Kurssturz beim russischen Energiekonzern Gazprom-Eigner verhindern Dividendenzahlung

Erstmals seit 1998 hat der russische Gaskonzern Gazprom seine Dividende gestrichen. Aktionäre reagieren schockiert.
Bei Aktionären in Ungnade gefallen: Der russische Gasriese Gazprom (im Bild ein Messestand in Moskau) zahlt nun doch keine Rekorddividende

Bei Aktionären in Ungnade gefallen: Der russische Gasriese Gazprom (im Bild ein Messestand in Moskau) zahlt nun doch keine Rekorddividende

Foto: Maxim Shipenkov / EPA

Der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom hat seine Pläne zur Zahlung einer Rekorddividende einkassiert und wird stattdessen erstmals seit 1998 die Aktionäre nicht bedienen. "Die Aktionäre haben entschieden, dass es in der gegenwärtigen Situation nicht sinnvoll ist, Dividenden auf das Ergebnis von 2021 auszuzahlen", teilte Gazprom-Vizechef Famil Sadygow am Donnerstag über den Telegram-Kanal des Staatskonzerns mit. Für Gazprom seien die Realisierung des Investitionsprogramms mit dem Anschluss der russischen Regionen ans Gasnetz sowie die erhöhten Steuerforderungen der Regierung vorrangig. Weder die Pläne der G7-Staaten zur Begrenzung der Gaspreise, noch die geringeren Gaslieferungen nach Europa würden die Einnahmen und Steuerzahlungen reduzieren.

Aktionäre reagierten auf die unerwartete Dividendenstreichung mit erheblichen Verkäufen. Die Aktie verlor innerhalb kürzester Zeit mehr als 30 Prozent an Wert. Die Dividende sei einer der wichtigsten Faktoren für die Attraktivität der Aktie gewesen, hieß es. "Der Verzicht auf die Dividendenzahlung für 2021 nimmt den Investoren nicht nur die Möglichkeit, Auszahlungen für 2021 zu fordern, sondern schafft auch Risiken für zukünftige Dividendenzahlungen", das sei ein sehr negativer Faktor, kommentierte die russische Investmentbank BKS.

Der Gazprom-Vorstand hatte zuvor noch angesichts des hohen Gewinns im Vorjahr eine Dividende von 52,53 Rubel pro Aktie (entspricht derzeit etwa einem Euro) angesetzt. Das wäre die höchste Ausschüttung in der Firmengeschichte gewesen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern dank kräftig gestiegener Preise für Öl und Gas einen Rekordgewinn von 2,09 Billionen Rubel (rund 27,5 Milliarden Euro).

Mögliche Reaktion auf diskutierte Preisobergrenzen

Auf der Hauptversammlung wurde dieser Vorschlag zur Gewinnausschüttung jedoch von den Eignern abgelehnt. Die Anzahl der Gegenstimmen entspricht dabei in etwa der Anzahl der Aktien, die der russische Staat am Konzern hält. Die Prämien für den Vorstand wurden hingegen mit etwa gleicher Stimmenzahl gebilligt.

Möglicherweise will sich der Staat damit für mögliche Preisobergrenzen für russisches Öl und Gas wappnen. Die G7-Staaten hatten vor wenigen Tagen angekündigt, dies angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine zu prüfen. Damit sollten die Möglichkeiten der russischen Regierung zur Finanzierung ihrer Invasion in der Ukraine eingeschränkt werden. Russland drohte daraufhin mit einer Änderung der Gas-Lieferverträge.

Obwohl Russland angesichts explodierender Energiepreise mehr verdient als vor der Invasion in der Ukraine, erwartet das Land für dieses Jahr ein Haushaltsdefizit von 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, da es die soziale Unterstützung und die der Wirtschaft zum Ausgleich der Sanktionen erhöht. Nach Einschätzung von Natalia Orlova, Chefvolkswirtin bei der Alfa Bank, benötigt Russland selbst bei diesem geplanten Haushaltsdefizit in diesem Jahr einen Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel, um seinen Haushalt auszugleichen.

mg/dpa-afx, Reuters
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