Daniel Pfändler

Finanzmarktprognose 2021 Der Aufschwung kommt – aber nicht für alle

Daniel Pfändler
Eine Meinungsmache von Daniel Pfändler
Im Frühjahr beginnt für Anleger die Nach-Corona-Zeit: Weltweite Konjunkturerholung, steigende Börsenkurse. Der Konsum und der Optimismus kehren zurück. Aber auch ein lang verschwundenes Schreckgespenst.
Der Alte Markt in Kiel, ein gastronomischer Hotspot im November-Lockdown: Die angestaute Konsumlust dürfte sich ab dem Frühjahr entladen

Der Alte Markt in Kiel, ein gastronomischer Hotspot im November-Lockdown: Die angestaute Konsumlust dürfte sich ab dem Frühjahr entladen

Foto: Petra Nowack / imago images/penofoto

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen – Entschuldigung, aber der musste jetzt sein. Denn selten passte dieses Bonmot so gut wie im Jahr 2020, das so völlig anders verlaufen ist als erwartet. Eine Pandemie, die unseren Alltag umkrempelt und mit hohen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden einhergeht, hatte vor zwölf Monaten fast niemand auf dem Radar.

Und da sie bis heute andauert, ist auch die hier skizzierte Prognose für das kommende Jahr mit ausgeprägten Risiken behaftet. Die tatsächlichen Entwicklungen halten sich nun einmal nicht unbedingt an Vorhersagen. Weil aber die Entscheidungen der Wirtschafts- und Finanzmarktakteure immer auf die Zukunft gerichtet sind und daher grundsätzlich unter Unsicherheit vorgenommen werden, bleiben die Einschätzung der wahrscheinlichen Entwicklungen wichtig – auch in Zeiten der Pandemie.

Der Konsum wird wachsen – und wie

Die baldige Verfügbarkeit von Impfstoffen wird das Virus zwar nicht gänzlich zum Verschwinden bringen, aber es ist absehbar, dass die Corona-Pandemie mit Beginn des Frühjahrs an Dynamik verlieren und damit nicht mehr das dominierende makroökonomische Thema sein wird. Die Social-Distancing-Maßnahmen auf der nördlichen Halbkugel werden stark gelockert werden können. In der Folge hellt sich der Wirtschaftsausblick massiv auf.

Viele Haushalte haben ihren Konsum in diesem Jahr reduziert. Entweder weil sie etwa aufgrund von Reisebeschränkungen oder Restaurantschließungen nicht konsumieren konnten, oder weil sie es aus Gründen der Vorsicht nicht wollten. Das Volumen dieser aufgestauten Nachfrage ist sehr hoch. Und vom Frühjahr an dürfte es sich entladen.

Die Inflation kehrt zurück

Parallel dazu zeichnet sich für das kommende Jahr ein nahezu synchroner Aufschwung in fast allen wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt ab, wobei sich die verschiedenen Effekte gegenseitig noch verstärken dürften. Mit dem Regierungswechsel in Washington dürften die Konflikte, die den Welthandel seit Anfang 2018 spürbar beeinträchtigt hatten, zumindest vorerst abgeschwächt werden.

Schließlich dürfte für einen längeren Zeitraum weder die Geld- noch die Fiskalpolitik aktiv gestrafft werden. Im Gegenteil, es zeichnen sich zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen ab. So dürfte die EZB in dieser Woche die Geldpolitik einmal mehr lockern und der von der EU verabschiedete Hilfsfonds "Next Generation EU" wird es den höher verschuldeten Ländern der Euro-Zone erlauben, an einer akkommodierenden Fiskalpolitik festzuhalten. Im US-Kongress zeichnet sich ebenfalls eine Annäherung für ein neues Fiskalpaket ab. Daher sollte die globale Wirtschaftsdynamik 2021 an Fahrt gewinnen und sowohl regional als auch sektoriell sehr breit aufgestellt sein.

Die Kehrseite dieser Entwicklung: Das Risiko einer moderaten Überhitzung nimmt für 2023 zu und die Inflation dürfte in den nächsten Jahren spürbar ansteigen.

Der Verlierer ist der Dollar

Dieses makroökonomische Umfeld sollte risikobehafteten Anlagen erhebliche Unterstützung bieten. Die Aktienmärkte dürften durch deutlich zunehmende Gewinne und Gewinnerwartungen getrieben werden. Dies sollte insbesondere zyklische Sektoren wie Industriegüter, Energie oder Financials beflügeln. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse dürften hingegen unter Druck geraten, was zu einer Underperformance defensiver Sektoren mit stabilen Cash-Flows führen könnte, wie etwa Gesundheit, nicht zyklische Konsumgüter oder Versorger führen könnte. Rückschläge an den Aktienmärkten bieten sich daher weiterhin als Nachkaufgelegenheiten an.

Aus regionaler Sicht ist zu erwarten, dass vor allem die Schwellenländer, aber auch Europa performen, während die USA ins Hintertreffen geraten. Ein globaler Aufschwung ging in der Vergangenheit meist mit einem schwächeren US-Dollar einher. Dieser ist aktuell ohnehin überbewertet und dürfte aufgrund gesunkener Renditevorteile in Kombination mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit längerfristig abwerten. Hinzu kommt, dass US-Aktien im internationalen Vergleich hoch bewertet sind. Es könnten daher Kapitalabflüsse aus den USA in andere, attraktivere Märkte erfolgen.

Euro, Schwellenländer und Rohstoffe gewinnen

Der Euro dürfte hingegen mit einer nachhaltigen Wachstumserholung aufwerten. Sein Renditenachteil hat sich vor dem Hintergrund der Pandemie erheblich verringert. Gleichzeitig hat die Einführung des Hilfsfonds "Next Generation EU" die systemischen Risiken in der Euro-Zone deutlich reduziert. Der Leistungsbilanzüberschuss von mehr als zwei Prozent dürfte dem Euro strategische Unterstützung bieten. Darüber hinaus sollte Europa auch von einem erstarkenden Welthandel sowie einer erneuten Annäherung an die USA und dem Ende der Zolldrohungen profitieren. Dies gilt ebenso für die Schwellenländer.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite dürften die Rohstoffexporteure stehen. Die synchrone Erholung von globaler Industrieproduktion und weltweiter Nachfrage sollte vor allem Industriemetallen eine gute Unterstützung bieten. Öl hat im laufenden Jahr underperformt, vor allem aufgrund des pandemiebedingten Nachfrageeinbruchs in der Luftfahrtbranche. Wenn sich Nachfrage 2021 wieder normalisiert, dürften auch die Ölpreise wieder höher tendieren. Aktien und Anleihen von Rohstoffproduzenten erscheinen vor diesem Hintergrund attraktiv.

Hoffnung bei Staatsanleihen, Vorsicht bei Gold

Auf der anderen Seite dürften die sogenannten Safe-Haven-Währungen japanischer Yen und Schweizer Franken unter Druck geraten. Sie haben seit dem Ausbruch der Handelskonflikte aufgrund der erhöhten politischen und makroökonomischen Unsicherheit aufgewertet und insbesondere während der Corona-Krise von hohen Zuflüssen profitiert. Das Abebben der Pandemie sowie die Erholung des Welthandels und ein generell höherer Risikoappetit könnten jetzt zu Abflüssen führen.

Bei Bundesanleihen sowie US-Treasuries dürften im kommenden Jahr eine anhaltend hohe Neuverschuldung in Kombination mit der kräftigen Erholung des Bruttoinlandsprodukts zu steigenden Renditen am langen Kurvenende beitragen. Die Zinsen am kurzen Ende werden hingegen noch für einen längeren Zeitraum kaum ansteigen können. Der Renditeanstieg dürfte hauptsächlich durch höhere Inflationserwartungen getrieben sein.

Gold dürfte einerseits von einem schwächeren US-Dollar und einer anhaltenden Ausweitung der Zentralbankbilanzen profitieren, andererseits wirken höhere Nominalzinsen als Belastung. Der Goldpreis sollte daher im ersten Halbjahr 2021 höher tendieren, im zweiten Halbjahr aber stabil bleiben oder leicht schwächer werden. Kryptowährungen wie der Bitcoin oder Ethereum könnten sich zusehends als eigene Anlageklasse etablieren – allerdings mit sehr hoher Volatilität.

Daniel Pfändler ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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