Rekordhoch im Visier Gaspreis klettert über 300 Euro

Die Pipeline Nord Stream 1 soll wegen Wartungsarbeiten wieder für ein paar Tage stillgelegt werden. Das lässt den Gaspreis deutlich steigen. Eon-Chef Birnbaum rechnet inzwischen mit dauerhaft hohen Energiepreisen.
Teurer Rohstoff: Der Preis für Erdgas bewegt sich auf sein Rekordniveau zu

Teurer Rohstoff: Der Preis für Erdgas bewegt sich auf sein Rekordniveau zu

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Der Gasmangel infolge des Ukraine-Krieges treibt den Gaspreis in Europa immer weiter nach oben. Er sprang nun am Donnerstag über die Marke von 300 Euro je Megawattstunde, nachdem sich der für den europäischen Gashandel richtungsweisende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in Amsterdam an den beiden Vortagen vergleichsweise stabil gehalten hatte.

Am Vormittag stieg der Preis um mehr als 6 Prozent auf rund 318 Euro je Megawattstunde. Damit hat sich der Preis im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 1000 Prozent verteuert. Nur in der Zeit unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine war der Preis für das in Europa gehandelte Erdgas kurzzeitig im Laufe des Handels mit einem Spitzenwert von 345 Euro höher gewesen. Da in der Historie nur die Schlussstände gespeichert werden, ist der Peak in der Tabelle nicht sichtbar.

Am Markt wurde der jüngste Höhenflug beim Gaspreis weiterhin mit einer erneuten Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 erklärt. Der russische Exporteur Gazrpom hatte angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline ab dem 31. August wegen Wartungsarbeiten für drei Tage zu unterbrechen.

Das nährte Befürchtungen, der ohnehin schon stark gedrosselte Gasfluss aus Russland könnte komplett stoppen, sollte die Lieferung nach der Pause nicht wieder aufgenommen werden.

Offiziell beteuert Russland aber, dass nach den Wartungsarbeiten täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden sollen. Das wären 20 Prozent der maximalen Kapazität und somit weiterhin das Niveau, auf das die Lieferungen vor ein paar Wochen verringert wurden.

Eon rechnet mit dauerhaft hohen Energiepreisen

Nach Einschätzung des Energiekonzerns Eon müssen sich die Verbraucher in Deutschland auf dauerhaft hohe Energiepreise einstellen. "Ich rechne nicht damit, dass wir zu den Preisen vor der Krise zurückkommen", sagte Vorstandschef Leonhard Birnbaum (55) am Donnerstag auf dem "Deutschen Energierechtstag 2022" in Essen. Die Preise dürften sich auf einem hohen Niveau einpendeln. Birnbaum warnte davor, den Blick nur auf die Gaspreise zu verengen. Die Strompreise seien ebenfalls stark gestiegen. Sie hätten 600 Euro pro Megawattstunde erreicht. "Bei 600 Euro pro Megawattstunde haben wir ein Problem." Vor einem Jahr lag der Preis noch bei rund 100 Euro.

Birnbaum kritisierte, dass es für Vertriebsunternehmen wie Eon bislang keine Regelungen für die Weitergabe der gestiegenen Preise gebe. Die ab Oktober geplante Gasumlage komme den Gasimporteuren zugute. "Wir haben die Risiken auf die Vertriebe verlagert." Für die Kunden mit Festpreisverträgen fehle die rechtliche Klarheit. Für die Bezahlbarkeit der hohen Preise spiele auch ein reduzierter Verbrauch eine große Rolle. "Kurzfristig ist Energiesparen das Gebot der Stunde."

mg/dpa-afx
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