Die dreistufige Revolution Wie Fintechs die Banken ärgern

Von Arne Gottschalck

Noch vor einem Jahrzehnt war die Welt für die die klassischen Banken in Ordnung. Die Kunden kamen um die Herren in Grau nicht herum und wurden dort mit Krediten, Konten und Kapitalanlage versorgt. Heute, nach Finanzkrise sowie Bailout durch den Steuerzahler und Staaten, wird vieles im Internet erledigt. Eine Chance für die Finanzindustrie. Aber auch eine Herausforderung. Denn die Fintechs wachsen rasant. Sie bieten an, was Banken anbieten - nur eben im Netz. Für die USA beispielsweise prognostiziert das Beratungshaus Price Waterhouse Coopers (Pwc) binnen zehn Jahren ein Anschwellen auf 150 Milliarden Dollar. Und das stellt die klassische Finanzindustrie vor eine echte Herausforderung.

Amy Nauiokas, Gründerin des Fintechs Anthemis, fasst sie in Worte: "Große Organisationen erkennen, wo der Markt war, wo sie hingehen, können diese Trends identifizieren. Aber ich denke, die startups werden sich immer etwas flinker bewegen." David gegen Goliath, Newschool vs. Oldschool, Nerd gegen Buchhalter? Nein, eher eine Entwicklung, bei der der eine vom anderen zu lernen versucht. Danach sah es lange nicht aus. Im Gegenteil.

Phase 1 - Verleugnung

Foto: Corbis

Banken hatten vor allem zwei Dinge - Kapital und den Zugang zum Kunden. Das hat über Jahrhunderte gereicht, um erfolgreich zu sein. Dann kamen die Fintechs, die Anlage oder Kredite per Computer bedienen wollten. Und stellten die Banken damit infrage. Zu klein, kein Gewicht, so die erste Phase der Revolution. Es folgte Phase 2.

Phase 2 - Panik

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Während die Banken damit beschäftigt waren, den Scherbenhaufen der Finanzkrise im eigenen Unternehmen beiseite zu kehren, konnten die Fintechs punkten. Unter anderem, weil den Menschen durch die Krise Zweifel an der Integrität der Finanzindustrie gekommen sind und die Fintechs Alternativen bereitstellen. Schrecken in Frankfurt, London und New York.

Das betrifft vor allem den Bereich der Kredite, so "businessinsider".  Plattformen wie Lendingclub und Prosper in den USA oder Funding Circle und Zopa in Großbritannien haben gewaltig an Popularität gewonnen, so das Blatt. Immerhin können Fintechs mit drei Eigenschaften punkten, schreibt Unternehmensberatung Horvath-Partners in einer Studie - Kundenorientierung, Vollautomatisierung und damit einhergehend geringe Kosten sowie Transparenz. Eine Art binärer Warren Buffett, das wäre in der Tat der Alptraum der Banker. Hochkompetente Beratung mit der Web-Durchdringung einer Amazon . Davon ist die Branche noch weit entfernt.

Phase 3 - Arrangement

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Nach Phase 1 und 2 folgt das gegenseitige Arrangement. Auf der einen Seite die Erkenntnis, dass in den Fintechs durchaus gute Ideen stecken. Und das die Menschen den Banken nicht mehr uneingeschränkt vertrauen. 6 von 10 Deutschen wären bereit, Geldanlage und Kreditgeschäfte über "die Neuen" zu tätigen, zumindest grundsätzlich, so die Studie "Digitales Banking 2015" von Cofinpro. Nur 3 von 10 Befragten legen bei der Geldanlage Wert auf einen persönlich bekannten Berater. Und je jünger, umso offener. Die Zeit spielt also für die Fintechs, deren Akzeptanz steigen dürfte, je mehr Zeit ins Land geht. Das gleiche gilt aber auch für die Banken.

Scheitern inklusive

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Denn die beobachten die Entwicklungen der binären Konkurrenz sehr genau - schon weil die zweite Erkenntnis der skizzierten Entwicklung die ist, dass Fintechs für Banken & Co. eine ideale Ergänzung sein können. "Banken lernen von den Fintechs "Innovation", was im großen Konzern ohne Rückendeckung vom Vorstand immer schwierig ist", sagt Gregor Puchalla, Geschäftsführer von FintechStars, der Fintech-Unit der Digitalberatung etventure. "Und Fintechs profitieren vom Kundenzugang der Banken. Deswegen sieht man zur Zeit etliche Banken, die mit Fintechs kooperieren." Oder sich gleich dort einkaufen.

Die Commerzbank sicherte sich Anteile an der Handelsplattform Etoro, die UBS setzt auf Level 39 und Barclays auf einen "Accelerator", so das Handelsblatt.  Und so dürfte es weiter gehen.

"Die bisherige Strategie der Banken abzuwarten und zu beobachten, wird jetzt zunehmend schlechter funktionieren", sagt Carl von Stechow, Gründer von Zinsland.de. "Finanzunternehmen sind gefordert selbst aktiv zu werden und sich der Entwicklung zu stellen. Meiner Meinung nach sollten die Banken die Fintech-Szene nicht als Gegenentwurf zu ihrem Geschäft sehen, sondern als Impulsgabe zur Weiterentwicklung der gesamten Branche."

Für die Banken ist das eine Frage wie bei jedem Investment: Welches ist das nächste Apple? Erweist sich ein Fintech als so eine Goldgrube wie der US-Handybauer, wäre vermutlich jeder Preis angemessen. Auf der anderen Seite müssen die Banken erkennen, dass Stufe 3 noch nicht das Ende ist. Denn eine ganze Menge Fintechs werden noch scheitern, so das eherne Gesetz der Innovation. Und nur wenige überleben. Genau die wollen die Kunden - und die Banken.