Sonntag, 16. Juni 2019

Neue Geldanlage-Studie offenbart Die größten Irrtümer über Aktien, Immobilien, Gold und Co

Goldbarren: Anleger halten das Edelmetall vielfach für eine gute Geldanlage - eine aktuelle Studie kam zu einem anderen Ergebnis.

2. Teil: Immobilien bringen selten Rendite

Und auch mit einem anderen Vorurteil räumt die Studie auf: Immobilien sind demnach im Schnitt keine rentable Anlage, sondern eher ein Verlustbringer. Seit 1900, so die Forscher, lagen die jährlichen Erträge mit Immobilien weltweit im Schnitt zwischen jenen von Aktien (5,2 Prozent jährlich) und Anleihen (2 Prozent). Der Großteil der Immobilienerträge von 4,8 Prozent nach Inflation seien aber Mieteinkünfte, der Wertgewinn der Gebäude betrage nur 1,3 Prozent.

Bereinige man gängige Immobilien-Indizes um den Effekt von Metropolen, schrumpfe der Ertrag. Und nach Instandhaltungskosten und Versicherung stehe ein Verlust von rund zwei Prozent pro Jahr, so die Forscher. Naturgemäß sieht das Bild in gefragten Städten besser aus.

Auch schwanken Immobilienpreise stärker, als der Begriff "Betongold" glauben macht. So sind die Preise in den USA zwischen Ende 2005 und 2012 um mehr als 36 Prozent gefallen. Mit der Finanzkrise brach die Wirtschaft ein, eine Spekulationsblase platzte.

Immobilienpreise schwanken heftig

Auch hierzulande gab es bei den Wohnungs- und Häuserpreisen heftige Schwankungen. Kletterten die Immobilienpreise in den 1970er Jahren und nach der Wende stark, gab es laut dem Analysehaus Bulwiengesa Mitte der 1990er im Schnitt Jahresverluste von mehr als fünf Prozent. Auch nach dem Platzen der Internetblase 2000 fielen die Preise.

In diesen Zeiträumen verloren Immobilieninvestoren nach Abzug der Inflation Geld. Erst seit 2009 steht wieder ein positiver realer Ertrag. "Viele haben vergessen, dass es im Schnitt auch einige schwache Immobilien-Jahre gab", sagt Bulwiengesa-Experte Jan Finke.

Auch sind die Renditen mit Immobilien laut Bulwiengesa langfristig weit niedriger als jüngst. Neue Eigentumswohnungen in Westdeutschland etwa verteuerten sich von 1975 bis 1990 um durchschnittlich 3,0 Prozent pro Jahr. In der wiedervereinigten Bundesrepublik von 1990 bis 2017 waren es 2,6 Prozent per annum. "Das Plus im vergangenen Jahr von 9,6 Prozent fällt ungewöhnlich hoch aus", sagte Finke.

Auch gibt es neben Aktien und Immobilien laut der Credit-Suisse-Studie exotische Renditebringer, die viele nicht auf der Rechnung haben. So stiegen die Preise für einige Sammlerobjekte seit dem Jahr 1900 stärker als von Anleihen, die in Depots oft großes Gewicht haben. Mit Wein etwa konnten Investoren jährlich im Schnitt etwa 3,7 Prozent nach Inflation verdienen, mehr als mit Briefmarken (2,6) und Violinen (2,4). Mit globalen Anleihen waren es nur 2,0 Prozent. Kunst kommt immerhin auf eine Steigerung von 1,9 Prozent.

Die Renditen ergeben sich aber nur für Spitzenobjekte wie erlesene Weine, nicht für Standard-Tropfen. Auch kommen sie für die meisten Sparer mangels Vermögen ohnehin kaum in Frage. Ein Plus indes aus Sicht von Liebhabern: Während Zinsen, Dividenden und Kursgewinne oft hoch besteuert werden, bleiben viele Sammelgüter verschont.

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