Gamestop, AMC, Blackberry Robinhood stoppt Börsenrebellen - Flashmob-Aktien stürzen ab

Das massenhaft verabredete Aufpumpen von Nebenwerten ist am Donnerstag an Grenzen gestoßen. Broker-Apps wie Robinhood, Interactive Brokers oder Trade Republic wiesen ihre kaufwütigen Kunden zeitweise ab. Die Folge: Ihre Lieblingsaktien wie Gamestop, AMC oder Blackberry brechen wieder ein.
Beliebte Pose: Die Occupy-Wall-Street-Demonstranten von 2011 wollten den Reichtum der Finanzelite durch Steuern umverteilen, die Flashmob-Trader versuchen es mit den eigenen Mitteln der Wall Street

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Foto: Bebeto Matthews/ AP

Die Aktien von Gamestop, AMC Entertainment und anderen Lieblingen der neuen Basisbewegung an der Börse sind am Donnerstag nach dem atemberaubenden Höhenflug der vorigen Tage deutlich abgerutscht. Onlinebroker wie Robinhood Markets und Interactive Brokers schränkten den Kauf mehrerer von Aufrufen in sozialen Netzwerken getriebener Werte ein. Der Kaufrausch erschütterte die Börsen in den USA und anderen Ländern.

In den vergangenen Tagen hatten Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds gezwungen, ihre Wetten auf fallende Kurse bestimmter Unternehmen aufzulösen und ihnen schwere Verluste eingebrockt - dem Datenanbieter Ortex zufolge summieren sich diese bis dato auf mehr als 70 Milliarden Dollar.

Die AMC-Aktie  fiel am Donnerstag um 60 Prozent, während die Hauptindizes der Wall Street stiegen.

Die Aktie des Videospielhändlers Gamestop , die mit einer Rallye um 1700 Prozent im Mittelpunkt des Hypes stand, verlor ein Drittel.

"Robinhood schützt die Reichen vor den Armen"

"Die Sperre dieser Aktien durch Robinhood hat der Rallye so ziemlich ein Ende gesetzt", kommentierte der Händler Dennis Dick vom Broker Bright Trading aus Las Vegas. "Alle versuchen gleichzeitig, den Exit-Knopf zu drücken."

Robinhood beschränkte auch den Handel mit Blackberry , Koss  und Express  unter Berufung auf die "jüngste Volatilität". All diese Aktien verloren mindestens 30 Prozent. Ebenso handelte Interactive Brokers. Die Entscheidung wurde von Kleinanlegern, aber auch Prominenten und Politikern kritisiert.

"Robin Hood: eine Parabel über das Stehlen von den Reichen, um den Armen zu geben. Robinhood: eine App für den Schutz der Reichen davor, von den Armen unter Druck gesetzt zu werden", twitterte Jake Chervinsky, Anwalt des Fintech-Unternehmens Compound.

Robinhood und ähnliche Apps erheben den Anspruch, mit dem Fehlen von Gebühren den Börsenhandel zu demokratisieren. Während der Corona-Pandemie erlebten diese Plattformen einen Boom, da immer mehr Privatkunden den Onlinehandel mit Aktien aufnahmen. Robinhood zählt jetzt mehr als 13 Millionen Nutzer. Viele dieser Neukunden verabreden sich nun über Foren wie Reddit, um ausgewählte Aktien zu pushen - meist solche, die bisher kaum und zu geringen Kursen gehandelt wurden und gegen ein hoher Anteil von Leerverkäufen, also Wetten auf fallende Kurse, steht.

Trade Republic erklärt sich für überlastet

Die Flashmob-Anleger zwingen die hinter diesen Wetten stehenden Hedgefonds, diese Short-Positionen aufzulösen. Da kaum noch Aktien zum Kauf verfügbar sind, entsteht ein Short Squeeze und die Kurse schießen zusätzlich nach oben - sodass die selbst ernannten Umverteiler abkassieren können. Dies gelingt aber nur, wenn sie verkaufen, bevor die von ihnen bewusst erzeugte Spekulationsblase platzt.

Ganz profane, dem Geschäftsmodell aber ebenso abträgliche Gründe nannte der Berliner Onlinebroker Trade Republic : Man sei wegen des Börsenhypes um Gamestop an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Kunden hätten die App am Donnerstag wegen einer "außerordentlichen Überlastung" der angebundenen Handelsplätze nicht in vollem Umfang nutzen können, teilte Trade Republic mit. Hintergrund sei das extrem hohe Handelsaufkommen in normalerweise illiquiden Aktien wie der der US-Videospielehändlers Gamestop und anderer Firmen wie AMC Entertainment, Blackberry, Nokia  oder Bed Bath & Beyond .

Auch hier: quer durch die Bank hohe Verluste. Mit Nokia verlor sogar ein europäisches Börsenschwergewicht 13 Prozent.

Die massive Nachfrage nach solchen Titeln habe beim Handelsplatzpartner LS Exchange vereinzelt zu technischen Problemen geführt, erklärte eine Sprecherin von Trade Republic. Daraufhin sei man zum Handelsplatz Tradegate gewechselt, der nun ebenfalls aufgrund des außergewöhnlich hohen Handelsvolumens mit technischen Problemen kämpfe. Der Handel mit Derivaten sei nicht betroffen.

Kleinanleger sind seit Mitte Januar massenweise bei Gamestop eingestiegen und haben so dafür gesorgt, dass sich dessen Börsenwert um das 17-fache erhöhte. Die Anleger versuchen, professionelle Investoren auszuspielen, die auf fallende Kurse gewettet hatten. Allein in dieser Woche hat das den Gamestop-Kurs von 75 auf zeitweise 380 Dollar nach oben getrieben.

ak/AP, Reuters
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