellenden Bestände der Gold-ETFs, wie der Nachrichtendienst Bloomberg  berichtet. Zudem haben auch verschiedene Notenbanken zuletzt bei Gold wieder kräftig zugegriffen.

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Besonders bemerkenswert: Mit der US-Notenbank Fed hat jüngst einer der wichtigsten Player im Poker um den Goldpreis Signale gesendet, die in Bezug auf die künftige Entwicklung ebenfalls zuversichtlich stimmen können. Zwar setzte die Fed ihren Leitzins kurz vor Weihnachten ein weiteres Mal nach oben - es war bereits der vierte Zinsschritt in diesem Jahr. Für 2019 stellte Fed-Chef Jerome Powell jedoch anstelle der bislang erwarteten drei Zinsanhebungen angesichts der abkühlenden Konjunktur in den USA lediglich noch zwei Schritte in Aussicht.

Für den Goldpreis bedeutet das vermutlich zusätzliche Unterstützung: Ein langsamerer Zinsanstieg in den USA verringert nicht nur die relative Attraktivität anderer, verzinster Geldanlagen gegenüber dem Edelmetall. Er lässt vielmehr auch einen weniger starken US-Dollar erwarten. Und da Gold weltweit vor allem in Dollar gehandelt wird, steigert dies einer Faustregel zufolge, die sich in der Vergangenheit schon oft bewahrheitet hat, tendenziell die internationale Nachfrage nach Gold - und damit auch dessen Preis.

Auch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed spielt Goldfans daher im kommenden Jahr sehr wahrscheinlich in die Karten.

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