Wissenschaftler analysieren Zins-Entscheide in USA So können Anleger mit der US-Notenbank Geld verdienen

Worte, die bares Geld wert sein können: Fed-Chef Jerome Powell erläutert regelmäßig die Zinsentscheidungen seines Hauses.

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Am Mittwoch ist es wieder so weit: Die Köpfe der US-Notenbank Fed kommen zusammen, um über ihre Zinspolitik zu entscheiden. Erwartet wird allgemein, dass das Federal Open Market Committee (FOMC) den Leitzins ein weiteres Mal anheben wird. Es wäre bereits der dritte Zinsschritt in den USA in diesem Jahr und der achte seit Beginn des aktuellen Zyklus Ende 2015.

"Angesichts des anhaltend starken Konjunkturtrends ist die dritte Leitzinsanhebung in diesem Jahr eher eine Formsache", sagt etwa Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Auch Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners ist sich sicher: "Eine Zinserhöhung gilt als ausgemacht."

So viel also zur Erwartungshaltung - doch was, wenn es anders kommt? Dann können Anleger, die schnell reagieren und sich richtig positionieren, bares Geld verdienen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die zwei Professoren der University of Chicago Booth School of Business sowie der University of Notre Dame im US-Staat Indiana durchgeführt haben.

Dass die Börse angesichts unerwarteter Neuigkeiten kurzfristig heftig ausschlagen kann, ist allgemein bekannt. Die Wissenschaftler aus den USA haben nun aber festgestellt: Im Falle der Notenbankpolitik lösen Überraschungen regelmäßig erkennbare Bewegungsmuster bei den Aktienkursen aus, die bereits mehr als drei Wochen vor dem Stichtag des Zinsentscheids beginnen, und die - für die meisten Investoren besonders wichtig - noch gut zwei Wochen danach andauern.

Um das zu erkennen, haben die Wissenschaftler Endscheidungen der Fed aus den Jahren 1994 bis 2009 unter die Lupe genommen - und die Bewegungen, die in deren Umfeld an den Aktienmärkten zu beobachten waren. Ergebnis: Interessant wird es vor allem, wenn die US-Notenbank nicht tut, was der Markt erwartet.

Dabei muss grundsätzlich zwischen zwei Fällen unterschieden werden. Erstens: Die Fed kann die Märkte positiv überraschen, indem sie den Zins weniger stark anhebt als allgemein erwartet. Und zweitens: Sie kann die Märkte negativ überraschen, indem sie den Zins stärker anhebt.

Die Aktienkurse bewegten sich "vorhersagbar vor und nach beiden Arten von Überraschungen", so das Resultat der Analyse, die manager magazin online vorliegt. Demnach begannen die Kurse 25 Tage vor einer positiven Überraschung zu steigen. Bei negativen Überraschungen gab es im gleichen Zeitraum eine entsprechende Bewegung in die andere Richtung.

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Und die für Anleger womöglich besonders wertvolle Erkenntnis: Auch nach einem überraschenden Fed-Entscheid setzten die Kurse ihre Bewegung fort, und zwar weitere 15 Tage lang.

Insgesamt, so die Studie, ergab sich auf diese Weise eine Out- oder Underperformance von 4,5 Prozent bei den Aktienkursen, wovon allein 2 Prozentpunkte auf den Zeitraum nach dem Zinsentscheid entfielen. Die Anleger, so die Studie, könnten das nutzen, indem sie sich am Markt entsprechend im richtigen Moment "long" oder "short" positionierten.

Grundsätzlich sei es stets ratsam, am Aktienmarkt investiert zu sein, räumt Michael Weber, Co-Autor der Studie von der Chicago Booth, im Gespräch mit manager magazin online ein. Eine Strategie, die am Tag einer überraschenden Fed-Entscheidung einsetze und die entsprechenden Papiere 15 Tage später wieder verkaufe, bringe jedoch einen zusätzlichen Ertrag, den sowohl professionelle als auch private Investoren nutzen könnten. Die sogenannte Sharpe-Ratio, mit deren Hilfe die Renditen von Geldanlagen unter Einbeziehung des Risikos gemessen werden, sei in dem Fall um den Faktor vier höher als bei einer herkömmlichen Buy-And-Hold-Strategie, so Weber.

Studienergebnisse gelten auch für hiesige Börse

Laut Weber gilt diese Aussage generell für die volle Breite des Aktienmarktes. Es gebe aber Branchen wie etwa den Maschinenbau, deren Papiere die beschriebenen Ausschläge in besonders starkem Maße zeigten. Auf der anderen Seite hat die Analyse Weber zufolge ergeben, dass Aktien der Minen-Industrie in diesem Zusammenhang gemieden werden sollten - sie entwickelten sich bemerkenswerterweise nach Fed-Überraschungen stets in die entgegengesetzte Richtung zum Rest des Marktes.

Ebenfalls bemerkenswert: Dem Wissenschaftler zufolge lässt sich die Strategie einsetzen, ohne dass sich dadurch das Anlagerisiko für Investoren ändert. Auch das lasse sich anhand der Sharpe-Ratio-Messung erkennen, so Weber gegenüber manager magazin online.

Die Kursausschläge am Aktienmarkt waren zudem nach überraschenden Fed-Entscheidungen keineswegs nur an der US-Börse zu beobachten. An den Märkten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, der Schweiz und Spanien kam es vielmehr zu vergleichbaren Bewegungen.

Eins muss allerdings auch Professor Weber eingestehen: Die Fed hat ihre Kommunikation inzwischen soweit ausgearbeitet und verfeinert, dass es nur recht selten zu echten Überraschungen bei ihren Entscheidungen kommt. Sollte es also am Mittwoch dieser Woche tatsächlich den erwarteten Zinsschritt geben, so könnten Investoren die in der Studie angedachte Strategie zumindest dieses Mal nicht einsetzen.

Dann hieße es wohl: Warten bis Dezember, wenn das FOMC erneut über die Höhe der US-Zinsen berät.

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