Digitalbanken im Finanzierungsrausch Das irre Rennen zwischen Revolut und N26 geht weiter

Die britische Neobank Revolut schraubt ihre Bewertung nach einer Finanzierungsrunde auf 33 Milliarden Dollar. Doch auch der kleinere deutsche Wettbewerber N26 will vor seinem Börsengang noch ein letztes Mal groß absahnen.
Nikolay Storonsky: Der Revolut-Gründer und CEO des Unternehmens hat sich noch nicht konkret zu einem möglichen Börsengang geäußert

Nikolay Storonsky: Der Revolut-Gründer und CEO des Unternehmens hat sich noch nicht konkret zu einem möglichen Börsengang geäußert

Foto: PEDRO NUNES / REUTERS

Die Fintech-Branche ist derzeit der Star und extrem gefragt unter Investoren. Fintechs hätten sich in den vergangenen Jahren zu einer der attraktivsten Start-up-Branchen entwickelt, sagt KPMG-Experte Ashkan Kalantary. Und das Geld dürfte noch lange fließen: "Für Fintech steht ein goldenes Jahrzehnt an", prognostiziert Start-up-Investor Jan Beckers ebenfalls im Interview mit manager magazin. Überproportional stark vom Geldregen der Investoren profitieren dabei weit entwickelte Start-ups, gefestigte junge Firmen also, die sich in der Spät- und Endphase befinden, wie Venture-Capital-Experten sagen. Das zeigt sich jetzt erneut am Beispiel Revolut.

Die britische Digitalbanking-App und Wettbewerber von N26 hat in einer neuen Finanzierungsrunde angeführt von Softbanks Vision Fund 2 mehr als 800 Millionen Dollar eingesammelt. Die Bewertung von Westeuropas größter Neobank schraubt sich damit auf umgerechnet 33 Milliarden Dollar hoch, teilt das Unternehmen am Donnerstag mit . Noch Anfang vergangenen Jahres brachte Revolut es auf eine Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar.

Revolut plant globale "Super-App"

2015 von dem ehemaligen Credit-Suisse-Händler Nik Storonsky und dem Entwickler Vladyslav Yatsenko gegründet, hat Revolut mit seinen Produkten wie Devisen, Aktienhandel und Kryptowährungen bereits mehr als 16 Millionen Kunden gewonnen. Nun will das Unternehmen die Produktpalette um eine "globale Super-App" erweitern - eine App also, mit der Kunden nicht nur all ihre Finanzen regeln, sondern auch irgendwann shoppen oder eine Mitfahrgelegenheit buchen können. Vorbild dafür könnte die russische Digitalbank-App Tinkoff  sein. Wie es in der Mitteilung weiter heißt, wolle Revolut das frische Geld auch zur Expansion in den USA und Indien nutzen.

N26 strebt vor Börsengang Zehn-Milliarden-Bewertung an

Doch auch beim deutschen, mit sieben Millionen Kunden deutlichen kleineren Wettbewerber N26 tut sich was: Laut Bloomberg  befinden sich die Berliner in Gesprächen mit Investoren, die in einer mehrere hundert Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde den Wert des Unternehmens auf bis zu zehn Milliarden Dollar hieven könnte. N26 wird unter anderem von den Tech-Investoren Peter Thiel (53) und Li Ka-Shing unterstützt. Es soll sich dabei um die letzte Finanzierungsrunde vor dem Börsengang handeln. N26 wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

N26 hatte für das letzte Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 110 Millionen Euro gemeldet und sah sich zuletzt auch verstärkten Gegenwind von Aufsehern ausgesetzt. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin etwa verpasste N26 einen Aufpasser, der die Anstrengungen des Unternehmens in der Prävention gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwacht. Hier habe N26 erheblichen Nachholbedarf, hieß es im vergangenen Mai.

rei
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