Freitag, 15. November 2019

Neuer Abgasskandal? US-Behörde wirft Fiat Chrysler Abgasbetrug vor

Fiat Chrysler Zentrale in Auburn Hills: Kommt auf den Autokonzern ein ähnlicher Skandal wie auf VW zu?

Die Aktien von Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen sind am Donnerstag in New York zeitweise um rund 15 Prozent abgesackt. Damit fielen sie auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar zurück. Der Grund: Nach VW könnte nun auch Fiat Chrysler in einen Abgasskandal geraten.

Die US-Umweltbehörde EPA wirft dem italienisch-amerikanischen Autobauer ebenfalls bei Dieselfahrzeugen einen massiven Verstoß gegen das Luftreinhaltegesetz vor. Nach Darstellung der EPA hat der Konzern illegal eine Software zur Manipulation von Schadstoffemissionen eingesetzt. Das Management wies diesen Vorwurf zurück.

Die Anschuldigungen gegen Fiat Chrysler kommen nur einen Tag, nachdem sich VW mit den amerikanischen Behörden im Dieselskandal auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt hatte. Der Fall Volkswagen hatte die EPA 2015 zu einer großangelegten Untersuchung von Diesel-Fahrzeugen in den USA veranlasst.

Ein Ergebnis davon sind nun die Vorwürfe gegen Fiat Chrysler. Es geht um 104.000 Lastwagen und SUVs von Chrysler, die seit 2014 verkauft wurden. Darin soll eine Software eingesetzt worden sein, die eine Überschreitung der erlaubten Schadstoffemissionen ermöglichte. Nach Darstellung der Behörden hat der Autobauer diese Technologie nicht angemeldet.

"Wenn eine Software, die Emissionen in einem Fahrzeugmotor beeinflusst, nicht offengelegt wird, ist dies ein ernsthafter Gesetzesverstoß, der zu einer schädlichen Verschmutzung der Luft führen kann, die wir atmen", erklärte EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, betonte: "Erneut hat ein großer Autohersteller beschlossen, die Regeln zu umgehen, und ist erwischt worden."

Fiat Chrysler äußerte sich in einer Erklärung "enttäuscht" von den Einschätzungen der EPA. Die Diesel-Wagen des Konzerns erfüllten alle behördlichen Anforderungen, betonte das Management.

Noch vor wenigen Tagen hatte Fiat Chrysler in den USA für positive Schlagzeilen gesorgt. Das Unternehmen kündigte an, in großem Stil in die US-Traditionsmarke Jeep investieren und so bis 2020 rund 2000 Jobs in den Vereinigten Staaten schaffen zu wollen. Eine Milliarde Dollar (950 Millionen Euro) sollen in zwei Werke in den US-Bundesstaaten Michigan und Ohio gesteckt werden, teilte der Autobauer mit.

Hintergrund war womöglich der Druck, den der künftige US-Präsident Donald Trump auf Autohersteller aus aller Welt ausübt, mehr in den USA und nicht an günstigeren Standorten wie etwa Mexiko zu produzieren.

cr/rtr/afp

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