Dax springt auf Rekordhoch Börse feiert Frankreich - und jetzt?

Der Dax notiert so hoch wie nie in seiner Geschichte - dabei ist die Wahl in Frankreich noch gar nicht gelaufen. Auch andernorts gibt es Risiken. Warum also steigt der Dax? Wer profitiert? Wie geht's weiter?

Der Erfolg des EU-freundlichen französischen Kandidaten Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen beflügelt die Stimmung der Anleger. Der Dax übersprang nach wochenlangem Anlauf knapp die fast genau zwei Jahre alte Bestmarke und markierte das Rekordhoch von 12.398 Zählern.

Dabei ist nach wie vor viel Unsicherheit im Markt: Brexit-Verhandlungen, ein unberechenbarer US-Präsident, drohende Handelsschranken als Bremsklotz für den Export. Und in Frankreich entscheidet erst die Stichwahl zwischen Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen am 7. Mai über die politische Zukunft der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums. Was also treibt die Kurse? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was die Aktienkurse treibt

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Emmanuel Macron: Dieser Mann ist Favorit auf Frankreichs Präsidentenamt

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Wichtigster Schmierstoff ist seit Jahren das viele billige Geld der Notenbanken. Über Minizinsen und billionenschwere Kaufprogramme fluten die großen Zentralbanken die Märkte mit Liquidität. Und die landet oft an den Aktienhandelsplätzen, weil andere Anlagen wie Festgeld oder Anleihen von Staaten mit sehr guter Kreditwürdigkeit wie Deutschland kaum noch etwas abwerfen.

Zwar zieht die US-Notenbank Fed die Zügel schrittweise an. Zuletzt erhöhte sie den Leitzins auf eine Spanne 0,75 bis 1,0 Prozent und stellte weitere Zinsanhebungen in Aussicht. Doch im Euroraum bleibt Geld absehbar ultrabillig: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlängerte ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen bis Ende 2017 und macht vorerst keine Anstalten, das Nullzinsniveau zu verlassen.

Die politische Unsicherheit sei zwar so hoch wie lange nicht, meint Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Aber an den Finanzmärkten ist davon nichts zu spüren, dort herrscht Sorglosigkeit." Die Zentralbanken sedierten das Risikobewusstsein der Anleger .

Der unverwüstliche Trump-Faktor

Börsianer in den USA sind seit Monaten in Feierlaune. Auch wenn die Euphorie zuletzt etwas nachließ, legte das wichtigste US-Börsenbarometer Dow Jones  im ersten Jahresviertel 2017 um gut viereinhalb Prozent zu. Am 25. Januar durchbrach der US-Leitindex erstmals die 20.000-Punkte-Schallmauer.

Präsident Donald Trump jubelte umgehend auf Twitter: "Great! #Dow20K". Beflügelt wird die dortige Rekordjagd von dem so genannten "Trump Trade", also der Hoffnung auf Steuergeschenke, laxere Vorschriften für Banken sowie Wirtschaftsimpulse der neuen US-Regierung. Zuletzt mehrten sich allerdings die Zweifel, dass Trump seine großen Versprechen zeitnah wird umsetzen können.

Warum der MDax stärker steigt

Der kleine Bruder des deutschen Leitindex Dax eilt seit geraumer Zeit von einem Rekord zum nächsten. Auch im langjährigen Vergleich steht er besser da als das wichtigste deutsche Börsenbarometer. "Der MDax  ist der Star unter den Indizes der Dax-Familie", kommentierte jüngst die DZ Bank.

Das Erfolgsgeheimnis: Die dort notierten 50 mittelgroßen Konzerne besetzen häufig Nischen und sind dort Weltmarktführer. Erfahrungsgemäß leiden sie weniger unter weltpolitischen Turbulenzen als Dax-Unternehmen, die in allen Schlüsselmärkten aktiv sind und keiner Krise wirklich ausweichen können. Mittelgroße Unternehmen gelten als flexibler - und sie haben in den vergangenen Monaten auch stark von dem schwächeren Euro profitiert.

Warum es trotzdem nicht mehr Aktionäre gibt

Die Zahl der Aktionäre steigt trotz Börsenboom nicht. In Deutschland sank sie im vergangenen Jahr sogar wieder knapp unter die Neun-Millionen-Marke. Nur jeder siebte Bundesbürger steckt laut Deutsches Aktieninstitut (DAI) Geld in Aktien und/oder Fonds.

Der Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung über 14 Jahre stagniert bei 14 Prozent. In den USA sind es 52 Prozent - was aber auch daher rührt, dass dort der Staat die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördert.

"Der Deutsche investiert und spart falsch", urteilt der Präsident des deutschen Fondsverbandes BVI, Tobias Pross. "Nicht mal das Schreckgespenst Negativzinsen bringt einen rational denkenden Menschen dazu, sich mit dem Thema Kapitalanlage intensiv auseinanderzusetzen."

Wer also profitiert vom Börsen-Höhenflug?

Die Kursrally spült vor allem Profi-Investoren wie Versicherungen, Vermögensverwaltern und Pensionskassen Geld in die Kasse - und die kommen mehrheitlich aus dem Ausland. Denn in Deutschlands erster Börsenliga haben ausländische Investoren das Sagen: Ihnen gehören nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mehr als 70 Prozent der Anteile der 30 Dax-Unternehmen. Bleibt die "Gretchen"-Frage nach der weiteren Kursentwicklung …

Wie geht es an den Aktienmärkten weiter?

Experten warnen vor allzu großer Euphorie. "Die Umsetzung der Wahlversprechen ist wohl schwieriger als von vielen Marktteilnehmern erwartet", schreibt Helaba-Analyst Reinwand mit Blick auf die USA. Anfällig seien US-Aktien auch aufgrund eines hohen Anteils kreditfinanzierter Käufe.

Die DZ-Bank verweist dagegen auf ein für Aktienmärkte grundsätzlich positives Umfeld. "Neben der weltwirtschaftlichen Beschleunigung, die sich erstmalig seit einigen Jahren in deutlich steigenden Unternehmensgewinnen niederschlagen sollte, erwarten wir auch nur einen moderaten Anstieg von Zinsen und Inflation." Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied der Fondsgesellschaft Union Investment, sieht es so: "Das Börsenjahr droht unruhig zu werden, da vieles im Umbruch ist."

Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit 

Von Jörn Bender und Friederike Marx, dpa ---
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