Montag, 17. Februar 2020

Trump will Wahlkampfhilfe von Fed-Chef Powell "Eine kleine Zinssenkung ist nicht genug"

Der Fed-Chef und die Nervensäge: Donald Trump (links) will die Unabhängigkeit der US-Notenbank nicht akzeptieren. Er erwartet von Fed-Chef Jerome Powell Wahlkampfhilfe
Carlos Barria / REUTERS
Der Fed-Chef und die Nervensäge: Donald Trump (links) will die Unabhängigkeit der US-Notenbank nicht akzeptieren. Er erwartet von Fed-Chef Jerome Powell Wahlkampfhilfe

Eine Zinssenkung in den USA in dieser Woche gilt als ausgemacht, doch US-Präsident Donald Trump nörgelt weiter: Vor der Zinssitzung der Federal Reserve drängt Trump die Notenbank zu einer kräftigen Senkung der Zinsen in den USA - mit dem Ziel, auf diese Weise den Dollar zu schwächen und die Aktienrally zum Auftakt seines Präsidentschaftswahlkampfs weiter zu befeuern.

Trump forderte die Währungshüter am Montag auf, mehr als nur einen kleinen Schritt zu wagen: "Die Fed hat alle falschen Entscheidungen getroffen. Eine kleine Zinssenkung ist nicht genug", twitterte Trump. Er warf der Fed zudem Untätigkeit vor, während die EU und China ihre Zinsen weiter drückten und Geld in das Finanzsystem pumpten. "Und bei sehr niedriger Inflation tut unsere Fed nichts - und wird wahrscheinlich vergleichsweise wenig tun. Was für ein Jammer."

Erste Zinssenkung in den USA seit über 10 Jahren

An den Finanzmärkten wird für Mittwoch mit der ersten Zinssenkung in den USA seit über zehn Jahren gerechnet: Der geldpolitische Schlüsselsatz dürfte um einen Viertel Punkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent fallen.

Einige Marktteilnehmer hatten auch einen größeren Zinsschritt auf dem Zettel. Doch waren die jüngsten Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt besser als erhofft ausgefallen, was überschäumende Zinssenkungsfantasien etwas dämpfte.

Die Währungshüter haben angesichts der von Trump geschürten Spannungen im internationalen Handel und der damit zusammenhängenden unsicheren Konjunkturperspektiven eine Kappung signalisiert, nachdem sie voriges Jahr die Zinsen vier Mal angehoben hatten und danach pausierten.

Trump macht bereits ebenso wie sein türkischer Amtskollege Erdogan seit langem Druck auf die politisch unabhängige Notenbank und verlangt Zinssenkungen, um die Konjunktur zu befeuern. Er hat sich insbesondere auf Fed-Chef Jerome Powell eingeschossen, dem er zwar selbst ins Amt verhalf, nun aber schlechte Arbeit vorwirft. Die Angriffe gipfelten in der Aussage, er könne Powell bei Bedarf degradieren.

la/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung