Milliardendeal "Frage mich, was McKesson mit Celesio will"

Celesio soll an den US-Pharma-Händler McKesson gehen. Unternehmensmutter Haniel hat seinen Anteil bereits verkauft, nun steht noch die Billigung der restlichen Aktionäre aus. Ein Deal mit vielen Fragezeichen, sagt der Fondsmanager Frank Lübberstedt.
Von Arne Gottschalck
Celesio: Hart umkämpfter Markt

Celesio: Hart umkämpfter Markt

Foto: Marijan Murat/ picture alliance / dpa

mm: Bringt der Deal Celesio tatsächlich so viel wie von der Börse erwartet?Die Aktie legte ja deutlich zu.

Lübberstedt: Ich beobachte Celesio  nun schon eine ganze Weile, gekauft habe ich die Aktie noch nie.

mm: Warum nicht?

Lübberstedt: Lange war das ein Unternehmen, bei dem Kurs- und Unternehmenswachstum Hand in Hand gingen. Insofern war es durchaus einen Blick wert. Doch das änderte sich langsam, die Bilanzposition "Immaterieller Wert" wuchs immer mehr. Ein Posten also, der nun schwer zu beurteilen ist. Dazu kam der Einfluss der Politik.

mm: In welcher Weise?

Lübberstedt: Das Medizingeschäft ist sehr stark reguliert, damit wird quasi vom Gesetzgeber festgelegt, was Sie als Unternehmen verdienen können. Und das mündete in kleinen Margen. Celesio versuchte gegenzusteuern, zum Beispiel mit der Expansion ins Ausland. Aber nachhaltig geplant wirkte das für mich nicht.

mm: Vor dem Hintergrund - was will denn McKesson dann mit Celesio?

Lübberstedt: Das frage ich mich auch. Ich vermute, es geht darum, Größe zu schaffen. Je größer Sie sind, umso größer auch Ihre Einkaufsmacht.

mm: Reicht das?

Lübberstedt: In meinen Augen nicht. Sie müssen ja auch Geld verdienen. Und wenn ein Geschäftsmodell darin besteht, so günstig wie möglich einzukaufen, finde ich das ungenügend.

Kein Zalando-Zauber

mm: Aber Zalando macht das doch recht erfolgreich, um mal ein Gegenbeispiel zu nennen.

Lübberstedt: Ja, die wachsen stark, um günstig einzulaufen. Aber wie sollen die Erträge bei einer Retourenquote von um die 50 Prozent mittelfristig funktionieren?

mm: Zurück zu Celesio - ist das für die Aktionäre des Unternehmens eine gute Entwicklung?

Lübberstedt: Wer 2007 eingestiegen ist, hat sowieso schon Geld verloren. Es wird interessant sein zu sehen, was McKesson tatsächlich mit dem Unternehmen vorhat.

mm: Ein US-Unternehmen kauft ein deutsches Unternehmen - ist das ein Zeichen für die gestiegene Anerkennung deutscher Unternehmen im Ausland?

Lübberstedt: Nun, zuletzt sah man so etwas häufiger, zum Beispiel ein verbindliches Übernahmeangebot der Chinesen für Klöckner Humboldt Deutz.

mm: Aber ist der Einstieg in deutsche Unternehmen, losgelöst von Celesio gesprochen, nicht ein wenig teuer? Der Dax  notiert immerhin so hoch wie nie.

Lübberstedt: Das denke ich nicht, wenn Sie hören, wer alles noch nicht investiert ist. Versicherungen haben noch immer eine sehr geringe Aktienquote. Das lässt noch genug Luft nach oben. Die Skepsis ist noch viel zu groß. Wenn die "Bild"-Zeitung vom Dax für 12.000 Punkte schreibt, dann sollte das persönliche Alarmsystem aktiviert werden, da dann wahrscheinlich jeder in Aktien investiert sein wird.

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