Sonntag, 25. August 2019

Halbjahresbilanz Die besten Investments 2018 - bislang

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Die Rohstoffpreise stellten 2018 andere Assetklassen bislang in den Schatten.

2. Teil: Das doppelte Spiel der großen Player am Ölmarkt

Ein solcher Höhenflug des Ölpreises war Anfang 2018 nicht unbedingt abzusehen. Zwar hatte sich Öl von seinen Tiefstständen aus den Jahren 2016 und 2017, als ein Barrel zeitweise für 30 bis 40 Dollar zu haben war, wieder erholt. Auch eine Limitierung der Ölförderung, auf die sich das Förderkartell Opec sowie weitere Länder wie Russland Ende 2016 geeinigt hatten, sprach für einen tendenziell steigenden Preis. Gleichzeitig glaubten viele Beobachter jedoch an eine Faustregel, nach der ab einem Preis von 60 Dollar aufwärts die Förderung mittels Frackings, welche vor allem in den USA verbreitet ist, lukrativ wird, was einen weiteren Anstieg hätte bremsen sollen.

Diese Bremsung des Preisanstiegs blieb bislang jedoch aus. Stattdessen gibt es weitere Faktoren, die den Preis weiter nach oben treiben könnten. Saudi-Arabien etwa einigte sich zwar mit Opec-Partnern und anderen Förderländern angesichts der Verteuerung vor Kurzem auf eine leichte Ausweitung der täglichen Fördermenge. Tatsächlich dürfte das Land, das zu den größten und einflussreichsten Produzenten der Welt zählt, jedoch an einem höheren Ölpreis durchaus Interesse haben.

Einerseits muss das Land einen teuren Reformprozess finanzieren. Andererseits gilt es, den geplanten Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco erfolgreich über die Bühne zu bringen. Auch dabei kann ein höherer Preis nur behilflich sein.

Ein weiterer Player, der Einfluss auf den Ölmarkt nimmt, befindet sich in den USA und heißt Donald Trump. Der US-Präsident wetterte zwar kürzlich per Twitter gegen den seiner Ansicht nach zu hohen Ölpreis und forderte die Opec-Staaten auf, den Preis zu senken ("REDUCE PRICING NOW!"). Tatsächlich jedoch gilt Trump als einer der Mitverantwortlichen für Preissteigerungen, denn er hat das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt und Sanktionen gegen das Land wieder in Kraft gesetzt. Damit fehlt ein Teil der Ölförderung Irans auf dem Weltmarkt.

So sehen es beispielsweise auch die Rohstoffexperten der Commerzbank. Sollte es Trump gelingen, die gesamten Ölausfuhren des Iran zu stoppen, fehlen dem Markt täglich bis zu 2,5 Millionen Barrel, schrieben sie jüngst in einer Analyse. Die freien Kapazitäten der Opec reichten zwar gerade aus, um diese Ausfälle abzufedern, aber nicht bei zusätzlichen Störungen des Marktes. "Vielleicht sollte einer seiner Berater dem US-Präsidenten diesen Zusammenhang erklären", so die Commerzbank süffisant.

Ins gleiche Horn stößt der Iran selbst: Der iranische Opec-Gouverneur Hossein Kasempur Ardebili sagte erst in dieser Woche, Trump mache sich mit seiner Blockade der iranischen Öllieferungen zu "einer Geisel von Saudi-Arabien und Russland", die beide wenig Interesse an einer Senkung des Ölpreises hätten. Die Verantwortung für den hohen Ölpreis laste allein auf Trumps Schultern, sagte Kasempur - und kündigte an, dass der Preis noch auf mehr als 100 Dollar je Barrel steigen werde.

Wenngleich dies mehr Drohgebärde als seriöse Marktprognose sein dürfte, so zeigt es vermutlich doch die grundsätzliche Richtung der künftigen Ölpreisentwicklung an: vorerst weiter aufwärts.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Was heißt das für Geldanleger? Unter Investment-Gesichtspunkten dürften die meisten kaum vom steigenden Ölpreis profitieren, denn der Rohstoffsektor ist in den Depots privater Sparer wenn überhaupt, dann in der Regel wohl lediglich mit einem geringen Anteil vertreten. Stärker macht sich die Verteuerung des wichtigsten Rohstoffs dagegen beim Konsum bemerkbar: Die Inflationsrate ist nicht zuletzt wegen höherer Ölpreise inzwischen wieder auf 2 Prozent angestiegen. Und auch die Benzinpreise haben zuletzt - pünktlich zur Urlaubssaison - wieder angezogen.

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