Montag, 27. Januar 2020

Preissturz, na und? Darum sind Goldkäufer die glücklicheren Anleger

Gold-Unternehmer in Hongkong: Mancher, der das Edelmetall besitzt, findet auch bei fallenden Preisen einen Grund zur Freude

Der Goldpreis fällt und fällt, aber einige Goldkäufer sind weiterhin begeistert von ihrem Besitz. Der Grund liegt in schlichter Vorfreude: Sobald der ultimative Finanzcrash kommt, schützt nur das Edelmetall vor dem Ruin - glauben die Goldfans.

Wer Gold kauft, liegt immer richtig. Die Aussage erscheint gerade in diesen Tagen ein wenig verwegen, aber sie trifft - jedenfalls unter bestimmten Umständen - zu.

Und das, obwohl der Goldpreis eine der verlustreichsten Phasen seit Jahren erlebt. Seit dem Rekordhoch 2011, als der Preis auf fast 1900 Dollar je Unze gestiegen war, geht es praktisch stetig abwärts. Inzwischen beträgt das Minus etwa 40 Prozent. Zuletzt gab es zu Anfang dieser Woche Anlass für Schlagzeilen; da fiel Gold auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Manche Beobachter nehmen schon ihren Kalender zur Hand und zählen mit - es gilt eine Strecke von 13 Verlusttagen in Folge aus dem Jahr 1996 zu schlagen.

Da erscheint es beinahe müßig, über die Gründe für den Preisverfall zu spekulieren. Experten zufolge spielt der starke Dollar die Hauptrolle. Eine Faustregel besagt, dass der Goldpreis fällt, wenn der Dollar steigt. Denn das in US-Währung gehandelte Edelmetall wird dann außerhalb des Dollar-Raums teurer, was die Nachfrage drückt, so die Theorie.

Einer der Gründe für den steigenden Dollar wiederum ist die Aussicht auf eine Zinserhöhung in den USA. Laut US-Notenbank Fed könnte der Schritt angesichts der Konjunkturerholung noch in diesem Jahr erfolgen. Dadurch werden Anleihen und andere Zinsanlagen in Amerika für Anleger attraktiver - und das zinslose Gold hat das Nachsehen.

Belastend wirken außerdem:

  • Die Sorge um die Goldnachfrage in China, die zuletzt geringer ausfiel.
  • Die Enttäuschung über die Goldkäufe der chinesischen Zentralbank, die, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ebenfalls zurückhaltender war als erwartet.
  • Die allgemein niedrige Inflation, die Gold als Absicherung gegen Kaufkraftverluste obsolet erscheinen lässt.
  • Die erneute Zwischenlösung der Griechenland-Krise, die auch an dieser Stelle eine Flucht in "sichere Werte" kaum noch erforderlich macht.
  • Die stetigen Kostensenkungen von Goldminen, ermöglicht unter anderem durch den ebenfalls extrem niedrigen Ölpreis.

All dies können Gründe für die Preisverluste sein. Sie müssen es aber nicht. Der Goldpreis entsteht vor allem am Terminmarkt, wo Banken und Investoren im großen Stil Kontrakte eingehen. Welche Kräfte dort mit welchen Interessen auf den Preis einwirken, ist keineswegs transparent. Manipulationsvorwürfe gibt es seit Jahren. Auch Ermittlungen, Untersuchungen und Strafen von Seiten der Finanzbehörden kamen schon vor.

Abgesehen davon genügt bereits ein einfacher Blick auf den Preischart, um zu erkennen: Zwischen 2000 und 2011 ging es dermaßen steil aufwärts, dass es sich bei der Talfahrt der vergangenen Jahre auch schlichtweg um die notwendige Korrektur einer Übertreibung handeln könnte.

Wichtiger als der Blick zurück sind allerdings ohnehin die künftigen Aussichten. Und die sind beim Gold ebenfalls nicht erfreulich. Die meisten Experten erwarten weiterhin fallende Preise, beeinflusst vor allem durch absehbar steigende Zinsen, die andere Anlagen attraktiver machen.

Für das Analystenteam von Morgan Stanley etwa ist die Zeit von Gold vorläufig vorbei. Und die DZ Bank geht davon aus, dass der Preis, der zurzeit bei etwa 1100 Dollar je Unze liegt, in nächster Zeit die Marke von 1000 Dollar unterschreiten wird.

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