Höhere Liquiditätspolster Goldman Sachs bereitet sich auf Finanzmarkt-Turbulenzen vor

Eine Woche vor der US-Wahl hat die Investmentbank das Liquiditätspolster zweier Geldmarktfonds erhöht. Die Bank will reagieren können, sollten institutionelle Anleger schnell ihr Geld abheben.
Schattenspiel: Die Fondsmanager von Goldman Sachs bereiten sich vor

Schattenspiel: Die Fondsmanager von Goldman Sachs bereiten sich vor

Foto: David Gray / REUTERS

Die Fondsmanager von Goldman Sachs bereiten sich offenbar auf Turbulenzen nach der US-Wahl in der kommenden Woche vor. So zumindest lassen sich Daten über die Liquiditätspolster zweier Geldmarktfonds der amerikanischen Investmentbank deuten. Demnach hat Goldman Reserven angehäuft, die viel größer sind als die der Rivalen in der 4,35-Billionen-Dollar-Branche.

Die wöchentliche Liquidität der Fonds – konkret geht es um den GS Financial Square Prime Obligations Fund und den GS Financial Square Money Market Fund – gilt als Gradmesser dafür, wie schnell Investitionen innerhalb einer Woche in Bargeld umgewandelt werden können. Diese Woche stieg sie auf 85 Prozent des Gesamtvermögens, wie die Bank bekannt gab . In akuten Krisensituationen, so die Erfahrung, ziehen die Anleger häufig ihre Gelder ab. So war es etwa auch im Frühjahr, auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle. Damals war der Anteil der Liquidität der beiden Goldman-Fonds nur etwa halb so hoch wie heute – und die Bank musste im März fast 2 Milliarden Dollar aus dem Eigenkapital in die Fonds pumpen, um zu verhindern, dass diese unter die vorgeschriebene wöchentliche Liquiditätsschwelle von 30 Prozent fallen.

Nun drohen wegen der US-Wahl und einem abermaligen Anschwellen der Corona-Zahlen abermals Schwankungen an den Kapitalmärkten. Goldman selbst erklärte nur: "Wir verwalten die Liquidität in unseren Fonds aktiv, wie es das Marktumfeld diktiert."

Nach einer Reuters-Analyse erhöhen auch die Fondsmanager anderer Geldmarktfonds ihre Liquiditätspolster – allerdings in geringerem Ausmaß. Die durchschnittliche wöchentliche Liquidität bei 111 institutionellen Prime-Geldmarktfonds in den USA lag demnach Ende September bei 66 Prozent, vor einem Jahr betrug das Polster noch 54 Prozent.

Die Geldmarktfonds richten sich traditionell an institutionelle Investoren wie Unternehmen, Pensionskassen, Staatsfonds oder Hedgefonds, die ihr Geld kurzfristig zwischenparken wollen. Sie versprechen höhere Renditen als US-Staatsanleihen, weil sie üblicherweise auch kurzfristige Schuldverschreibungen halten. Trotz der Bemühungen der Regulierungsbehörden, die Fonds für Stresssituationen widerstandsfähiger zu machen, gelten sie nach wie vor als anfällig für massive Abhebungen, insbesondere durch Kunden, die sofort Bargeld benötigen, um ihren eigenen Verpflichtungen nachzukommen. "Diese Art von Investoren bewegt sich schnell", sagte der Geldmarktexperte Pete Crane, Präsident des Forschungsunternehmens Crane Data. Ein US-Beamter warnte kürzlich sogar davor, dass jahrzehntelange Reformen in der Branche möglicherweise nicht ausreichen werden, um größere Abflüsse während einer künftigen Krise abzuwenden.

Im März etwa zogen die institutionellen Investoren innerhalb nur einer Woche etwa 30 Prozent ihrer Anlage aus den 111 größten Fonds ab. Auch die beiden Goldman-Fonds waren betroffen. Laut Bankangaben hoben die Anleger im Frühjahr netto 8,1 Milliarden Dollar ab.

lhy/Reuters
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