Donnerstag, 27. Juni 2019

Finanzmärkte in Crash-Gefahr US-Ökonom Roubini warnt vor Zeitbombe am Bondmarkt

Crash-Prophet Roubini: Marktenge könnte nach seiner Meinung zum Crash an den Bondmärkten führen

Nouriel Roubini, prominenter US-Ökonom und einer von wenigen, die recht präzise vor dem großen Crash 2008 gewarnt hatten, sieht an den Finanzmärkten erneut eine gefährliche Konstellation. Trotz Liquiditätsschwemme seitens der Notenbanken, so Roubini in einem Beitrag im britischen "Guardian", bestünde am Markt erhebliche Illiquidität. Das sei an einer Serie jüngster Schocks zu erkennen, so der Experte.

Die Folge ist laut Roubini eine Liquiditäts-Zeitbombe, die zu platzen droht. Es könne ein abrupter Markteinbruch folgen, der die Korrekturen der jüngeren Vergangenheit deutlich übertreffe, schreibt der Ökonom. "Das Risiko eines Crashs steigt."

Roubini hat für seine Warnung vor allem vier Argumente, die sich insbesondere um das Geschehen auf den Anleihemärkten drehen, in die in der Vergangenheit besonders viel Geld investiert wurde:

  • Das Geschehen am heutigen Finanzmarkt wird stark von Hochfrequenzhändlern bestimmt, die Computerprogramme für sich arbeiten lassen. Diese Programme seien vor allem zu Beginn und am Ende eines Handelstages aktiv, so dass es auch zu diesen Zeiten zu den höchsten Handelsaktivitäten komme. Speziell an den Anleihemärkten gehe es den Rest des Tages deutlich ruhiger zu. Sprich: illiquider.
  • Ohnehin handelt es sich laut Roubini bei Bondmärkten - seien es jene für Staatsanleihen, für Unternehmensanleihen oder für Papiere von Schwellenländern - um wenig liquide Märkte. Denn die Geschäfte würden häufig nicht auf stark frequentierten öffentlichen Börsen gemacht, wie bei Aktien. Stattdessen fänden die Transaktionen vielfach "over the counter" statt, so der Experte.
  • Nicht genug damit, dass Anleihemärkte per se illiquider seien als beispielsweise Aktienbörsen. Laut Roubini werden auf der anderen Seite viele der Anleihen in offenen Fonds gehalten, deren Anteilseigner ihr Geld über Nacht abziehen könnten. Die Folge sei, dass ein Run der Investoren die Preise der Anleihen besonders schnell fallen lassen könne.
  • Viertens: Vor der Krise 2008 traten noch vielfach Banken als Market-Maker auf und stabilisierten das Geschäft. Das sei inzwischen anders, so Roubini. Aufgrund stärkerer Regulierung hätten sich viele Institute aus dieser Rolle zurückgezogen, was die Märkte zusätzlich anfällig mache.

Verschiedene kleinere Schocks haben die Märkte in der Vergangenheit bereits gesehen, die auf die beschriebenen Liquiditätsengpässe hinwiesen, so der Volkswirt. Zuletzt war es der plötzliche Anstieg der Renditen deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die vor wenigen Woche binnen Tagen von 0,05 Prozent auf 0,8 Prozent in die Höhe schnellten.

Nach Roubinis Darstellung ist in nächster Zeit lediglich ein Auslöser erforderlich - beispielsweise ein Signal der US-Notenbank Fed früher an der Zinsschraube zu drehen als erwartet - und es könnten abrupte und dramatische Marktreaktionen folgen. Investoren müssten ihre Assets dann sehr schnell abstoßen, was aufgrund der Marktenge kaum möglich sei. "The sellers are forced into fire sales", schreibt der Experte.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Das sei die Folge der großzügigen Geldpolitik, die auf die Finanzkrise folgte, so das Fazit Roubinis: Die Geldschwemme der Notenbanken führe zu Booms und Blasen an den Märkten. Die Illiquidität könne nun jedoch einen Einbruch und Kollaps auslösen.

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