Fed-Protokolle US-Notenbank deutet raschere Zinserhöhungen an

Die US-Notenbank interpretiert die Inflationsentwicklung in den USA offenbar jetzt als sehr viel hartnäckiger und deutet deshalb eine schnellere Zinserhöhung an. Manche Experten rechnen gar mit vier Zinsschritten in diesem Jahr.
Verunsichert derzeit die Märkte: Die US-Notenbank um Chef Jerome Powell könnte die Zinsen schneller und sogar viermal im laufenden Jahr anheben, sagen Experten nach Lektüre der Fed-Protokolle

Verunsichert derzeit die Märkte: Die US-Notenbank um Chef Jerome Powell könnte die Zinsen schneller und sogar viermal im laufenden Jahr anheben, sagen Experten nach Lektüre der Fed-Protokolle

Foto: POOL / REUTERS

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) denkt angesichts des Inflationsschubs über eine womöglich raschere Anhebung der Zinsen nach. Wie aus den am Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung im Dezember hervorgeht, verwiesen die Währungshüter dabei auch auf einen sehr angespannten Arbeitsmarkt. Notenbank-Mitglieder merkten laut Protokoll an, womöglich sei es gerechtfertigt, die Zinsen früher oder in einem schnelleren Tempo als bislang erwartet anzuheben. Die Aktienmärkte in Asien, den USA und auch in Europa reagierten mit Verlusten auf die neuen Nachrichten.

Inzwischen taxiert das Fed-Watch-Tool des Börsenbetreibers CME die Wahrscheinlichkeit auf über 70 Prozent, dass die Fed bereits im März damit beginnt, die Leitzinsen anzuheben. Aus Sicht mancher Teilnehmer könnte es zudem sinnvoll sein, mit der Verkleinerung der Notenbankbilanz relativ bald nach dem Start von Zinserhöhungen zu beginnen. Durch die umfangreichen Anleihenkäufe war die Fed-Bilanz zuletzt auf rund 8,8 Billionen Dollar angeschwollen.

Auf ihrer Sitzung am 14. und 15. Dezember hatten die Dollar-Wächter angesichts der hochschießenden Inflation eine zügige Abkehr vom Krisenmodus beschlossen. Zugleich signalisierten sie für 2022 im Mittel drei Zinsschritte nach oben. Beim Zurückfahren ihrer Wertpapierkäufe zur Stützung der Konjunktur will die Fed zudem aufs Tempo drücken – ab Mitte Januar soll die Abbaugeschwindigkeit auf 30 Milliarden Dollar monatlich verdoppelt werden.

Vier statt drei Zinsschritte?

Der Ton der Protokolle lege nahe, dass die Notenbank mit der Straffung ihrer Geldpolitik schneller beginnen und diesen Kurs womöglich noch verstärken werde, kommentierte Kim Rupert, Analystin von Action Economics die Protokolle. "Sie sind sehr besorgt, dass ihnen die Inflation außer Kontrolle gerät." Zudem sei auf dem Treffen die Notenbankbilanz detaillierter diskutiert worden als sie es erwartet habe. Damit werde der Markt auf womöglich vier Zinsschritte in diesem Jahr eingestimmt. Ähnlich äußerte sich Dave Donabedian, Chef-Investmentstratege von CIBC Private Wealth. Die Fed-Protokolle hätten klargemacht, dass 2022 mehr als drei Zinserhöhungen und eine Verkleinerung der Bilanz auf dem Tisch lägen, kommentierte er.

Inflation auf höchsten Niveau seit 1982

Die Teuerungsrate war in den USA im November auf 6,8 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert seit Juni 1982. Aus der Pandemie-Krise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten trieben die Inflation nach oben. Die Notenbank Fed achtet bei der Inflationsentwicklung besonders auf die persönlichen Ausgaben der Verbraucher. Dabei bleiben Nahrungsmittel- und Energiekosten unberücksichtigt. Diese Jahresteuerungsrate (PCE-Kernrate) lag im November bei 4,7 Prozent. Das ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie das Fed-Ziel von 2 Prozent.

Fed hält Lage auf dem Arbeitsmarkt für sehr angespannt

Aus den Protokollen geht zudem hervor, dass die Währungshüter die Lage auf dem Arbeitsmarkt als sehr angespannt betrachten. Dabei wurde auf fast rekordhohe Zahlen zu Kündigungen und offenen Stellen verwiesen sowie auf ein Anziehen der Löhne. Viele Dollar-Wächter vertraten auf dem Treffen die Ansicht, dass Vollbeschäftigung schnell erreicht werde, sollte die Entwicklung anhalten. Zum Zeitpunkt der Dezember-Zinssitzung begannen in den USA allerdings auch die Corona-Infektionen durch die Ausbreitung der Omikron-Variante zuzunehmen. In den Protokollen hieß es dazu, laut vielen Sitzungsteilnehmern sei durch Omikron der Konjunkturausblick unsicherer geworden. Mehrere Notenbanker merkten aber an, dass sich durch Omikron der wirtschaftliche Erholungspfad nicht grundlegend verändere.

rei/Reuters
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