Dienstag, 2. Juni 2020

Sportwagenbauer trotzt Corona-Krise Ferrari plötzlich mehr wert als General Motors

Ferrari-Modell F8: Der italienische Hersteller kommt bislang gut durch die Krise.

Der Vorsprung, mit dem Ferrari am Montag vor General Motors Börsen-Chart zeigen aus dem Handel an der Börse in New York ging, war so knapp wie bei einem spannenden Formel-1-Rennen: Mit einem Kursplus von knapp 6 Prozent beendete die Aktie der Italiener den Tag bei 158,53 Dollar. Damit bewerten die Investoren die Sportwagenschmiede mit rund 29,9 Milliarden Dollar erstmals höher als den US-Autobauer General Motors, der zum gleichen Zeitpunkt auf einen Marktwert von 29,7 Milliarden Dollar kam. Wohlgemerkt: Ferrari verkauft etwa 10.000 Autos im Jahr - General Motors dagegen zuletzt 7,7 Millionen.

Auch der US-Hersteller Ford Börsen-Chart zeigen ist mit knapp 20 Milliarden Dollar längst weniger Wert als der italienische Kultkonzern. Und Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen, aus dem Ferrari 2015 ausgegliedert und an die Börse gebracht worden war, wirkt mit einem Börsenwert von 13 Milliarden Dollar ebenfalls längst abgehängt.

Gemessen am Marktwert ist Ferrari dagegen inzwischen den deutschen Luxusklasse-Fabrikateuren BMW Börsen-Chart zeigen (umgerechnet rund 37 Milliarden Dollar wert) und Daimler Börsen-Chart zeigen (36,4 Milliarden Dollar) auf den Fersen.

Grund zur Zufriedenheit also für Ferrari-Aktionäre. Ohnehin hat sich das Papier seit dem Börsengang 2015 mit einem Kursplus von mehr als 200 Prozent bestens entwickelt. In der Corona-Krise zeigt Ferraris Aktie zudem bemerkenswerte Stabilität. Während die Konkurrenz von BMW, Daimler und Co zum Großteil Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich verbuchen musste, notieren die Anteilsscheine des Herstellers mit dem Pferdchen im Logo gegenüber dem Niveau von Anfang Februar mit lediglich geringen Verlusten.

Dabei bekam Ferrari die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Auswirkungen vor allem im Heimatland Italien, das besonders stark von der Pandemie betroffen ist, durchaus zu spüren. Seit Mitte März ruhte die Produktion in den Werken in Maranello und Modena mehrere Wochen lang. Wie Bloomberg berichtet, könnte das eine Produktionslücke von 2000 Fahrzeugen bedeuten. Erst seit dieser Woche produziert Ferrari dort wieder Autos, die volle Schlagzahl soll in wenigen Tagen erreicht werden.

Dass Investoren dem Unternehmen dennoch die Treue halten, hat Gründe: Anleger setzen auf Ferraris starke Marke sowie darauf, dass das Unternehmen seine hohen Preise und Gewinnmargen auch während der Krise durchsetzen kann, berichtet etwa der US-Sender CNBC. Zudem haben sich offenbar auch die Kunden von dem Hersteller bislang kaum abgewendet. Es gebe durchaus Abbestellungen in den USA und Australien, sagte CEO Louis Camilleri Medienberichten zufolge am Montag in einem Conference-Call gegenüber Analysten. Das sei jedoch nichts, weswegen die Alarmglocken angehen müssten. Vielmehr blieben die Auftragsbücher den Angaben zufolge voll, und die Auslieferungen stiegen im ersten Quartal sogar um 5 Prozent, wie Bloomberg berichtet.

Zwar senkte Ferrari am Montag die Prognose für die Geschäftsergebnisse im weiteren Jahresverlauf. Die Reaktion der Börse mit dem Kursplus von am Ende rund 6 Prozent zeigt jedoch: Die neuen Aussichten sind keineswegs so schlecht, dass Investoren deshalb die Flucht ergreifen würden - im Gegenteil.

Beim Umsatz werde unter anderem wegen der lange Zeit geschlossenen Fabriken und der verkürzten Formal-1-Saison jetzt ein Rückgang auf 3,4 Milliarden Euro bis 3,6 Milliarden Euro erwartet, teilte das Unternehmen in Maranello mit. 2019 hatte der Umsatz 3,8 Milliarden Euro erreicht, und für 2020 hatte der italienische Konzern bisher einen Anstieg auf mehr als 4,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Gekürzt wurde auch die Vorhersage für den Gewinn des Unternehmens: So soll sich der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der neuen Prognose zufolge auf 1,05 Milliarden Euro bis 1,2 Milliarden Euro belaufen. Bisher hatte Ferrari mit einem Anstieg auf bis zu 1,43 Milliarden Euro gerechnet.

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Da sich die Corona-Pandemie erst ab Ende Februar beziehungsweise Anfang März massiv außerhalb Chinas ausbreitete, ging zudem der Umsatz des Unternehmens im ersten Quartal nur leicht zurück. Er fiel um ein Prozent auf 932 Millionen Euro, obwohl die Zahl der ausgelieferten Sportwagen um 5 Prozent auf 2738 Fahrzeuge sogar zulegte. Das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) legte leicht auf 317 Millionen Euro zu. Der Überschuss sank um 8 Prozent auf 166 Millionen Euro.

Die Ergebnisse zeigen eine "starke Widerstandsfähigkeit", urteilt Massimo Vecchio, Analyst der UBI Banca, laut Bloomberg. Investoren an der Börse scheinen das ähnlich zu sehen.

mit Material von dpa-afx

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